Georg von Arnim
von Arnim, Georg Ehrenfried

Arzt, Heilpädagoge.

*26.09.1920 Groß Marchwitz, Kreis Namslau, Schlesien (damals Deutschland)
.07.11.2000 Föhrenbühl (Deutschland)







Georg Ehrenfried von Arnim setzte sich als Kinderarzt für die anthroposophisch orientierte Heilpädagogik in der Camphill-Bewegung um Karl König ein.

Er brach früh mit seiner adligen Vergangenheit. Der Verlust von Grund und Boden, die unstete Kindheitssituation - nach dem frühen Verlust des Vaters und der zweiten Heirat seiner Mutter mit Alfred Graf von Keyserlingk betrieb die Familie eine Kaffeeplantage in Angola - und der Krieg machten ihn zum heimatlosen Menschen. Nach der Schulzeit im humanistischen Gymnasium im Riesengebirge mit Reifeprüfung 1939 und dem Dienst in der Wehrmacht musste er wegen schwerer Erkrankung sein Studium der Elektrotechnik in Stuttgart abbrechen. Danach studierte er in Erlangen und Tübingen Medizin. In dieser Zeit wurde Anthroposophie immer mehr zum zentralen Inhalt seines Lebens. Seine Mutter hatte ihm den „Seelenkalender‟, Sprüche Rudolf Steiners und das Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‟ an die Front geschickt.

Nach seiner Promotion 1952 arbeitete Georg von Arnim zunächst als Kinderarzt in Stuttgart und folgte 1962 dem Camphill-Gründer Karl König nach Schottland. In erster Ehe bekam er zwei Söhne. In der Begegnung und intensiven Zusammenarbeit mit Karl König und seiner Pioniergruppe - vor allem mit Carlo Pietzner - fand er bestätigt, dass schicksalsfördernde Wege für Kinder mit schweren Inkarnationsstörungen in einer therapeutischen Gemeinschaft realisierbar sind. Er sah und betonte darüber hinaus die eminente Bedeutung der Menschen mit Behinderungen und der therapeutischen Gemeinschaften für zukünftige menschliche Gesellschaften im Sinne der „umgekehrten Integration‟.

Georg von Arnim gab Arbeiten Königs heraus und ergänzte sie durch eigene Darstellungen aus dem praktischen Alltag mit seelenpflegebedürftigen Kindern (zusammengefasst in Arnim 2000).

Karl König lag viel daran, dass die Camphill-Impulse in Mitteleuropa Fuß fassen mögen. 1964 schlug er von Arnim vor, gemeinsam am Bodensee zu arbeiten, wo seine spätere zweite Frau, Erika Sautter, die heilpädagogische Arbeit 1958 in Brachenreuthe und ab 1963 in Föhrenbühl begonnen hatte. Hier konnte   Georg von Arnim seinen Impuls, heilend zu wirken, ins Soziale, Schulische, Medizinisch-Therapeutische und bis ins Architektonisch-Gestalterische hinein in die Camphill-Gemeinschaft einfließen lassen.

Nach Königs Tod begann 1966 für von Arnim eine intensive Periode der Zusammenarbeit mit Hans Müller-Wiedemann, der gerade aus Süd-afrika, wo unter Karl Königs Führung der Anfang der dortigen Camphill-Arbeit gemacht worden war, zurückgekehrt war. Durch die Zusammenarbeit der beiden Ärzte entstanden wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit der anthropologischen Medizin um Viktor von Weizsäcker, Ludwig Binswanger und Herbert Plügge. Die diagnostischen Kinderbesprechungen beider Ärzte schulten die Studenten des Camphill-Seminars.

Neben der Arbeit innerhalb dieser heilpädagogischen Siedlung am Bodensee erstreckte sich Georg von Arnims Wirken zunehmend in den weiteren Umkreis der Camphill-Bewegung und der Anthroposophischen Gesellschaft. So war er an der Zusammenführung der weltweit arbeitenden anthroposophisch-heilpädagogischen Einrichtungen beteiligt, die sich 1979 als „Konferenz für Heilpädagogik und Sozialtherapie‟ innerhalb der Medizinischen Sektion am Goetheanum formte. Die Weiterentwicklung der Freien Hochschule am Goetheanum war ihm ganz allgemein, im besonderen aber mit Blick auf die Medizinische und Sozialwissenschaftliche Sektion ein großes Anliegen.

Seine Art, Zusammenhänge klar, lebensnah, befeuernd und doch freilassend darzustellen gab Anlass zu Vorträgen, Kursen und Einzelfall-Beratungen, die ihn über die ganze Welt führten. Er sprach, lehrte und beriet in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich, in Holland, Frankreich, Großbritannien, Skandinavien, in den USA, in Südafrika und im damaligen Ostblock (DDR, Tschechoslowakei, Ungarn).

Ein weiteres Anliegen, das ihn regelmäßig mit Dora Gutbrod zusammenführte, war der therapeutische Aspekt der Sprache. Es entstanden Tagungen in Föhrenbühl und am Goetheanum, die in Zusammenarbeit mit Ursula Ostermai zu der Gründung der „Dora-Gutbrod-Schule‟ und mit Ursula Herberg zu der Publikation „Sprachverständnis und Sprachbehandlung‟ führten.

Georg von Arnim verstarb in seiner Wahlheimat Föhrenbühl am 7. November 2000, wenige Wochen nach seinem 80. Geburtstag, an dem ihm die Publikation „Bewegung, Sprache, Denkkraft‟ präsentiert wurde.

„Georg von Arnims Biographie (zeigt) den Schicksalsgang eines hochbegabten und esoterisch geschulten Arztes, der in seltenster Unmittelbarkeit über Fähigkeiten des wirklichen Mit-Leides und des intentionalen Mitvollzuges krankheitsbedingter Einschränkungen und Behinderungen der von ihm behandelten Kinder verfügte.‟ (Selg 2001, S. 412)

Richard Steel


Werke: Zur Frage der PAS-Behandlung der Lungentuberkulose, Dissertation,
Tübingen 1952; mit anderen: Sprachverständnis und Sprachbehandlung,
Stuttgart 1978, und Die Bedeutung der Bewegung in der Heilpädagogik,
Dornach 1988; Helfen und Heilen durch Kunst, Stuttgart 1989; Bewegung,
Sprache, Denkkraft, Dornach 2000; Meditative Aufzeichnungen, Dornach 2002;
Beiträge in Sammelwerken; Übersetzungen ins Englische, Französische,
Spanische und Rumänische erschienen, Beiträge in CaC, CB, CES, MaD, SbK,
SHS.
Literatur: Vierl, K.: Zusammenarbeit der anthroposophisch-
heilpädagogischen Ausbildungsstätten, in: MaD 1972, Nr. 93; Selg, P.: Dr.
med. Georg von Arnim, in: Mst 2001, Nr. 6; Steel, R. et al.: Dr. Georg
Ehrenfried von Arnim, in: CaC 2001, Nr. 2; Grimm, R.: Georg von Arnim, in:
SHS 2001, Nr. 1.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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