Siegfried Schmock
Schmock, Siegfried

Heilpädagoge, Sozialtherapeut.

*12.03.1931 Wuppertal (Deutschland)
†09.09.1993 Herdecke (Deutschland)



Siegfried Schmock wirkte immer mit anderen Menschen zusammen und all seine Ziele waren auf Menschen ausgerichtet. Schaut man mit etwas zeitlichem Abstand auf ihn, dann sieht man den Gestalter der Soziallandschaft, der Erde pflegt – um im Bild zu bleiben, der Kleinpflanzen umhegt, der aber auch großräumig Landschaft gestaltet. Er hat – nun treten wir aus dem Bilde heraus – Menschen bewegt, er hat Gruppierungen zusammengestellt, er hat Gemeinschaften gegründet. Das wirkt nach in unsere Tage.

Siegfried Schmock war Anthroposoph und er bewegte sich nicht nur unter Anthroposophen. Seine Sozialideen entstammen dieser Tatsache. Er trug die Anthroposophie nicht vor sich her. Er schlug Brücken zu allen Menschen im Umkreis, arbeitete mit ihnen zusammen und bewegte die Ereignisse, die ihm wichtig waren. Er war Mensch unter anderen.

Er entstammte dem so genannten Bergischen Land, war in Wuppertal als Sohn eines Justizinspektors und einer Mutter aus Südtirol geboren und hatte einen sechs Jahre jüngeren Bruder. Er verbrachte einen großen Teil seines Lebens in seiner Geburtsgegend.

Stationen in Siegfrieds Leben: Besuch der Schule, zuletzt der Waldorfschule in Wuppertal. Sein Lehrer war Carl Brestowsky. Er legte das Abitur 1953 ab, studierte Psychologie, Germanistik und Kunstgeschichte in Tübingen. Als Student heiratete er bald und bekam 1954–1969 vier Kinder. 1957 trat er in die Anthroposophische Gesellschaft ein. Seine Doktorarbeit über Troxler wurde durch den Tod des Doktorvaters nicht angenommen.

1957–1959 organisierte er die Lehrlingsausbildung in einer Lackfabrik. Er begegnete Helmut Reimer, der sein weiteres Leben bestimmte. Er wurde Heilpädagoge, Mitbegründer des Troxler-Hauses, einer Tagesschule für seelenpflegebedürftige Kinder, aus der die Wohnsiedlung Königssiepen und die Troxler-Werkstätten für erwachsene Menschen mit Behinderung hervorgingen, ebenso des Hauses Alpha, einer Einrichtung für sozial-geschädigte Jugendliche. Er gründete Hof Sondern, eine Nachsorge-Einrichtung für seelisch kranke Menschen. Er veranlasste Ausbildungseinrichtungen für Mitarbeiter im sozialen Raum, insbesondere die sozialtherapeutische Akademie Beienburg. Lange Jahre arbeitete er im Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Er gehörte zu denen, die Neues anstießen und in Bewegung brachten. Die genannten Einrichtungen leben und wirken. Es gibt viele Neugründungen, vor allem kleinere, die von seinen Schülern ausgingen.

Mit seiner Lebensgefährtin nach 1972, Karin von Schwedler, bekam er zwei Söhne.

Wenn man sich Siegfrieds Bild vor die Seele stellt, dann sieht man ihn unter Menschen: Er sorgte für die kleinen Dinge des Tages. Er kochte Mahlzeiten und bediente die Tafelnden. Er plante zusammen mit anderen neue, erweiternde Schritte im mitmenschlichen Raum. Er empfand die Not anderer und suchte Wege zu helfen.

Wäre Siegfried Sanguiniker gewesen, dann hätte er ein glückliches Leben geführt. Aber in ihm verborgen lebte eine tiefe Melancholie. Er kannte die Einsamkeit dessen, der um das Ziel weiß und um die Wege, die dorthin führen. Aber er musste andere bewegen mit ihm zu gehen. Der Nächste nahm wohl Zielsuche und Wege an, aber dann wanderte er auf seine ihm eigene Weise und ließ Siegfried allein zurück. Das zieht sich als Schicksalszeichen durch sein Leben: Er begeisterte andere. Sie machten sich auf den Weg, aber sobald Fuß gefasst war, blieb kein Raum mehr für ihn.

Siegfrieds Leben verlief – so gesehen – voller Tragik. Er begann Neues, aber nach kurzer oder wenig längerer Zeit geschah es, dass kein Platz blieb für ihn. Das antisoziale Wesen unserer Zeit stieß ihn in die Einsamkeit. Dazu gehörte aber auch, dass Siegfried – den Eindruck hatte man – das ganz Ureigene des Menschen neben ihm kaum wahrnahm. Er sah die Idee, die ihn beflügelte. Er sprach begeisternd über sie, nahm den anderen mit hinein in die Bewegung, die ihn erfüllte und sah ihn vor diesem Hintergrund. Er sah ihn nicht als Eigenen, er sah ihn als Mitwanderer nach dem Ziel, das er ausgemacht hatte.

Bilder aus Siegfrieds Dasein:

Siegfried im Kreise von Menschen mit Behinderung, von Jugendlichen, die allein keinen Weg fanden.

Siegfried, der Erwägende, Betrachtende,

   der Beratende im Kreise anderer Suchender.

Siegfried, der Planer und Gestalter.

Siegfried, der Ideen-sprühende.

Siegfried, der Einsame.

Und Siegfried, der körperlich Mächtige, der viel Raum brauchte, aber auch Raum schuf.

Siegfried Schmock wurde nur 62 Jahre alt.

Hans Dackweiler


Werke : Von der sozial-therapeutischen Bedeutung der Arbeit, in: Starke, G. [Hrsg.]: Kulturimpuls der anthroposophischen Heilpädagogik, Bingenheim 1979; Beitrag in: Frühkindlicher Autismus, Düsseldorf 1989; Beiträge in N, SbK.
Literatur : Todesanzeige, in: G 1993, Nr. 38; Schmock, M.: Siegfried Schmock, in: MaD 1994, Nr. 187; Heuwold, H.: Siegfried Schmock, in: N 1994/95, Nr. 3; Dackweiler, H.: Schmock, Siegfried, in: SHS 2002, Nr. 3.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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