Max Benzinger
Benzinger, Max

Schlosser, Aktivist der Dreigliederungsbewegung, Heilpraktiker.

*01.01.1877 
†02.02.1949 Stuttgart (Deutschland)
(Geburtstag und -monat unbekannt)





Max Benzinger war Proletarier. Als solcher stand er in vorderster Front der Dreigliederungsbewegung des Jahres 1919. Doch auch mit anderen Aspekten der anthroposophischen Arbeit verband er sich, mit dem Goetheanum-Bau, der Medizin und Krankenpflege.

Max stammte aus ärmlichen Verhältnissen, verlor früh seine Eltern und absolvierte eine harte Lehre bei einem Schlossermeister. Sein eigentliches Interesse aber galt der Heilkraft der Pflanzen, die er als Autodidakt studierte. Dies führte ihn um die Jahrhundertwende in München in die Kreise der Naturheilbewegung. Doch ging sein Fragen tiefer. Das Erleben der sozialen Ungerechtigkeit, verbunden mit dem theoretischen und praktischen Materialismus seiner Zeit, stürzte ihn in eine existenzielle Krise. In dieser verzweifelten Lage fand er durch einen Hinweis seines Schwagers Zugang zur Theosophischen Gesellschaft; in diesem Zusammenhang lernte er Rudolf Steiner kennen, den er sofort als seinen spirituellen Lehrer betrachtete.

Beruflich kam Max Benzinger nun in Kontakt mit Felix Peipers; er wurde Hausmeister an seinem Sanatorium und bekam Gelegenheit, den schwer erkrankten Christian Morgenstern zu betreuen. Über diese Begegnung ist eine eindringliche Schilderung des Dichters in einem Brief an Michael Bauer vom 11. August 1913 überliefert: „Heute hatte Benzinger (Kennen Sie ihn Ich habe so gerade ein paar erste Eindrücke von ihm und für solche Menschen besonders viel übrig) die Freundlichkeit, mich im Englischen Garten spazieren zu fahren. Wäre dergleichen in Portorose möglich gewesen, so hätte vieles vermieden und gewonnen werden können. Als B. mich wieder heimgebracht hatte und eine Weile, während er den Tragstuhl holte, nur durch seinen Hut – einen genialischen durch und durch gelebten Malerhut – neben mir vertreten war, kam mir der Gedanke, ob an dem Mann nicht ein Künstler vielleicht verloren sei, und wie man so manchmal dialogisch denkt, antwortete es aus mir: Nun, so ist er wenigstens Anthroposoph geworden. Worauf die Widerantwort erfolgte: Und damit vermutlich mehr, als wenn er der berühmteste Künstler geworden wäre.“ (Wiesberger 1971, S. 22)

Er bekam den Auftrag, einen Dodekaeder aus Kupferplatten zu fertigen, der als Grundstein für den Dornacher Bau dienen sollte. Über diese Arbeit und die feierliche Grundsteinlegung des ersten Goetheanum am Abend des 20. September 1913 hat Max Benzinger einen detaillierten und anschaulichen Bericht verfasst (MaD 1963, Nr. 65, S. 157 ff.). In München machte er ein großes Holzmodell für das erste Goetheanum. Auch am weiteren Fortgang des Baus war er als Vorarbeiter maßgeblich beteiligt.

Mit dem Beginn der Dreigliederungsbewegung finden wir Max Benzinger in Stuttgart; er war anwesend bei der Gründung des „Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus“ am 22. April 1919 im Stadtgartensaal und war – mit Emil Molt, Carl Unger, Emil Leinhas, Hans Kühn, Theodor Binder und Wilhelm von Blume – Mitglied des siebenköpfigen Arbeitsausschusses des „Bundes“. Zudem wirkte er gemeinsam mit engagierten Sozialisten im „Arbeiterkomitee für soziale Dreigliederung“ mit.

Auch nachdem sich gezeigt hatte, dass der Versuch einer gesamtgesellschaftlichen Umgestaltung nicht durchdringen konnte, setzte sich Max Benzinger weiterhin für die anthroposophische Sache ein: Er gründete 1923 einen Zweig für Proletarier und arbeitete im Klinisch-Therapeutischen Institut in Stuttgart mit. Bis zu seinem Lebensende im Jahre 1949 war er als Naturheilkundiger und Heilpraktiker tätig.

Albert Schmelzer


Werke: Von einem Augenzeugen der Grundsteinlegung, in: Beltle, E., Vierl, K.
[Hrsg.]: Erinnerungen an Rudolf Steiner, Stuttgart 1979; Beitrag in MaD 1963
Nr. Michaeli.
Literatur: Brummer, C.: Max Benzinger, in: MaD 1949, Nr. 7; Kühn, H.: Zur
Dreigliederungs-Bewegung, in: MaD 1963, Nr. 66; Wiesberger, H.: Rudolf
Steiners öffentliches Wirken, in: BGA 1969, Nr. 27/28; dies.: Christian
Morgensterns Lebensbegegnung, in: BGA 1971, Nr. 33; Schöffler 1987; GA 259,
1991; Halfen, R.: Archiv-Ecke, MiN, Nr. 1, 2007, S.9f.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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