Siegfried Gussmann
Gussmann, Siegfried

Arzt, Pfarrer.

*02.04.1923 Karlruhe (Deutschland)
†25.03.1995 bei München (Deutschland)







Siegfried Gussmann ermutigte und befeuerte viele Menschen und Menschengruppen zu eigenverantwortlicher Lebensgestaltung – und zur Lebensfreude. Er gehörte zu den nachhaltig wirksamen Pfarrern der Christengemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.

Beide Eltern stammten aus kinderreichen Försterfamilien im Schwarzwald. Der Vater lernte als Hausmeister an der TH Karlsruhe durch Abendvorträge die Anthroposophie und die Christengemeinschaft kennen. Siegfried wurde durch Friedrich Doldinger konfirmiert. Aus seiner Ansprache bleibt Siegfried der Satz: „Wir alle hier sind nur Tote auf Urlaub“ lebenslang in Erinnerung. Intensives Gemeinschaftserleben und die Fähnleinführer-Verantwortung in der Hitlerjugend prägen seine Jugend in der Nazi-Zeit. Nach dem Abitur 1941 erhält er eine Pionierausbildung und findet Einsatz im Osten. 1943 wird er Offizier. Der Tod der Kameraden wird ihm eine wegweisende Erfahrung. 1944 erleidet er eine schwere Verwundung und sein rechtes Bein muss amputiert werden.

Beginn des Medizinstudiums in Heidelberg, ab Winter 1945 in Tübingen. Mit Gerhard Kienle ist er führend in der anthroposophischen Studentengruppe tätig. Nach dem medizinischen Staatsexamen und einer Doktorarbeit über die Biografie Schellings besucht er ab 1950 das Priesterseminar der Christengemeinschaft. Er erhält die Priesterweihe 1953 durch Emil Bock. 1953–66 ist er Pfarrer in Tübingen. 1955 heiratet er Marianne Koch, sie haben zwei Kinder.

Ab 1966 ist er Pfarrer in Freiburg, zunächst sieben Jahre mit Friedrich Doldinger, bis zu dessen Tod 1973. Es war Siegfried Gussmann ein wesentliches Anliegen, Friedrich Doldingers Originalität im Gemeindeleben fruchtbar wirken zu lassen. Gleichzeitig ist er ab 1966 mitverantwortlich in der Leitung des Arbeitszentrums Oberrhein der Anthroposophischen Gesellschaft und speziell verantwortlich für die wachsende Studentenarbeit. Zudem ist er als Betreuer und Seminarleiter im Strafvollzug tätig. Auf Aufforderung der Pädagogischen Arbeitsstelle für Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg unterrichtet er jahrzehntelang als Dozent an vielen Volkshochschulen allgemein kulturelle und philosophisch-literarische Themen unter Einbeziehung der Anthroposophie.

Als Vortragsredner auf Tagungen der Christengemeinschaft und der Waldorfschulbewegung wird er breiteren Menschenkreisen bekannt. Seine Apokalypse-Übersetzung erschien 1996 im Verlag Urachhaus. Er schrieb zahlreiche Aufsätze in „Die Christengemeinschaft“ und in den „Weleda-Nachrichten“. Im letzten Lebensjahr interessierten ihn besonders die Entwicklungen dieses Jahrhunderts, Beobachtungen an der gegenwärtigen Theologie und an Ludwig Wittgensteins Umgang mit Phänomenen und mit der Sprache. Das waren die Themen seiner letzten beiden Hefte und der beiden Vortragsabende vor seinem Tod.

Marianne Gussmann†


Werke: Zahlreiche Aufsätze im Selbstverlag, z.B. Wir beginnen den Tag, Freiburg/Br. 1968; Das Christentum und Rudolf Steiners Philosophie der Freiheit, Freiburg/Br. 1986; Lebensfragen im Markusevangelium, Freiburg/Br. 1988; Du, ich, wir. Betrachtungen zur Trinität Freiburg/Br. 1990; Christian Rosenkreutz, Freiburg/Br. 1991; zahlreiche Beiträge in CH, weitere in BeH.
Literatur: Küstermann, A.: Anthroposophische Jugendarbeit, in: MaD 1948, Nr. 4; Schmidt-Heiber, F.: Siegfried Gussmann, in: MC 1995, Nr. Johanni; ders.: Zum Tod von Dr. Siegfried Gussmann, in: CH 1995, Nr. 5; Siegfried Gussmann (autobiografisch), in: MaD 1995, Nr. 192.




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