Margaret Bennell
Bennell, Margaret

Waldorflehrerin.

*24.12.1893 London (UK)
†24.07.1966 Curry Mallet, Somerset (UK)

Margaret Bennell, die zur Entwicklung der Waldorfpädagogik in England beitrug, kam früh in das Mädcheninternat Crouch End/London, denn ihre Mutter starb, als sie noch Kind war. Die Leiterin der Schule, Charlotte Cowdroy, eine damals bekannte Reformatorin der Mädchenerziehung, ersetzte ihr die Mutter. Sie studierte in London englische Literatur bis zum B.A., unterrichtete an der Schule von Charlotte Cowdroy und übernahm diese schließlich. Sozial engagiert, unterrichtete sie neben der Schultätigkeit junge Fabrikarbeiterinnen im Londoner East End.

Ihre Begegnung mit der Waldorfpädagogik erfolgte im Zusammenhang mit der Gründung der „New School“ in Streatham/London am 20. Januar 1925 (später Michael Hall). Dort spielte sich bei einer der späteren Tagungen eine für Margaret Bennell charakteristische Szene ab: Mitten in einer Eurythmiestunde verlässt sie mit ihrer Kollegin Cora Nokes den Raum: „Cora – we’ve got to found a school.“ „Have we really?“ „Yes, indeed.“ – Dem Beschluss folgt die Tat. Ab 1935 beginnt die Suche nach Kollegen und nach dem geeigneten Ort. In einem alten Herrenhaus in Brookthorpe, Gloucestershire (Mittelengland), findet die Initiative ein erstes Domizil. Schülerinnen aus Crouch End treten zu der winzigen Gruppe der Neuanfänger hinzu, bald nach der Gründung im September 1938 folgen mehr. Bettina Mellinger aus dem Kollegium der gerade durch die Nazis zur Schließung gezwungenen Stuttgarter Waldorfschule bleibt ein Jahr lang als Gründungsberaterin dort. Die Ärzte Norbert und Maria Glas ergänzen das kleine Kollegium. Regelmäßig besuchen Walter Johannes Stein und Violetta Plincke die werdende Gemeinschaft. Auch Lili Kolisko zieht nach dem Tod Eugen Koliskos in die unmittelbare Umgebung. So ergibt sich eine erstaunliche Kontinuität mit der unterbrochenen anthroposophischen Arbeit in Stuttgart. Rudi Lissau wird, neben einer Reihe anderer engagierter Pioniere, für den Griechisch- und Lateinunterricht gewonnen und wird später die Oberstufe aufbauen. Die Schülerzahl steigt in der ländlichen Zurückgezogenheit durch die Kriegsereignisse rasch an, unter ihnen sind viele Emigrantenkinder aus Deutschland, was der Schule den im Krieg nicht gerade vorteilhaften Ruf einer „German School“ einbrachte. Nach dem Krieg wird die „Wynstones School“ weiter ausgebaut, immer wieder umgestaltet und arbeitet, von den ehemaligen Schülern lebhaft unterstützt, bis heute.

Margaret Bennells rasch zunehmende Ertaubung macht 1949 einen neuen Schritt nötig: Mit Lily Whincop, der Eigentümerin des einige Kilometer entfernt bei Stroud gelegenen Hawkwood House, gründet sie „Hawkwood College“ als eine Art Jugendseminar. Maria Röschl und Ernst Lehrs schließen sich zeitweise dem Kollegium an. Das College ist jahrelang Ort von Sommersprachkursen für Schüler und für Lehrer, macht viele Metamorphosen durch, bildet aber in erster Linie bis heute ein Zentrum anthroposophischer Arbeit in England.

Mit Isabel Wyatt verfasst Margaret Bennell „A Commentary on the Chymical Wedding of Christian Rosenkreutz Anno 1459“. Nach der Umsiedlung nach Curry Mallet, Somerset, arbeitet sie in der Ruhe, zu der sie die schwere Erkrankung zwingt, mit Isabel Wyatt an „Shakespeare’s Flowering of the Spirit“, das erst nach ihrem Tod erscheint. Die Studie verfolgt ohne philologischen Apparat die okkulten Strömungen, die sich in Shakespeares Dramen ausdrücken, und zeigt eine gesetzmäßige Entwicklung auf. Sie komponiert nach Texten aus der englischen Literatur das Lied „Fear no more the Heat of the Sun“ als ihr eigenes Requiem – am 23. Juli 1966 stirbt sie in Curry Mallet.

Magda Maier


Werke: mit Isabel Wyatt: An Introductory Commentary on the Chymical
Wedding of Christian Rosenkreutz, Anno 1459; Stroud [1965], London ²1989;
Shakespeare‘s Flowering of the Spirit, East Grinstead 1971; Beiträge in AM,
AQ/ARw, CaM, EK, PA.
Literatur: Bruce-Smith, I. u.a.: Margaret Bennell, in: AM 1966, Nr. 9.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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