Oscar Baron von Hoffmann
Baron von Hoffmann, Oscar

Bankier.

*22.10.1832 Triest (damals Österreich)
.01.05.1912 Leipzig (Deutschland)

Baron von Hoffmann war wahr-scheinlich der älteste unter den geistig Suchenden, die sich Rudolf Steiner anschlossen. Er hat sich durch seine Übersetzung des Meditationsklassikers ”Light on the Path” [1885] der englischen Theosophin Mabel Collins einen bleibenden Platz im Gedächtnis der theosophischen und der anthroposophischen Bewegung er-worben.

Oskar von Hoffmann, geboren in Triest, wo seine Eltern einige Jahre lebten, wuchs mit seinem Bruder Alphons in einer Leipziger Bankiersfamilie auf und blieb als Bankier der Familientradition treu. Bis zu seinem 32. Lebensjahr war er aktiver - danach nur noch passiver - Teilhaber am New Yorker Bankhaus seines Vaters Ludwig Ferdinand Freiherr von Hoffmann (1796-1856; 1841 in den Freiherrenstand erhoben); er wurde wie dieser sächsisch-altenburgischer Finanzrat. Da er Amerika nicht liebte, kehrte er nach Europa zurück. 1864 heiratete er die gleichfalls aus Leipzig stammende Bankierstochter Eveline Becker (1842-1913). Auf ihrer Suche nach Geistigem (wobei sie einige Male hereingefallen und finanziell ausgenützt worden waren) kamen Hoffmann und seine Frau zur Theosophie und lernten im August 1884 Helena Petrowna Blavatzky persönlich kennen, und zwar in Elberfeld, wo sie sich kurz nach der Gründung der ersten deutschen theosophischen Vereinigung (”Societät Germania”) aufhielt.

”Licht auf dem Weg”, die Übersetzung von ”Light on the Path”, erschien 1888 bei Grieben in Leipzig, wo Hoffmanns und ihre zwei Töchter (darunter Martina Limburger - von Hoffmann) lebten. Oskar Hoffmann übersetzte noch eine weitere Schrift von Mabel Collins: ”Das Lied von der weißen Lotos” (Leipzig, 1889).

Im Herbst 1905 schrieb der in England lebende Bruder Alphons an Hoffmann: ”Ihr lest und schreibt immer von Annie Besant und dabei habt Ihr selber eine viel bedeutendere Persönlichkeit, einen Rudolf Steiner […]” (Meyer 2000) Hoffmanns fuhren nach Berlin, um Rudolf Steiner zu hören, und kamen begeistert zurück. Nach dem nächsten öffentlichen Vortrag Rudolf Steiners in Leipzig (31. Januar 1906) wurde Hoffmann, der zu diesem Zeitpunkt bereits 73 Jahre alt war, durch dessen wichtigste Mitarbeiterin in Leipzig, Frau Elise Wolfram, mit Steiner bekannt gemacht. Steiner besuchte ihn am nächsten Tag und lud ihn, seine Frau und die gerade verwitwete Tochter Martina ein, an monatlichen Zusammenkünften mit ihm in kleinem Kreise teilzunehmen. Aufgrund seiner schlechten Erfahrungen (s.o.) antwortete Hoffmann: ”Aber Mitglied werden wir nicht!” Worauf Steiner ihn lächelnd beruhigte: ”Das ist auch nicht nötig.” (Limburger 1952) Im Herbst 1906 traten sie dann doch ein, nachdem ihre Tochter Martina bereits im Juli Mitglied geworden war. In den Jahren bis zu Hoffmanns Tod 1912 besuchte Steiner ihn dann bei jedem seiner Aufenthalte in Leipzig.

Rudolf Steiner teilte mit, dass der Meister, der Mabel Collins’ Schrift ”Light on the Path” inspirierte, auch bei Hoffmanns Übersetzung geholfen habe: sein okkulter Name sei Hilarion; ”dieser sei ein Grieche gewesen, daher die schöne Form der Sprache, durch die die Schrift mantrisch viel wirksamer sei als das englische Original.” (Meyer 2000, S. 118). ”Licht auf dem Weg” gehörte zu den ersten Schriften, die Rudolf Steiner seinen esoterischen Schülern zur Meditation empfahl. Er verfasste 1903/04 eine Exegese und sprach mehrfach in esoterischen Stunden darüber (vgl. GA 264, 266/I, s.a. Meyer).

Hans-Jürgen Bracker


Werke: Ein dreibändiges Werk: ”Weltenträume” blieb unveröffentlicht und muss als verschollen gelten; als Übersetzer: Collins, M.: Licht auf dem Weg, Leipzig 1888 und Collins, M.: Das Lied von der weißen Lotos, Leipzig 1889:
Literatur: Limburger, M. v.: Aus Gesprächen mit Rudolf Steiner, in: MaD 1952, Nr.19; Bock, E.: Rudolf Steiner - Studien zu seinem Lebensgang und Lebenswerk, Stuttgart 1961; GA 261, ²1984; Meyer, T.: Nachwort des Herausgebers, in: Collins, M.: Light on the Path - Licht auf dem Weg. Zweisprachige Ausgabe mit den Kommentaren Rudolf Steiners. Basel 2000.




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