Hilde Pollak-Karlin
Pollak-Karlin, Hilde
geb.: Kotányi


.01.01.1943 Treblinka (besetztes Polen)
(Todestag und -monat unbekannt)



-- Biographische Archiv-Notiz --

Hilde Kotányi stammte aus einer jüdischen Budapester Familie mit vielen Kindern. Sie war mit dem Kunstmaler Richard Pollak-Karlin verheiratet, mit dem sie sich in Wien während ihres Malstudiums befreundet hatte. Durch ihn lernte sie die Theosophie kennen und wurde 1906 Mitglied der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft.

Sie hat erst gemalt, dann mit Kohle, mit Kreide, schließlich mit Bleistift gezeichnet, bevor sie zu sticken anfing. Ab 1914 lebte das Ehepaar in Dornach, sie arbeiteten an der Ausmalung der großen Kuppel mit.

1915 ergriff sie die Initiative, für die erste eurythmisch-dramatische Aufführung von Fausts "Himmelfahrt" ein Programmplakat zu malen. Von da an wurden die gemalten Programme ein fester Bestandteil der künstlerischen Veranstaltungen der Dornacher Bühnengruppe.

Sie fertigte die Bildplakate für die Eurythmie-Aufführungen in der Schreinerei in der Zeit vor Inbetriebnahme des ersten Goetheanum an.

Den Antrag 1918 von Hermann Linde, Rudolf Steiner möge in der großen Kuppel selbst malen, unterstützte sie nicht.

1920 zog sie mit ihrem Mann nach Prag. Sie wurde Stickkünstlerin, stickte auch Porträts und hat in der Kunst der Stickerei eine sehr originelle Art ausgebildet, die in der vorwiegend schrägen Führung der Stiche in Analogie zu der von Rudolf Steiner angegebenen Schräg-Schraffierung bestand. Sie benutzte den Stoffgrund als Ausdrucksmittel mit. Auch die Veränderung des Lichteinfalls durch Variation der Stickrichtung verwendete sie als Kunstmittel. Die Kunstwerke sind von außerordentlich hoher Ausdruckskraft.

Marie Steiner begeisterte sich für ihre Stickerei. 1927 wurden ihre Arbeiten in Dornach ausgestellt, das Ehepaar kam damals nach Dornach.

Eine Ausstellung ihrer Stickereien wurde auch im März 1931 von der Gesellschaft zur Pflege der Eurythmie und verwandter Künste in Prag und im Sommer 1931 wieder im Goetheanum veranstaltet. Sie hielt in Prag den einführenden Vortrag: "Entwicklung der Kunststickerei vom Gesichtspunkte seelischer Wandlungen." Sie sprach temperamentvoll und künstlerisch, war lebenssprühend, gesprächig, geist- und gemütvoll.

Bis 1938 kamen sie öfters nach Dornach.

Sie wurde nach Einmarsch von Hitlers Truppen in die Tschechei verhaftet und nach Theresienstadt transportiert. Sie hat im Lager durch ihr tapferes Wesen vielen Mut eingeflößt. Sie sprach auch dort noch über die Anthroposophie.

Als sie sich weigerte, für Munitionslieferungen zu arbeiten, war es mit den Vergünstigungen aus und beide betraten den Märtyrerweg. Hilde Pollak fand im Vernichtungslager Treblinka den Tod.

Ihre Stickereien wurden zu Ostern 1965 im Goetheanum nochmals ausgestellt.




Werke: Beitrag in N.
Literatur: Fels, A.: Stickereien von Hilde Pollak, in: N 1936, Nr. 46; Götte, F.,
Grone, J. v.: Michael Triptychon, in: MaD 1950, Nr. 13; Dubach, A.: Erinnerung
an Hilde und Richard Pollak, in: N 1968, Nr. 59; Bessenich, J.: Zur
Kunstausstellung am Goetheanum, in: N 1968, Nr. 2; Fels, A.: Vom Werden
der Eurythmie, Dornach 1986; Kühne, W.: Prager Erinnerungen, Radolfzell o. J.;
GA 291a, 1990; Bessau, E.: Die Maler der großen Kuppel im ersten
Goetheanum II: Hilde und Richard Pollak, Baronin Paini-Gazotti, Ottilie
Schneider, in: N 1998, Nr. 13.




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