Wolfgang Schuchhardt
Schuchhardt, Wolfgang

*31.08.1903 Hannover (Deutschland)
†09.06.1993 Murrhardt (Deutschland)



-- Biographische Archiv-Notiz --

Wolfgang Schuchhardt hatte hochgebildete Eltern, sein Vater Carl Schuchhardt war ein bekannter Archäologe und Prähistoriker, die Mutter Margarethe war weltoffen. Beide Eltern stammten aus Hannover. Er hatte zwei Schwestern und einen Bruder, Walter.

Die Familie zog 1908 nach Berlin. Wolfgang besuchte dort das humanistische Schillergymnasium, wo er auch das Abitur zu Ostern 1922 ablegte. Er war in der Wandervogel-Bewegung.

Ab 1922 studierte er in Marburg, 1923-24 in Göttingen, dann in München, Rostock und Berlin Deutsch, Kunstgeschichte und Geographie.

Die Doktorprüfung legte er Ende 1926 in Germanistik ab, er schrieb eine Arbeit über den Stil von Grimmelshausen und schloß noch ein Staatsexamen 1928 in Rostock an.

Durch einen Vortrag von Friedrich Rittelmeyer um Himmelfahrt 1923 in Marburg lernte er die Christengemeinschaft und die Anthroposophie kennen. In Göttingen studierte er "Die Philosophie der Freiheit" und "Das Christentum als mystische Tatsache". Zu Ostern 1924 nahm er in Nürnberg an der Jugendtagung der Christengemeinschaft teil, im Spätsommer 1924 wurde er Mitglied der Freien Anthroposophischen Gesellschaft und besuchte die Jugendtagung zu Pfingsten 1925 in Dornach.

Im Februar 1927 beteiligte er sich an Maria Röschls Jugendarbeit und veranstaltete in Rostock zu Michaeli 1927 eine Jugendtagung mit dem Priester Otto Franke und mit Erich Trummler zusammen.

Zu Ostern 1930 wurde er von Emil Bock mit Else Riekmann getraut, sie bekamen drei Kinder, Andreas, geboren 1934 und die Zwillinge Christian und Malte, geboren 1936.

1930-33 war er Klassenlehrer in der Waldorfschule in Hannover,

Ab 1935 gab er mit Otto Franke und Adolf Ammenschläger Rundbriefe über das Thema Landschaft und Volksseele heraus. 1935-43 war er Mitarbeiter des Museums für Volkskunde, Berlin, ab 1941 auch am Institut für Volkskundeforschung der Universität Berlin.

1943 gab er seine Habilitationsarbeit über den Begriff der "Volkskunst" ab.

Er war befreundet mit dem Reformpädagogen Adolf Reichwein, der Mitglied des "Kreisauer Kreises" war.

Nach 1945 setzte er sich für den Aufbau der Waldorfschule in Marburg ein und war dort bis 1968 Waldorflehrer für Deutsch und Kunstgeschichte.

Er arbeitete im Bund der Waldorfschulen beratend mit, war als vom Bund ernannte Vertrauenspersönlichkeit Krisenmanager in der Frankfurter Freien Waldorfschule in den 50er-Jahren. Er konnte die Schule in einer kritischen Phase retten.

Von 1961 an entfaltete er eine intensive anthroposophische Vortragstätigkeit. Er wirkte als Vortragender im Zweig Marburg und hielt auch einen Vortrag an der Weihnachtstagung 1964 am Goetheanum.

Ab 1974 verbrachte er seine Altersjahre im Haus Hohenstein, im Altersheim der Christengemeinschaft in Murrhardt. Er war im Zweigleben auch dort aktiv und übernahm die Rolle des Zweigleiters.

Er war von zarter Konstitution, vornehm und zurückhaltend, im Gespräch feinsinnig, geistreich und humorvoll.




Werke: Studien zu Grimmelshausen, insbesondere sein Sprachstil, Berlin 1928,
Nendeln ²1967; Weibliche Handwerkskunst im Mittelalter, Berlin 1941;
Volksrealien oder Volkskunst? Zur Aufgabenstellung der Volkskunde und der
Kunstwissenschaft im Bereiche der Sachvolkskunde, Potsdam 1944; als
Herausgeber mit Rieche, H.: Mitteleuropa, Stuttgart 1978; Zivilisation der
Zukunft. Arbeitsfelder der Anthroposophie, Stuttgart 1981; Beiträge in
Sammelwerken und in CH, EK, G, Leh, Msch, N, Pfa.
Literatur: autobiographisch: Wie ich zur Anthroposophie kam, in: MaD 1992,
Nr. 180; Baldszun, G.: Wolfgang Schuchhardt, in: N 1994, Nr. 38;
Schuchhardt, M.: Wolfgang Schuchhardt, in: MaD 1994, Nr. 188.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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