Johanna Arnold
Arnold, Johanna

Lehrerin.

*02.10.1870 Jungfer bei Elbing (Deutschland)
.01.08.1917 Bochum (Deutschland)
(Todestag unbekannt)



Der erste Zweig der Anthroposophischen Gesellschaft nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft wurde am 21. Dezember 1913 in Bochum als „Vidar- Zweig‟ gegründet. Seine erste Leiterin war Johanna Arnold. Es gibt nur wenige Mitteilungen über ihr Leben, aber eine Würdigung ihrer geistigen Tätigkeit von Rudolf Steiner. „Die Größe, die in der Art des Hinübergehens in die geistige Welt bei Johanna Arnold lag, aber auch die innere Größe ihres ganzen seelischen Ergebenseins der Geisteswissenschaft, sie sind wirklich lebendige Beweise dafür, als was diese Geisteswissenschaft von wertvollsten Menschen genommen wird.‟ (GA 176) Rudolf Steiner teilte der jüngeren Schwester Lina mit, welche weitere Entwicklung Johanna Arnold in der geistigen Welt nahm.

Johanna Arnold wurde in Jungfer bei Elbing geboren. Der Vater war Seemann; Rudolf Steiner sprach bei Besuchen der Familie mit ihm über seinen Beruf. Die drei Töchter - Anna, die älteste, Johanna, die mittlere, und Lina, die jüngste - waren oft Gäste im Zweig in Berlin.

Mit sieben Jahren rettete Johanna die ältere Schwester Anna vor dem Ertrinken. Johanna Arnold wurde im Seminar in Elbing zur Lehrerin ausgebildet. Sie verbrachte acht Jahre als Erzieherin in England. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie von Westpreußen nach Bochum ins Ruhrgebiet, das sich in der damaligen Zeit zu einem der größten industriellen Zentren der Welt entwickelte. Sachlich und nüchtern weist Rudolf Steiner in seinem Vortrag zur Gründung des Vidar-Zweiges in Bochum (GA 150) auf die Umgestaltung einer idyllischen bäuerlichen Landschaft in eine vom Materialismus bis ins Äußere geprägte Welt als die zukünftige Gestalt der Erde hin. Im beginnenden „Erdenwinter‟ bedürfe es starker Kräfte für die Seele, um diese zu erschüttern, das Herz innerlich zu ergreifen: „... gegenüber diesem materiellen Leben gibt es keine aus einer Sympathie mit den alten Zeiten genommene berechtigte Kritik, sondern nur die Einsicht, dass es das Schicksal unseres Erdenplaneten ist.‟

Der Erdenweg Johanna Arnolds erscheint wie urbildlich für einen modernen Menschen; die Kindheits- und Jugendjahre verbrachte sie in einer noch „heilen Welt‟, danach folgten Jahre der Tätigkeit in England als dem Land, das prädestiniert ist, die Bewusstseinsseele auszubilden, und das Eintauchen in eine durch und durch vom Materialismus durchzogene Welt. In Bochum wirkte sie an verschiedenen Schulen als Lehrerin, zugleich ging sie intensiv auf eine Zweiggründung zu. Rudolf Steiner führt aus, dass Johanna Arnold ihn oft gefragt habe, „was denn eigentlich diese Zeit furchtbarster Prüfung mit den Menschengeschlechtern‟ wolle und was jeder Einzelne tun könne, um diese Zeit der Prüfung in der rechten Weise durchzumachen. Sie habe die Tagesereignisse in die großen Zusammenhänge mit dem geistigen Entwicklungsgang der Menschheit zu bringen vermocht. Um die Geheimnisse des Menschendaseins zu enträtseln, habe sie Fichte, Schelling, Hegel, Robert Hamerling eindringlich studiert. - Rudolf Steiner charakterisiert sie in seinem Berliner Vortrag (GA 176) als „lebendigsten Beweis‟ dafür, dass Professor Max Dessoir mit seiner Meinung, die Masse seiner Anhänger verzichte vollständig auf eigene Denktätigkeit, zeige, „welch ungeheure Lüge in einem solchen Ausspruch eines professoralen Ignoranten‟ liege.

Nachdem ihre Schwester Anna zwei Jahre vor ihr gestorben war, folgte ihr Johanna Arnold im vierten Jahr nach der Bochumer Zweiggründung.

Friedhelm Dörmann†


Literatur: Herrmann, J.: Fünfzig Jahre Vidar-Zweig in Bochum, in: MaD 1963,
Nr. 66; GA 150, Dornach ²1980; GA 176, Dornach ²1982; GA 261, Dornach ²
1984.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

Copyright: Text und Bild sind urheberrechtlich geschützt. Reproduktion in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung der Forschungsstelle Kulturimpuls, Dornach
Forschungsstelle Kulturimpuls Biographien Dokumentation www.kulturimpuls.org