Heimo Rau
Rau, Heimo

Kunsthistoriker, Indologe, Waldorflehrer.

*30.12.1912 Breslau (damals Deutschland)
†30.12.1993 Filderstadt (Deutschland)





Heimo Rau war ein Akademiker ersten Ranges. Er beherrschte die Gebiete Kunstgeschichte, Germanistik und Indologie. Aus anthroposophischem Verständnis brachte er eine neue Dimension in seine wissenschaftliche Arbeit. Er hat viel getan, um eine Kulturbrücke zwischen Deutschland und Indien zu bauen. Er war ein Weltbürger.

Sein Vater, Ernst Rau, war Stadtbaurat in Breslau, seine Mutter, Hedwig, geb. Czeschka, stammte aus der Steiermark. Beide Eltern waren Schüler Rudolf Steiners und sie brachten Heimo als neugeborenes Kind zu ihm. Seine zehn Jahre jüngere Schwester Tia war das erste Kind, das in der neu gegründeten Breslauer Christengemeinschaft getauft wurde.

Nach dem Besuch der üblichen Schulen führte ihn sein Weg nach Österreich. Sein Großvater war Zoologe an der Universität in Graz. Er begann eine Regisseur-Ausbildung in Wien am Max Reinhardt-Seminar und studierte zugleich an der Universität Kunstgeschichte, Indologie, Archäologie und Germanistik. Bald ließ er den Traum, Regisseur zu werden, fallen und promovierte 1935 über den frühbuddhistischen Stupabau von Sanchi in Madhya Pradesh, Zentralindien. Diese Arbeit wurde wegweisend für sein künftiges Leben. Es folgte eine längere Studienreise durch den Balkan, nach Istanbul und in die Türkei. 1938 wurde er Assistent an der Indischen Abteilung des Völkerkundemuseums in Berlin, wo er sich besonders mit den Turfanfunden beschäftigte.

1940 heiratete er Herta Wehnert. Im selben Jahr wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, kehrte aber wegen seines Gelenkrheumatismus schon bald nach Deutschland zurück. Es wurden ihnen vier Kinder geboren: drei Töchter und ein Sohn. Eine Tochter und der Sohn starben bald nach der Geburt.

1946–1960 war er Waldorflehrer in Stuttgart für Kunstgeschichte, Geschichte, Griechisch und Latein, er gab freien Religions- und Literaturunterricht. Zudem war er Dozent für Kunstgeschichte an der Volkshochschule in Stuttgart. Aus dieser Lehrtätigkeit entstanden zahlreiche Kunstreisen sowie die Veröffentlichung etlicher Kunstbücher und Reiseführer. 1957 reiste er mit seiner Frau und einer kleineren Gruppe auf dem Land- und Seeweg in den Irak, den Iran, nach Pakistan, Indien und Ceylon. Ende 1960 ging Heimo Rau nach Neu Delhi (Indien), baute dort das deutsche Kulturinstitut auf und leitete es bis 1965. 1962 wurde er Regionalbeauftragter des Goethe-Instituts für Südasien. Im gleichen Jahr gründete er die Zweigstelle des Südostasien-Instituts der Universität Heidelberg in Neu Delhi. 1966 kehrte er mit seiner Familie nach Deutschland zurück (Habilitation 1968 an der Universität Heidelberg). 1969 baute er das Max Mueller Bhavan (Goethe)-Institut in Bombay auf, das er bis 1973 leitete.

Aus archäologischem Interesse bereiste er – oft von seiner Familie begleitet – ganz Asien. Seine große Liebe aber galt Indien. Sogar sein Name Rau erinnert an den großen indischen Brahmanen-Familiennamen Rao. 1971–72 war er maßgeblich an der Restaurierung eines Tempels in Nepal beteiligt, 1974 hatte er eine Gastprofessur für Kunstgeschichte an der Universität in Neu Delhi. Er fühlte sich im Osten ebenso zu Hause wie im Westen, er war ein wahrhafter Bürger zweier Welten. In all diesen Jahren hielt er bis 1982 während des Sommersemesters Vorlesungen in Heidelberg. Er war zudem seit 1978 Dozent am Waldorflehrerseminar in Stuttgart und am Goetheanum in Dornach.

Zu seinem 80. Geburtstag bestieg er mit seiner Familie das große buddhistische Heiligtum Borobudur auf Java. Ein Jahr später starb er am Tag seiner Geburt.

Aban Bana


Werke: Gandhi in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek 1970,
Gütersloh o. J.; Indien. Kunst- und Reiseführer mit Landeskunde, Stuttgart
1978, ²1990; Stilgeschichte der indischen Kunst, Bd. I/II, Graz 1986/1987;
mit Ernst Bühler: Hermann Kirchner - Leben und Werke, Stuttgart 1986;
zahlreiche weitere Kunst- und Reiseführer sowie Aufsätze zu diesem Thema;
Beiträge in Sammelwerken.
Literatur: Rau, H.: Heimo Rau, in: N 1994, Nr. 45; Kniebe, G.: Prof. Dr. Heimo
Rau, in: Leh 1994, Nr. 51 und in: MaD 1994, Nr. 189; Bana, A.: Heimo Rau –
ein Brückenbauer, in: G 2002, Nr. 32–33.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

Copyright: Text und Bild sind urheberrechtlich geschützt. Reproduktion in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung der Forschungsstelle Kulturimpuls, Dornach
© Forschungsstelle Kulturimpuls – Biographien Dokumentation – www.kulturimpuls.org