Hermann Ranzenberger
Ranzenberger, Hermann

Architekt.

*14.07.1891 Stuttgart (Deutschland)
†13.09.1967 Salzburg (Österreich)





Hermann Ranzenberger gehörte zu den Architekten, die maßgeblich am Bau des ersten und zweiten Goetheanum beteiligt waren. Als selbstständiger Architekt hat er viele Bauten in Dornach und Arlesheim realisiert.

Am 14. Juli 1891 wurde er in Stuttgart geboren. Durch die Familie mütterlicherseits wurde der Baumeister in ihm veranlagt, väterlicherseits seine Liebe zur Musik. 20-jährig lernte er die Anthroposophie kennen und hörte im Oktober 1911 erstmals Vorträge Rudolf Steiners in Stuttgart. Nach erkenntnistheoretischer Arbeit bei Carl Unger und Abschluss seiner architektonischen Studien ging er im Juni 1914 nach Dornach, wo er als junger Mitarbeiter ins Baubüro am Goetheanum aufgenommen wurde; im Juli kam Ernst Aisenpreis hinzu. Wenige Wochen später brach der Erste Weltkrieg aus, er wurde jedoch erst 1917 eingezogen und frühzeitig wieder entlassen. Im Herbst 1919 zog er endgültig nach Dornach, wo er bis 1928 im Baubüro arbeitete. Er erlebte die wichtigsten Bauphasen der beiden Goetheanum-Bauten hautnah mit. Insbesondere der Ausbau des Weißen Saals, das Ostportal und die 1916 nachträglich angebrachten Dachrinnen an den Vorbauten des ersten Goetheanum tragen seine Handschrift. Die Korrekturen, die Rudolf Steiner bei diesen Arbeiten angebracht hat – aber auch zu Möbelentwürfen und anderen architektonischen Details im Umfeld der Goetheanum-Bauten –, sind von Ranzenberger ausführlich dokumentiert worden und ermöglichen einen prozessualen Einblick in die künstlerische Arbeitsweise Rudolf Steiners.

Der Brand des ersten Baus bedeutete für alle Beteiligten ein erschütterndes Erlebnis – und eine beispiellose Ermutigung ging von der Energie aus, mit der Rudolf Steiner die Arbeit fortsetzte und die Konzeption des zweiten Baus anlegte. Ranzenberger war bis zur vorläufigen Fertigstellung 1928 an Detailentwürfen, Ausführungsmodellen und Realisierungen beteiligt. Nachdem er die aus dem Baltikum stammende Genia Blumfeldt 1927 geheiratet hatte und das Baubüro im Herbst 1928 aufgelöst wurde, machte er sich selbstständig.

Zunächst realisierte er in der relativ kurzen Zeit von fünf Jahren zehn Wohnhäuser in der näheren Umgebung sowie das Betriebsgebäude der Weleda in Arlesheim. Seine Entwürfe zeichnen sich durch einen fantasievollen Variantenreichtum aus, gemeinsam ist ihnen eine starke Aufrichtekraft und eine ausgeprägte Plastizität, die seine Liebe zur Musik Richard Wagners erahnen lässt. Während der Zeit der Naziherrschaft in Deutschland, besonders während der Zeit des Krieges, kam die Bautätigkeit in Dornach fast gänzlich zum Erliegen.

Auch nach dem Krieg wurde niemals wieder eine Auftragslage wie in der Vorkriegszeit erreicht. Neben der Planung von Wohnhäusern beschäftigte sich Hermann Ranzenberger in den 50er-Jahren mit der für viele Architektenkollegen existentiellen Frage des Goetheanum-Saalausbaus. Weil dieses Thema äußerst umstritten war, gab er ein Büchlein heraus, in welchem er seinen Vorschlag mit einer Interpretation der Angaben Rudolf Steiners erläuterte. Wie andere, die sich durch ihre unmittelbare Arbeit mit Steiner berufen fühlten – etwa Carl Kemper oder Albert von Baravalle – litt er sehr darunter, dass sein Entwurf der Saalgestaltung nicht berücksichtigt wurde, sondern das Projekt von Johannes Schöpfer zur Ausführung kam. Als letzter Höhepunkt seines Berufslebens kann der repräsentative Neubau der Malschule am Goetheanum gesehen werden. Im Jahr nach der Fertigstellung verstarb er auf einer Reise am 13. September 1967 in Salzburg.

John C. Ermel


Werke: Hermann Ranzenberger, Architekt, Dornach, München 1932; Wie
begründet sich Architektur im Menschen? Vortrag, Dornach 1937; Der Ausbau
des Goetheanum-Saales Dornach, Dornach 1956; Beiträge in Sammelwerken,
weitere in N, G, MaD, MuB, Pfa.
Literatur: GA 192, 1964; Raab, R.: Le Corbusier und das Goetheanum, in: G
1966, Nr. 2; Bessenich, J.: Zum Tode von Hermann Ranzenberger, in: N 1967,
Nr. 41; Ranzenberger, E., Zimmer, E.: Zum Gedenken an Hermann
Ranzenberger, in: N 1967, Nr. 49; Krause-Zimmer. H.: Hermann Ranzenberger,
in: MaD 1967, Nr. 82; dies.: Hermann Ranzenberger zum Gedächtnis, in:
BfA 1967, Nr. 11; Hagemann, E.: Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr.
Steiners, o. O. 1970; Schöffler 1987; Krause-Zimmer, H.: Hermann
Ranzenberger, Dornach 1995.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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