Hans von Veltheim-Ostrau
von Veltheim-Ostrau, Hans Hasso

Archäologe, Kunsthistoriker, Weltreisender.

*15.10.1885 Köln (Deutschland)
†13.08.1956 Utersum, Insel Föhr (Deutschland)



Im Laufe seines Lebens hat Hans Hasso von Veltheim unzählige Reisen gemacht – insbesondere in Asien – und darüber publiziert. Seinen Familiensitz Ostrau bei Halle an der Saale machte er zu einer west-östlichen Kultur- und Begegnungsstätte, er stand mit zahlreichen politisch und geistig führenden Persönlichkeiten seiner Zeit im Austausch, sowohl in Deutschland als auch in all den Ländern, die er bereiste.

Hans-Hasso war Sohn eines Rittmeisters, seine Mutter war Tochter des Justizrates Herbertz, eines Freundes von Bismarck. 1906 bestand er das Offiziersexamen in Metz, 1907 machte er Abitur. Er studierte Archäologie, Geschichte und Philosophie, mit einer kunsthistorischen Arbeit über romanische Kleinkirchen in Burgund promovierte er 1911. Seit 1918 führte er den Dreiländer-Verlag in München, war Kunst- und Antiquitätenhändler. 1916 wurde er persönlicher Schüler Rudolf Steiners. Nach seinen eigenen Worten hat er sich seit 1919 im praktischen und politischen Sektor immer für eine zeit- und sinngemäße Dreigliederung des sozialen Organismus sowie für ein unpolitisches, aber wirtschaftliches Paneuropa eingesetzt.

Er heiratete Hildegard Duisberg – einzige Tochter des IG Farben-Gründers – und sie hatten eine Tochter. 1927 übernahm er die verschuldeten Familiengüter in Ostrau, zu denen ein beeindruckendes Barockschloss mit seinen ausgedehnten Parkanlagen gehörte. Es gelang ihm durch wirtschaftliches Geschick, den Besitz zu sanieren. 1929 war er Mitglied des Landwirtschaftlichen Versuchsringes der Anthroposophischen Gesellschaft, der die Richtlinien des Koberwitzer Kurses Rudolf Steiners in die Praxis umsetzte und erprobte. Nach einem dreiwöchigen Besuch 1931 bei Krishnamurti unternahm er zwischen 1935 und 1939 mehrere Indien- und Ceylonreisen. Während dieser Zeit wurde Ostrau durch seine vielfältigen Kontakte zu einem kulturellen Zentrum.

Seine „Tagebücher aus Asien“ (1951/54/58), voller Erfahrungen, Beobachtungen und Erkenntnisse, fanden einen bemerkenswerten öffentlichen Widerhall. Er vermittelte Einblicke in die eigentliche Tiefe des West-Ost-Problems, insbesondere in die geistig-seelische Verfassung der östlichen Welt. Veltheim zeigt ein ungewöhnliches Feingefühl für die asiatische Seelenart und als Schüler Steiners war er zugleich mit Begriffen ausgerüstet, die ein spirituelles Verständnis der alten östlichen Weisheit ermöglichen. Dazu hat ihn die Gunst des Schicksals mit zahlreichen Führern des mittleren Asiens in nahe Fühlung gebracht, sodass der Leser dieser Tagebücher das Gefühl bekommt, mit allem, was dort noch geistig lebendig ist, in Berührung zu kommen.

Er war ein Privatgelehrter und Weltbürger in bestem Sinne. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg reiste er auf Einladung indischer Persönlichkeiten noch einmal durch ganz Indien. Mehrere indische Höfe und die Regierung Afghanistans empfingen ihn als Staatsgast, der Diktator von Nepal, der indische Vizekönig oder der britische Gouverneur von Bengalen bedachten ihn mit hohen Auszeichnungen. Dem geistig interessierten Inder bedeutete Veltheim als Europäer aus zwei Gründen eine Sensation: als würdiger Vertreter abendländischer Kultur und als spirituelles Phänomen. Sie entdeckten an ihm Eigenschaften, die sie in den Menschen aus dem Westen sonst vergeblich suchten: ungewöhnliches Einfühlungsvermögen, eine bestimmte Geistesschulung, Sinn für Okkultes, Vertrautheit mit Meditation und der Fähigkeit, die Aura von Menschen und Orten zu erkennen und ihr mit Ehrfurcht zu begegnen. Von seinem indischen Meister, dem heiligen Shri Ramana Maharishi, hat Veltheim den Yoga-Weg in seinem Wert und Wesen kennen und schätzen gelernt.

Veltheim verlor nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Heimat und seinem Besitz einen Teil seiner Identität und damit die Grundlage seines Wirkens. Er starb vereinsamt im August 1956 in Utersum auf der Insel Föhr.

Aban Bana


Werke: Romanische Kleinkirchen in Burgund. (Diss.), München 1911; Tagebücher aus Asien, Bd. I/II/III, Köln/Hamburg/Hamburg 1951/1954/1958, Hamburg ²1958/³1959/²1965; Was wir schauen, das werden wir sein. Aphorismen, Frankfurt/M. [1956], ²1963; Der Geist Asiens, Hamburg 1976; Beiträge in CH, DD, PA.
Literatur: Wagner, R.: Ein Wanderer zwischen Ost und West, in: CH 1956, Nr. 10; Schwarz, H.-E.: Zu Hans Hasso von Veltheim, in: MaD 1981, Nr. 138; Italiaander R. [Hrsg.]: Hans Hasso v. Veltheim-Ostrau. Privatgelehrter und Weltbürger, Düsseldorf 1987; Schöffler 1987; Meffert, E.: Der Asienreisende Hans-Hasso von Veltheim, in: DD 2002, Nr. 5.
Palatini, J./Rosentreter, G. (Hg): Alter Adel, neuer Geist. Studien zur Biografie und zum Werk Hans-Hasso von Veltheims. 2012, Halle (Saale); Plalatini J./Rosentreter G.: Das Erbe der Veltheims. Schloss, Park und Kirche Ostrau, Halle (Saale) 2014




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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