Elisabeth Steffen-Stückgold-von Veress
Steffen-Stückgold-von Veress, Elisabeth
geb.: von Veress

*03.03.1889 Ilonda/ Siebenbürgen (damals Österreich-Ungarn)
†03.03.1961 Dornach (Schweiz)
(Anderes Geburtsjahr: 1888)









Von zarter Gesundheit, aber mit unbeugsamem Willen begabt, wuchs Elisabeth von Veress in adeligem Hause auf. Der Vater war Oberstuhlrichter aus altem calvinistischen Geschlecht und gebot über 30 Dörfer, der Großvater war Pfarrer. Aus angeborenem Freiheitsdrang bildete sie sich in Budapest gegen den Willen der Eltern insgeheim im Selbststudium zur Volkserzieherin aus und leitete bereits mit 18 Jahren eine Volksschulklasse mit 80 Kindern. Ihre eigentliche Liebe aber galt der Kunst, der Literatur und Malerei, dem Höheren, was sich in eigenen Novellen, die in Zeitschriften unter Pseudonym veröffentlicht wurden, niederschlug.

In der Begegnung mit dem Maler Stanislas Stückgold in Nagybánya (Ungarn) fand sie zunächst ihre Lebensaufgabe, als Stückgold sie zum Schutzgeist seiner Kunst erhob. Sie heirateten. Mit der Geburt von Felicitas im September 1909 erweiterte sich diese durch die intensive Pflege dieses hochspirituellen, aber schwer behinderten Kindes. Die Familie lebte einige Jahre in den Pariser Künstlerkreisen um Matisse und Henri Rousseau. Vom russischen Kunsthistoriker Trifon G. Trapesnikov auf Rudolf Steiners Werke aufmerksam gemacht, siedelten sie 1913 nach München über, in die Nähe von Freunden, die Rudolf Steiner nahe standen, von dem sie hofften, er könne Felicitas helfen. Bald war vor allem Albert Steffen ein gern gesehener Freund in der Familie.

In einer Schicksalswende der Eheleute, eben nach Ende des Ersten Weltkriegs, vertraute sich Elisabeth mit Felicitas der Obhut Albert Steffens an, der die beiden im Juli 1920 nach Dornach in den Umkreis Rudolf Steiners brachte, wo dieser sich – wie schon in München – rührend um das Kind kümmerte. Elisabeth führte, um sich und Felicitas durchzubringen, eine kleine Pension. Nach dem Tode Stückgolds in Paris am 9. Januar 1933 verband sich Elisabeth am 20. Oktober 1935 mit Albert Steffen und erhielt damit für sich und Felicitas die Schweizer Staatsbürgerschaft. Felicitas war durch den Vater Halbjüdin und innerhalb des Deutschen Reiches durch das nationalsozialistische Euthanasieprogramm gefährdet. Die kleine Familie zog im August 1936 in die ihnen von Marie Steiner – nach deren Umzug in die so genannte Rudolf-Steiner-Halde – zur Verfügung gestellte Villa Hansi am Unteren Zielweg. Im folgenden Jahr starb Felicitas am 15. Juni 1937, ein von Elisabeth nie ganz verwundener Schicksalsschlag.

Sie war und blieb Steffens wahrhaft verstehende Gefährtin seiner Dichtung, der Mensch, ohne den er wohl vollkommen vereinsamt wäre. – Steffen bewunderte vor allem Elisabeths „unerschrockenes und unbestechliches Urteil, und zwar in dreifachem Bezug: erstens über die Menschheitsentwicklung im weitesten Umfang, zweitens über Aufgang und Niedergang der Kunst nach allen Richtungen hin, drittens über jeden Menschen, dem sie begegnete, immer als Persönlichkeit. So war es ihr gegeben, schon beim ersten Satz, den sie von Rudolf Steiner zu lesen bekam, den Repräsentanten des wahren Zeitgeistes zu erkennen“ (1978, S. 574). Elisabeth hat ihre hohe Begabung zur Dichterin der Pflege von Felicitas geopfert. Erst viel später entstand ihr zauberhaft poetischer Lebensrückblick unter dem für sie so bezeichnenden Titel „Selbstgewähltes Schicksal“, der kurz vor der Übersiedlung nach München abbricht und nach ihrem Tode von Steffen ergänzt wurde. Sie war für ihn der stete Ansporn, schöpferisch zu bleiben: „Ihnen [Elisabeth und Felicitas] dank ich es und hat es mein Leserkreis zu danken, wenn ich Dichter bleibe.“ (1961, in: 1978, S. 617) Zu ihrem Freundeskreis gehörten Margareta Morgenstern und Michael Bauer, Margarethe Behr und deren späterer Mann Friedrich Kempter, Irène Gygax, Gräfin Sofia Schönborn, Dora Baker, Gräfin Károlyi, Wilhelm und Rie Lewerenz, Florian Zambail, Jérôme Bessenich, Lili Wadler-Bosshard, Berti Jenny, die Ärztin Ilse und ihr blinder Dichtergatte Otto Rennefeld, mit deren Freundin Kläre Meumann, Maria von Nagy und viele andere, unter ihnen auch Delia Reinhardt und Bruno Walter.

Angela Matile


Werke: Die ungarischen, unter unbekanntem Pseudonym veröffentlichten
Novellen sind verloren gegangen. – Selbstgewähltes Schicksal, Bd. I/II,
Dornach 1961, ²1978 (in einem Band); Beitrag in G.
Literatur: Jaquet, H.: Im Gedenken an Elisabeth Steffen; Scheigt, F.: An
Elisabeth Steffen, in: MADW 1971, Nr. 18.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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