Käthe Wolf-Gumpold
Wolf-Gumpold, Käthe
geb.: Gumpold

Malerin, Pfarrerin in der Christengemeinschaft, Autorin.

*16.05.1888 Erfurt (Deutschland)
†11.05.1961 Inveresk bei Edinburgh (Grossbritannien)





Käthe Wolf-Gumpold war eine künstlerische Persönlichkeit im umfassenden Sinne; als eine der ersten Pfarrerinnen der Christengemeinschaft und eine der wenigen Pfarrerpersönlichkeiten jüdischer Abstammung musste sie mehrmals im Leben alles aufgeben.

Geboren wurde Käthe Gumpold in der Mitte Deutschlands, in Erfurt, wo sie auch 1905-1909 die Kunstgewerbeschule besuchte. Es folgte ein Innenarchitekturstudium in Berlin 1909-1914. 1910 lernte sie den Arzt und Dramatiker Friedrich Wolf kennen, ihren späteren Ehemann und Vater ihrer beiden Kinder. 1914 entschloss sie sich zu einer Heilgymnastikausbildung. Ihr geistiges Suchen und die Entwicklung ihres Mannes führten 1921 auf seinen Wunsch zur Trennung. Ein Versuch, mit ihm in Heinrich Vogelers Kommune ”Barkenhoff” in Worpswede mitzuleben, war desaströs verlaufen. 1920 wurde sie diplomierte Heilgymnastik-Lehrerin. 1921 begegnete sie Friedrich Rittelmeyer, 1922 schloss sie sich der Bewegung für religiöse Erneuerung an. Sie konnte in Dornach Rudolf Steiner zu einer persönlichen Unterredung treffen und nahm 1923/24 an den Priesterkursen teil. Am 6. April 1924 empfing sie die Priesterweihe, im selben Jahr trat sie der Freien Anthroposophischen Gesellschaft bei.

In Stuttgart und Esslingen war sie Pfarrerin, daneben studierte sie Eurythmie, Malerei und Sprachgestaltung. In Nazideutschland durfte sie wegen ihrer jüdischen Abstammung nicht mehr als Pfarrerin arbeiten. Sie ging 1935 nach St.Gallen, Schweiz. 1938 konnte sie schließlich nach England emigrieren, 1939-41 war sie auf der Isle of Man interniert.

Sie wirkte dann in London, doch schon 1944 begann ihr Augenlicht zu schwinden, sie musste die geliebte Pfarrertätigkeit abermals aufgeben. In der Fremde des Exils wurde ihr der Maler, Visionär und Dichter William Blake zur neuen Heimat. Aus tiefer Wesensverwandtschaft entstand ihr Blake-Buch – die erste größere Studie über Blake in deutscher Sprache –, das kongeniale Übersetzungen seiner Dichtungen enthält. 1954 übersiedelte sie nach Schottland. Hier, in Saltoun Hall, empfing sie 1959 die letzte Ölung, ihr wurden aber noch zwei weitere Jahre geschenkt. Sie starb 72-jährig am Himmelfahrtstag 1961.

Hans-Jürgen Bracker


Werke: William Blake. Versuch einer Einführung, Stuttgart 1964; Bämbs’chen.
Vordergründe und Hintergründe zu einem Erdendasein, Stuttgart 1966; als
Übersetzerin: Blake, W.: Unschuld und Erfahrung, Wien 1966; Übersetzung
ins Englische erschienen; Beiträge in BfA, CH, G, N.
Literatur: Frieling, R.: Käthe Wolf-Gumpold, in: CH 1961, Nr. 7; Thiersch, H.:
Käthe Wolf-Gumpold, in: MaD 1961, Nr. 58; Schöffler 1987; Fletcher, J.,
Rathgeber, E. and J.: Käthe Wolf-Gumpold, Priest-Artist-Writer, London 1989.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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