Hans Arenson
Arenson, Hans

Kaufmann.

*08.06.1900 Stuttgart-Bad Cannstatt (Deutschland)
†29.09.1981 Dornach (Schweiz)

Hans Arensons Leben war von frühester Kindheit an durch die Begegnung mit Rudolf Steiner geprägt. Er wirkte auf vielfältige Weise mit seinen kaufmännischen Kenntnissen in verschiedenen anthroposophischen Unternehmen und Einrichtungen.

Hans Arenson war ein ”Nachzügler”, er wurde als drittes Kind von Adolf und Deborah Arenson in Stuttgart-Bad Cannstatt geboren, seine beiden Schwestern waren wesentlich älter als er. Rudolf Steiner war häufiger Gast im Elternhause. Für den sechsjährigen Hans schuf er das Gebet ”Seh ich die Sonne …”. Bei den Münchener Aufführungen der Mysteriendramen durfte der Knabe, der das vom häuslichen Musizieren her gewohnt war, die Register des Harmoniums ziehen, auf dem der Vater spielte. Trotz seiner Jugend lud ihn Rudolf Steiner ein, die Dramen anzusehen – wenn er nicht gerade im Einsatz war.

Er machte eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete in verschiedenen Betrieben (u.a. dem Bankhaus) des Assozia-tionsunternehmens Der Kommende Tag, auch in der angeschlossenen Knopffabrik in Einsingen. Zwei Wochen, bevor er für einige Jahre in die USA übersiedelte, gab ihm Rudolf Steiner bei der letzten Begegnung am 26. Mai 1923 Meditationsanweisungen. In dieser Nacht hatte Hans Arenson Wachdienst vor dem Stuttgarter Zweighaus, in dem Rudolf Steiner schlief (ein Anschlag 1922, vgl. Beitrag zu Hans Büchenbacher, hatte die Einrichtung solcher Wachdienste notwendig gemacht).

Zurückgekehrt aus den USA, zog er bald nach Berlin und heiratete die Eurythmistin Lidia Baratto. 1927 übernahm er für Marie Steiner die Anthroposophische Bücherstube, gab in ihrem Auftrage Zweitdrucke der Vortragszyklen Rudolf Steiners heraus und führte daneben die Geschäfte der Berliner Eurythmieschule, die seine Frau leitete.

Aufgrund des staatlichen Antisemitismus der Nazis verließ Hans Arenson, dessen Eltern jüdischer Abstammung waren, Deutschland und emigrierte 1935 mit seiner Frau nach Italien. In Mailand legte er den ersten Grund zur heutigen Weleda in Italien. 1938 ließ er sich im Schweizer Kanton Tessin nieder; seine Frau blieb in Mailand und setzte ihre dortige Arbeit fort. In Ascona leitete er sieben Jahre den dortigen Zweig. 1945 kam er mit seiner zweiten Frau Febe Arenson-Baratto (einer Schwester seiner ersten Frau), die er um 1940 geheiratet hatte, nach Dornach. Hier unterstützte er mit allen Kräften Marie Steiner, der er treu verbunden war, im Streit um die Nachlassrechte am Werk Rudolf Steiners. Er richtete eine Art Informationssekretariat ein und gab eine Korrespondenz heraus mit dem Ziel, das Verständnis für die Haltung Marie Steiners in diesem innergesellschaftlichen Konflikt zu fördern. Nach ihrem Tod 1948 erschienen als eine Art Nachfolgeblatt die Nachrichten der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung, dann ab 1970 die Beiträge zur Rudolf Steiner-Gesamtausgabe, für die er gelegentlich Beiträge schrieb.

Ein Bericht von Hella Krause-Zimmer aus dem Jahr 1964 zeigt ihn als großen Kenner auf dem Gebiet der Architektur und des anthroposophischen Bauimpulses. Hans Arenson – nach einem Wort Hella Wiesbergers selbst ein Teil der Geschichte der anthroposophischen Bewegung – fühlte sich tief verbunden mit Menschen aus der Anfangszeit der anthroposophischen Bewegung, besonders aus dem Berliner Umkreis von Rudolf und Marie Steiner; er pflegte Kontakt mit Anna Samweber, Franz Seiler, Walter Vegelahn, Kurt und Clara Walther-Selling u.a. Er verfasste auch eine Reihe einfühlsamer Lebensbilder verstorbener Freunde. In der Nachlassverwaltung wirkte er maßgeblich auf geschäftlichem und finanziellem Sektor mit, bis 1970 ein schwerer Unfall, der zwei Operationen nach sich zog, die weitere Mitarbeit unmöglich machte. Das Ehepaar Arenson zog wieder in das geliebte Tessin, nach Verscio, wo es schon lange eine zweite Wohnung hatte. Die Mühen des Alters und die Folgen des Unfalls machten schließlich die Übersiedlung in ein Altersheim in Ascona nötig. Seine letzten Lebensmonate verbrachte Hans Arenson im Pflegeheim des Dornacher Spitals, wo er in den frühen Morgenstunden des Michaelitages 1981 friedvoll starb.

Hans-Jürgen Bracker


Werke: Beiträge in BfA, BGA, Leh, MaB und Msch.
Literatur: Krause-Zimmer, H.: Jahrestagung des Modell-Bauvereins in Malsch
1964, in: MaD 1965, Nr. 71; Wiesberger, H.: Hans Arenson, in: MaB 1981, Nr.
71; Schöffler 1987; Plato, B. v. [Hrsg.]: Anthroposophie im 20. Jahrhundert,
Dornach 2003.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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