Wally Ammerschlaeger-Portig
Ammerschlaeger-Portig, Wally
geb.: Portig

Heileurythmistin.

*21.04.1897 Hamburg (Deutschland)
.10.02.1994 Murrhardt (Deutschland)









Wally Portig wuchs in Hamburg mit zwei Schwestern und einem jüngeren Bruder auf. Sie war ein schwächliches Kind, mit 16 Jahren verließ sie die Schule. Da eine Ausbildung finanziell nicht möglich war, arbeitete sie zunächst im Postdienst, dann als Laborantin und machte im Ersten Weltkrieg einen Kurs in Röntgentechnik und Fotografie. 1915 kam sie ins Eppendorfer Krankenhaus, wo sie zuerst im Röntgen-Institut arbeitete und gegen Ende des Krieges im Seziersaal die Sektionsprotokolle zu schreiben hatte. Diese Begegnung mit dem Sterben und ihr Engagement in der Jugendbewegung führten sie zur Anthroposophie. So kam sie zu einem Einführungskurs von Louis Werbeck und wurde 1920 Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft. Bei Resi Vorbeck nahm sie an einem Eurythmie-Kurs teil. Anfang 1922 hörte sie einen Vortrag von Rudolf Steiner in Hamburg. 1925 war sie zur Pfingst-Jugend-Tagung in Dornach, wo sie Adolf Ammerschläger, ihren späteren Mann, kennen lernte.

Mit 28 Jahren beendete sie ihre Arbeit im Krankenhaus und ging im Herbst 1925 für ein Jahr nach Dornach, wo sie den Schwesternkurs absolvierte und eine Einführung in die Heileurythmie bei Margarete Bockholt bekam. Außerdem wurde ihr im Sonnenhof (im Haus Holle) die Betreuung eines vierjährigen seelenpflegebedürftigen Knaben übertragen.

Im Mai 1927 wurde sie von Ita Wegman nach Jena-Zwätzen gesandt und im Herbst 1928 nach Pilgramshain/Schlesien. Zu Michaeli 1929 heiratete sie. 1930 siedelte sie mit ihrem Mann nach Gerswalde um, 1935 gingen sie nach Altefeld bei Eisenach (Lauenstein), wo sie in der Gruppenbetreuung mitarbeitete und den Kindern Heileurythmie gab.

1939 wurde ihr Mann von Moritz zu Sachsen-Altenburg als Geschäftsführer nach Schloss Hamborn berufen, aber schon nach wenigen Monaten begann der Zweite Weltkrieg. Das Heim wurde aufgelöst, ihr Mann und der Erbprinz wurden verhaftet. Unerschrocken reiste sie immer wieder nach Bielefeld und schließlich nach Berlin zur SS und konnte erreichen, dass die beiden im März 1942 entlassen wurden. Ihr Mann wurde im Herbst 1942 eingezogen und war zwei Jahre lang als Sanitäter in Russland eingesetzt; im Sommer 1944 fand er bei einem Bombenangriff auf seinen Lazarettzug den Tod.

Wally Ammerschläger war mit den beiden Kindern zu den Schwiegereltern nach Aschaffenburg gezogen. Ende November 1944 mussten sie flüchten und gelangten schließlich zurück nach Hamborn.

1946 wurde sie als Heileurythmistin an die neu begründete Waldorf-Schule nach Hannover gerufen. Sie bezeichnete die 15 Jahre ihrer dortigen Arbeit als die besten ihres Lebens, obwohl der Anfang mit schweren Entbehrungen verbunden war.

Wegen einer Gelenk-Krankheit musste sie 1952 die Heileurythmie aufgeben; sie übernahm die Förderklasse und 1959 den Aufbau des Hortes. Dazu kamen der Aufbau der Bibliothek, Klassenvertretungen, Elternarbeit und Schüler-Aufnahmen.

1961 trat sie in den Alters-Ruhestand, setzte sich aber keineswegs zur Ruhe. Es begann die Zeit ihrer großen Reisen. 1965 zog sie nach Stuttgart. Dort gab sie Nachhilfe-Unterricht und übernahm eine Arbeit im Bund der Waldorfschulen. Ganz besonders engagierte sie sich für die soziale Dreigliederung und war an der Gründung des Forum 3 in Stuttgart beteiligt. Sie bemühte sich, die Anthroposophie in die Öffentlichkeit zu tragen, indem sie Verbindungen mit Vertretern der Gewerkschaft (GEW), aber auch zu Abgeordneten und Ministern aufnahm.

Bis ins hohe Alter nahm sie mit beweglichem Geist und wachem Interesse an den Zeitereignissen teil und begleitete besonders die anthroposophischen Initiativen in aller Welt mit wärmster Anteilnahme.

Annelies Gentsch


Werke: Beitrag in MaD.
Literatur: Moericke, C.-D., Wally Ammerschläger, in: Leh 1994, Nr. 51.




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