Julius Breitenstein
Breitenstein, Julius

Heimleiter.

*01.01.1871 Herrmannstadt/Siebenbürgen (damals Österreich-Ungarn)
.04.05.1950 Wien (Österreich)
(Geburtstag und -monat unbekannt)

Amalie und Julius Breitenstein waren Jugendfreunde Rudolf Steiners, die sich der anthroposophischen Bewegung anschlossen. Ihr geselliges Heim in der Köstlergasse 8 war über Jahre das Zentrum der anthroposophischen Bewegung in Wien.

Amalie Breitenstein war schon in den 1880er-Jahren gemeinsam mit ihrem ersten Mann, Fritz Breitenstein, und dessen Bruder Julius, ihrem zweiten Mann, in Wien mit Rudolf Steiner befreundet gewesen. Nach dem Tode ihres Mannes heiratete sie später (1915) ihren Schwager.

1911 führte Rudolf Steiner beide anlässlich einer größeren Veranstaltung als „seine Freunde‟ (GA 28, Kap. XVIII) in den Kreis des damals noch jungen Wiener Zweiges der Theosophischen Gesellschaft ein. Von dieser Zeit an widmeten beide ihre ganze Kraft der anthroposophischen Sache. Julius Breitenstein entpuppte sich zur Zufriedenheit Rudolf Steiners als „recht gutes Talent‟, er führte bald schon Einführungskurse durch und wirkte mit Alfred Zeissig in der Zweigleitung zusammen. Wenn Rudolf Steiner in Wien weilte, wohnte er meist bei Breitensteins.

Ab ca. 1914 betrieben Breitensteins ein Vegetarierheim. Dort fanden u.a. auch zeitweise Veranstaltungen des Vereins „Homo contra homunculus‟ des Ritters Julius von Rainer statt. Ebenso wurde ein Gesangchor eingerichtet. Die menschlich warme Atmosphäre im Heim der Breitensteins trug viel dazu bei, das Gemeinschaftsband der Wiener anthroposophischen Freunde zu erhalten. Neben der Leitung des Wiener Zweiges übernahm Julius Breitenstein bei der Gründung der österreichischen Landesgesellschaft der Anthroposophischen Gesellschaft 1923 auch einen der sechs Vorstandsposten. Während Rudolf Steiners Krankheit, wenige Wochen vor seinem Tode, hatte Ita Wegman die Idee, Amalie Breitenstein nach Dornach kommen zu lassen, damit sie Rudolf Steiner mit ihrer Wiener Küche bekochen sollte - was er aber energisch ablehnte (vgl. Brief von Rudolf an Marie Steiner vom 13. März 1925). Ob es noch dazu kam, ist nicht überliefert. Bald nach Rudolf Steiners Tod bezog die Gesellschaft größere Räumlichkeiten in der Mariahilferstrasse (ab dem 1.4.1925 Mariahilferstraße 22, III. Stiege, Halbstock über dem - damals renommierten - Café Siller).

Während der Verbotszeit unter dem NS-Regime war ihre Wohnung wieder vertraulicher Treffpunkt der anthroposophischen Freunde. Zusammen mit Karl Rössel-Majdan rief Julius Breitenstein trotz schwieriger innergesellschaftlicher Konflikte 1945/46 die Wiener Anthroposophische Gesellschaft wieder ins Leben und leitete sie noch einige Zeit. Nachdem die zehn Jahre ältere Amalie Breitenstein bereits 1942 verstorben war, heiratete Julius im hohen Alter nochmals. Er starb nach längerer Krankheit und einer Operation, die einen Spitalaufenthalt nötig machte, nach einer Lungenentzündung schließlich an den Folgen eines Zuhause erlittenen Schlaganfalls.

Hans-Jürgen Bracker


Werke: Beitrag in N.
Literatur: Steiner, M.: Amalie Breitenstein, in: N 1942, Nr. 52; Lissau, R.: Julius Breitenstein, in: N 1950, Nr. 22; K. R.-M.: In memoriam Julius Breitenstein, in: MfM 1950, Nr. 6; GA 28, 1962 (7. Aufl.); GA 262, 1967; Rath 1971; GA 38, ³1985; GA 39, ²1987; Schöffler 1987; Lindenberg, Chronik 1988; GA 259, 1991; Plato, B. v. [Hrsg.]: Anthroposophie im 20. Jahrhundert, Dornach 2003.




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