Albert Steffen
Steffen, Albert

Dichter, Schriftsteller, Mitglied des Gründungsvorstandes der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, Leiter der Sektion für Schöne Wissenschaften am Goetheanum.

*10.12.1884 Obermurgenthal bei Wynau, Kanton Bern (Schweiz)
†13.07.1963 Dornach (Schweiz)























Albert Steffen wuchs als drittes von sechs Kindern des Arztes Friedrich Steffen (1854-1943) und der Emma, geb. Künzli (1859-1933), in Obermurgenthal unweit der Aare und der Jurahöhen auf: „Den größten Teil der Knabenzeit verbrachte ich am Ufer der Aare, badend, bootfahrend [...]. Die Bäume erlebte ich mit Kletterknien, das Gras- und Grünland mit bloßen Sohlen [...].“ (Autobiografische Skizze, um 1918) Die Primarschulzeit in Wynau (1891-95) erscheint Steffen in der Erinnerung als „dunkel, reich, poetisch“, die fünf Jahre an der über sechs Kilometer entfernten Sekundarschule Langenthal „voller Stundenpläne“. Er habe damals „wenig aus den Büchern, aber viel von den Berufen erfahren, die sich auf die Häuser des Dorfes verteilten, in welchem mein Vater als Arzt wirkte, und worin ich, durch meine Schulkameraden, heimisch war.“ (Mein Lebensentschluss, in: Bühler 1944, S. 9)

Eine lange nachwirkende Enttäuschung erlebte Steffen im Frühjahr 1900, als er mit 14 Jahren die Aufnahmeprüfung in die Tertia des Gymnasiums Bern nicht bestand und nur in die Quarta kam. Er zog sich auf sich selbst zurück: „Die selbstgewählte Einsamkeit war schwer zu tragen. Dichter trösteten mich. Zuerst das schweizerische Dreigestirn: Keller, Gotthelf, Meyer. Später Rousseau. Dieser kam meiner Sehnsucht am meisten entgegen.“ Die Erlebnisse der Knabenjahre traten „in den Hintergrund, und gedankliche Begriffe setzten sich an die Stelle der Erfahrungen, die tief im Gemüt verborgen blieben“. Dadurch, dass „mir Ideensysteme entgegentraten, wandte sich die ungeheure Intensität, womit ich die Außenwelt erfasst hatte, nach innen und steigerte sich von Jahr zu Jahr, sodass ich alles verwarf, was sich nicht leben ließ“ (Autobiografische Skizze, um 1918).

Diese Erlebnisse und Gedanken bestimmten Steffens weiteren Lebensweg. Nachdem er im Herbst 1904 das Abitur bestanden hatte, begann er - dem Wunsche des Vaters entsprechend, später dessen Landarztpraxis zu übernehmen - im Oktober 1904 das Medizinstudium in Lausanne. Dort stieß er „auf die beiden Geister, die damals die Jugend am mächtigsten bewegten, auf Nietzsche und Dostojevskij. Keiner hatte gelitten wie sie. Das war Grund genug, sich hinzugeben. Beide bewirkten, dass man sich verschwendet, der erste an die Form, der zweite an das Leben. Jener macht zu hart, dieser zu weich. Bei mir hielt einer dem andern das Gegengewicht. Zwischen ihnen ging ich geschützt. Gerade weil ich beide so inbrünstig liebte, durfte ich meine Selbständigkeit bewahren“ (ebd.). „Und nun kam, durch die Erkenntnis angeregt, zu der es mich trieb, mit einer unwiderstehlichen Vehemenz jene Wandlung über meine Seele, welche mich plötzlich Krankheiten, seien es physische oder seelische, mehr vom geistigen Gesichtspunkte aus, als Schicksalsangelegenheiten, betrachten ließ, statt, wie es das medizinische Studium erforderte, als physiologische, anatomische und höchstens noch psychoanalytische.“ Steffen erkannte, dass ihn das Studium nicht mit dem Leben verband. „Es war mir eindeutig bewusst geworden, dass ich, wenn ich nicht verkümmern sollte, Dichter werden musste, worunter ich allerdings etwas verstand, was es heutzutage kaum mehr gibt, nämlich eine Synthese von Wissenschaft, Kunst und Religion auf der Grundlage der großen Menschheitsideen.“ (Bühler 1944, S. 10)

Nachdem er schon mit Vorarbeiten zu seinem Erstlingsroman begonnen hatte, erlaubte ihm der Vater, das Medizinstudium abzubrechen und sich auf den Dichterberuf vorzubereiten. Im April 1905 immatrikulierte er sich an der Universität Zürich, wo er geschichtliche, kunstgeschichtliche, ethnologische und länderkundliche Vorlesungen, in den beiden folgenden Semestern auch literaturgeschichtliche, philosophische und nationalökonomische Lehrveranstaltungen besuchte. Unterbrochen wurde das Studium im Frühjahr 1906 durch die Infanterie-Rekrutenschule in Bern, während der er das erste der erhalten gebliebenen Tagebücher begann. Vor allem aber intensivierte er während der Zürcher Studentenzeit das dichterische Schaffen. Anfang Oktober 1906 vollendete er seinen ersten Roman „Ott, Alois und Werelsche“ und wenige Tage später reiste er nach Berlin, wo er sein Studium fortsetzen wollte. Das Manuskript nahm er mit und sandte es an den Samuel Fischer-Verlag, im Juni 1907 wurde es veröffentlicht.

In dem Hinterhofzimmer an der damaligen Elsässerstraße, in dem er wohnte, hatte Steffen nur wenige Tage nach seiner Ankunft jenes Erlebnis, das er später das Viergetier-Erlebnis nannte. Um 1918 beschreibt er es mit folgenden Worten: „[Mein Zimmer] ging auf einen schmutzigen Hof, in den die Türen der düstersten Spelunken mündeten. Nacht für Nacht klang ein Lustgejohle empor, ununterbrochen, wie von einem Tiere ausgestoßen, und raubte mir den Schlaf. Was ging da vor? Ich stieg nicht hinunter, um zu fragen. Die Antwort kam von selbst herauf. Eines Nachts, bei wachstem Bewusstsein, hatte ich ein Erlebnis, das mir sagte, dass es noch ein anderes Schauen als das der Augen gibt. Meinem Geiste trat entgegen, was in der Tiefe geschah. Ein Wesen erhob sich aus dem Abgrund, zusammengesetzt aus Lust, Vernichtungstrieb und Ohnmacht. Es richtete sich drohend vor mir auf. Ich schrak entsetzt zurück. Es schwand. - Die Erinnerung blieb, dunkel genug, um mir die Lebenslust zu rauben. Ich hatte erkannt, wie der Tod im Menschen wirkt, und glaubte, unter der Wucht dieser Einsicht zugrunde zu gehen.“ (Autobiografische Skizze)

Dieses Erlebnis war für Steffen in verschiedener Hinsicht von Bedeutung. Nachdem ihm schon als Gymnasiast das Wesen der Wiedergeburt vor Augen stand, erlebte er nun, sich in verschiedenen Formen und Bildern wiederholend, die Möglichkeit imaginativen Schauens. Zum andern war es dieses Erlebnis, das Steffen die Gewalt des überall wirkenden Bösen und die Notwendigkeit seiner Verwandlung in aller Krassheit vor Augen führte und ihm damit eine seiner Lebensaufgaben stellte.

Das Viergetier-Erlebnis war aber auch Anlass dafür, am 28. Februar 1907 erstmals einen Vortrag von Rudolf Steiner zu besuchen, auf welchen ihn Karl Stockmeyer ( Ernst August Karl Stockmeyer) aufmerksam gemacht hatte. Obwohl es damals noch nicht zu einer persönlichen Begegnung kam, wandte sich Steffen in den folgenden Jahren dem intensiven Studium der Schriften Steiners zu und widmete sich der verstärkten, schon früher begonnenen meditativen Schulung. In diesem Sinne konnte er später schreiben: „Ich brauchte die Richtung, in der ich schritt, nicht zu verändern. Aber ich durfte meinen Schritt verschnellern.“ (Begegnungen mit Rudolf Steiner, Zürich 1926, S. 50) Zu einer ersten persönlichen Begegnung mit Steiner kam es erst am 10. Dezember 1910 in München, in Zusammenhang mit Steffens Eintritt in die damalige Theosophische Gesellschaft.

Im März 1908 hatte Steffen Berlin verlassen, um sich Ende April nochmals für ein Semester an der Universität Zürich zu immatrikulieren und schließlich im Oktober seinen Wohnsitz nach München zu verlegen. Abgesehen von kürzeren Aufenthalten in der Heimat, die ihn im Juli 1914 auch nach Dornach führten, wo er in der Schnitzwerkstatt arbeitete, blieb er bis Sommer 1920, also auch während des ganzen Ersten Weltkriegs, in der Isarstadt.

Neben mehreren Romanen entstanden dort die beiden ersten Dramen: „Die Manichäer“ und „Der Auszug nach Ägypten“ (Berlin 1916, Dornach ³1965). Bemerkenswert ist, dass „Die Manichäer“ ursprünglich „Der Entschluss“ hieß und das Drama seinen Titel erst erhielt, als Steffen einen kurzen Hinweis Rudolf Steiners auf die Manichäer las und erkannte, dass er - ohne von Mani und dessen Lehre schon gehört zu haben - ein Manichäerdrama geschrieben hatte.

Persönlich bedeutsam wurde für Steffen 1914 die Begegnung mit dem polnischen Maler Stanislas Stückgold, dessen Gemahlin Elisabeth, geb. Veress, und deren körperlich behinderter und epileptischer Tochter Felicitas. Steffen wurde Zeuge und Begleiter schicksalhafter Umstände zwischen den Eheleuten, die sich dahin entwickelten, dass ihm Elisabeth im April 1919 ihre Liebe gestand, aber unter allen Umständen Stückgold treu bleiben wolle. Da sich Steffen selbst in ähnlicher Situation gegenüber seiner Berliner Freundin Else von Carlberg sah, die unter dem Künstlernamen Sent M'ahesa als Tänzerin bekannt wurde, beschlossen beide, ihre Freundschaft ganz im geschwisterlichen Rahmen zu belassen. Beide lebten nun, was Steffen in „Die Bestimmung der Rohheit“ dichterisch veranlagt hatte und im Motiv der Treue wurzelt. Als Elisabeth in den Auseinandersetzungen mit Stückgold gesundheitlich immer mehr zu leiden begann, drängten Arzt und Freunde zur Trennung. Auf Elisabeths Bitte hin brachte Steffen sie und Felicitas am 20. Juli 1920 nach Dornach in die Nähe von Rudolf Steiner, vor allem weil sie von diesem Hilfe für das Kind erhoffte und auch erhielt.

Eine gesicherte äußere Lebensgrundlage hatte Steffen bis dahin nicht erlangt. Der Plan, zusammen mit Ruth Waldstetter in Basel die Redaktion einer neuen Zeitschrift, „Ars Helvetica“, übernehmen zu können, zerschlug sich. Als sich Steffen überlegte, wieder nach München zurückzukehren, wurden Rudolf Steiners Pläne zu einer Zeitschrift für Anthroposophie durch seinen damaligen Sekretär Roman Boos, der bald darauf erkrankte, vorangetrieben. Steiner wollte 1921 für die neue Wochenschrift „Das Goetheanum“ kein Redaktionskollegium bilden, sondern einen allein verantwortlichen Redakteur berufen und schlug Steffen dazu vor. Damit erschloss er dem Dichter, der nun auch als Essayist für eine neue Kultur auf der Grundlage der Geisteswissenschaft wirken konnte, ein erweitertes Wirkungsfeld und gleichzeitig eine Lebensgrundlage, die Steffen bis zu seinem Tode wahrnahm und die ihn auch äußerlich mit Dornach verband.

Nachdem Steffen 1922 zum Generalsekretär der schweizerischen Landesgesellschaft gewählt worden war, wurde die Bindung an Dornach besiegelt, als Rudolf Steiner bei der Neubegründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft an der Weihnachtstagung 1923 Steffen zum stellvertretenden Vorsitzenden in deren Vorstand berief: „Wenn es sich darum handelt, einen Schweizer hier mit aller Kraft in der Anthroposophischen Gesellschaft als Vorstandsmitglied und als Stellvertreter des Vorsitzenden zu haben, einen besseren Schweizer findet man nicht [...]. Albert Steffen ist schon Anthroposoph gewesen, bevor er geboren worden ist; das muss man ihm anerkennen.“ (GA 260, Dornach 51994, S. 56 u. 57) Zudem berief er ihn zum Leiter der auf Steffens Persönlichkeit und Können zugeschnittenen Sektion für Schöne Wissenschaften der Hochschule.

Nach dem Tode Steiners am 30. März 1925 wurde Steffen auf der außerordentlichen Generalversammlung an Weihnachten 1925 auf Vorschlag von Friedrich Rittelmeyer zum Vorsitzenden gewählt. Steffen nahm die Wahl an und wollte der Gesellschaft mit seinen Werken dienen. Im Grunde hatte er damit schon begonnen, als er im Winter 1924/25 das Drama um den Ur-Konflikt zwischen Kain- und Abelkindern in „Hieram und Salomo“ (Dornach 1925, 41983) gestaltete. Rudolf Steiner bestimmte es noch selbst zum Abdruck in der Wochenschrift.

Abgesehen von Reisen und auswärtigen Aufenthalten hat Steffen Dornach nach 1920 nicht mehr verlassen. Nach dem Tode von Stanislas Stückgold im Januar 1933 bot er Elisabeth die Heirat an, nicht zuletzt, um ihr, die durch ihre erste Ehe Polin geworden war, und Felicitas, die als Halbjüdin und Behinderte durch den Nationalsozialismus doppelt gefährdet war, eine Heimat zu bieten. 1936, als Marie Steiner in die Rudolf Steiner-Halde zog, überließ sie der Familie Steffen das Haus Hansi. Kaum ein Jahr nach dem Einzug starb Felicitas ganz unerwartet, 28-jährig. Zahlreiche Aquarelle Steffens beziehen sich darauf.

Getreu seinem Entschluss, das Wesentliche durch die Kunst zu sagen, schuf Steffen Werk um Werk. Die zwei Dramen, die während des Krieges entstanden, nahmen direkt auf die Zeitgeschichte Bezug: die „Märtyrer“ (das Rotkreuz-Drama, 1939/40 geschrieben und 1942 in Dornach gedruckt, mit Rücksicht auf die mögliche Gefährdung der Mitglieder aber erst 1944 ausgeliefert, ²1983) und „Ruf am Abgrund“ (Dornach 1943, ²1977), welches das Euthanasie-Problem vom Standpunkt der wiederholten Erdenleben aus gestaltet. Außerdem entstanden damals Gedichtbände und eine ganze Anzahl weiterer Werke. 1944 fasste er Aufsätze aus verschiedenen Epochen als Orientierungshilfe unter dem bezeichnenden Titel „Krisis, Katharsis und Therapie im Geistesleben der Gegenwart“ (Dornach 1944, ²1980) zusammen.

Das bis heute veröffentlichte Gesamtwerk umfasst 83 Titel, davon 12 Romane, 15 Bände Erinnerungen, Skizzen und Miniaturen, 11 Gedichtbände, 17 Dramen, 27 Essaybände und 3 Mappen mit Aquarellen, dazu etliche weitere Farbdrucke. Das Frühwerk erschien bei Samuel Fischer in Berlin und nach 1920 in verschiedenen kleineren Verlagen. Seit 1928 gibt der von Steffen gegründete „Verlag für Schöne Wissenschaften“ in Dornach seine Bücher heraus, während sein Nachlass von der Albert Steffen-Stiftung betreut wird.

Als Elisabeth 1961 an ihrem 72. Geburtstag starb, war Steffen weitgehend vereinsamt. Und doch entstanden in den zweieinhalb Jahren bis zu seinem eigenen Tod noch sechs Bücher, die unter manch anderem von Erlebnissen mit seiner lieben Verstorbenen erzählen. Er selbst ging am 13. Juli 1963 in Dornach in seinem 79. Jahr über die Schwelle.

Steffens Verbindung mit der Anthroposophie und die daraus entstandene Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner beruhten auf einem freien Entschluss, um den er 1910 in München lange gerungen hatte. Seit 1916 setzte er sich auch öffentlich für die Anthroposophie ein. Mit der Übernahme der Redaktion der Wochenschrift „Das Goetheanum“ 1921 und der Berufung in den Gründungsvorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft weiteten sich die Tätigkeitsfelder stark aus, sodass zeitweise die Dichtung ganz oder doch stark in den Hintergrund treten musste.

Steffen war ein Mensch, der aus der Stille heraus wirken wollte und konnte. Nach außen wirkte er eher scheu, beobachtend, ernst, doch mit feinem und treffsicherem Humor. Seine Führungsaufgabe in der Anthroposophischen Gesellschaft verstand er als spirituelle Praxis. Steffen ging davon aus, dass in einer Gesellschaft, die ganz auf dem freien Handeln des Einzelnen beruhen sollte, ein Eingreifen aufgrund einer wie auch immer gearteten Machtposition sich von selbst verbietet. Da für ihn die Kunst das denkbar Freilassendste war, versuchte er die Gesellschaft durch das Kunstwerk zu leiten. Dass dieser neue, zukünftige Führungsstil nur von wenigen verstanden worden ist, ja, ihm im Gegenteil viel Unverständnis und Feindseligkeit eintrug, gehört zu den tragischen Entwicklungen, unter denen die Anthroposophische Gesellschaft bis heute zu leiden hat.

Besonders in seinen Dramen kommt die Gesellschaftsführung durch die Kunst zum Ausdruck. Die dramatische Skizze „Der Sturz des Antichrist“ (Dornach 1928, 41993) beispielsweise las Steffen während der Eröffnungstagung des zweiten Goetheanum im September 1928 vor. Obwohl er die Handlung an das Ende des 20. Jahrhunderts verlegte, zeigte er am Streit zwischen dem Techniker, Priester und Künstler auf, welche Möglichkeiten dem „Regenten“ zur Zerstörung einer Geistgemeinschaft gegeben sind und welche Kräfte notwendig sind, um dieser Zerstörung entgegenzuarbeiten. Darüber hinaus wies er mit diesem Stück die Anthroposophische Gesellschaft in aller nur wünschbaren Deutlichkeit auf die Gefahren des heraufkommenden Nationalsozialismus hin. Dass das Stück am Karsamstag 1933, mitten in der Zeit der Machtergreifung Hitlers, in Dornach uraufgeführt werden konnte, gehört zu den eindrücklichen Zeugnissen zeitkritischer Aktualität anthroposophischer Arbeit - und der damals noch fruchtbaren Zusammenarbeit mit Marie Steiner. Einen anderen Versuch, heilend auf die kritische Entwicklung der Gesellschaft einzuwirken, bildet das „Adonisspiel“ (Dornach 1935, ³1988), das Steffen als Antwort auf die Abberufung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede aus dem Vorstand anlässlich der Generalversammlung 1935 schrieb und von welchem er vergeblich hoffte, es würde an Michaeli 1935 aufgeführt. (Näheres in: „Hinweise und Studien zum Lebenswerk von Albert Steffen“, Heft 5/6.)

Zur freilassenden und doch dezidierten Führung der Gesellschaft durch das Werk gehörte auch seine Tätigkeit als Redakteur der Wochenschrift, für die er während 42 Jahren beinahe in jeder Nummer einen Artikel schrieb. Diese Arbeiten verbanden sich fugenlos mit seiner Aufgabe als Leiter der Sektion für Schöne Wissenschaften.

Spätestens von 1929/30 an war Steffens Stellung in der Gesellschaft und insbesondere im Vorstand nicht leicht. Unterschiedliche Auffassungen unter den Vorstandsmitgliedern, die sich schon zu Lebzeiten Steiners bemerkbar gemacht hatten, unvereinbare Temperamente und Charaktereigenschaften, aber auch die Altersunterschiede führten zunehmend zu Reibungen, die ein Zusammenwirken im Vorstand erschwerten, im Laufe der Jahre schließlich sogar verunmöglichten. Die Krise der Jahre 1933-35 und später der so genannte Nachlasskonflikt wurden zu einer schweren Belastung aller Beteiligten. Schon früh hätte sich Steffen gerne ganz auf seine dichterische Arbeit und die Redaktionstätigkeit zurückgezogen. Letztlich war es die Treue zu Rudolf Steiner, zu der ihm anvertrauten Aufgabe und zur Gesellschaftsgründung der Weihnachtstagung, die ihm die Kraft gab, trotz aller Widrigkeiten seine Arbeit für die Anthroposophische Gesellschaft über 40 Jahre in schöpferischer Gesinnung durchzuführen und die spirituelle Orientierung dieser Gesellschaft damit maßgeblich zu prägen.

Heinz Matile


Werke: Das Werk Steffens umfasst 87 Titel; s. Bibliografie
(ohne Sekundärliteratur) in: Matile, A., Schille, T.: Namen und Sachregister
zum gedruckten Werk von Albert Steffen, Dornach 1994; Übersetzungen in 13
Sprachen erschienen; zahlreiche Beiträge in G, N, weitere in 34
anthroposophischen Zeitschriften.
Nachlass: Manuskripte, Briefe, Tagebücher (1906–1963) und Notizbücher,
malerisches und zeichnerisches Werk, Materialien zum Werk, Bibliothek,
Rezensionen und Nachrufe in der Albert Steffen-Stiftung, Dornach.
Literatur: Sybel-Petersen, A. von.: Albert Steffen, Wesen und Werk, Basel
1934; autobiografisch: Mein Lebensentschluß, in: Bühler, P. [Hrsg.]: Das
Albert Steffen-Buch, Basel 1944; Gerber, D.: Studien zum Problem des
Künstlers in der modernen deutschschweizerischen Literatur, Dissertation,
Bern 1948; Petersen, A.: Albert Steffens Sendung, Dornach 1954; Hiebel, F.:
Albert Steffen. Die Dichtung als Schöne Wissenschaft, Bern 1960; Meyer, R.:
Albert Steffen. Künstler und Christ, Stuttgart 1963; Fringeli, D.: Dichter im
Abseits, Zürich 1974; Woitsch, I.: Bilder des Schicksals. Albert Steffens
„Kleine Mythen“, Stuttgart 1996; Amstutz, H. u.a.: Schweizertheater. Drama und Bühne der Deutschschweiz 1930–1950, Zürich 2000.
Zeitschriften: Therapeutische Dichtung. Hinweise und Studien aus dem Umgang mit Albert Steffens Dichterwerk, Dornach 1972–1976 (12 Hefte). Hinweise und Studien zum Lebenswerk von Albert Steffen, Dornach.




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