Wilhelm Petersen
Petersen, Wilhelm

Komponist, Dozent, Musiker.

*15.03.1890 Athen (Griechenland)
†18.12.1957 Darmstadt (Deutschland)









Als Komponist orientierte sich Petersen an mehreren musikalischen Stilepochen, besonders aber an den Meistern der Klassik und Romantik. Als das ihm selbst am wichtigsten eigene Werk bezeichnete er die „Große Messe“, die er aus einem überkonfessionellen anthroposophischen Christentum verstanden wissen will.

Petersen war das fünfte und jüngste Kind von Waldemar Petersen, Hofprediger beim König von Griechenland. Er hatte zwei Brüder, Waldemar und Theodor. Im zweiten Lebensjahr von Petersen kehrten die Eltern nach Deutschland zurück. Bald danach, 1892, wurde der Vater vom Großherzog von Hessen nach Darmstadt berufen; hier lebte Petersen bis zum 18. Lebensjahr. Frühzeitig wurde seine musikalische Begabung erkannt. Als Neunjähriger erhielt er Kompositionsunterricht bei dem Bruckner-Schüler Christian Heim. Als Schüler von Friedrich Klose, Felix Mottl und Rudolf Louis studierte er 1908–11 in München an der Akademie der Tonkunst und daneben an der Universität Philosophie und Germanistik.

Das besondere Interesse von Petersen galt den damals modernen Komponisten Strauss, Mahler, Reger und der Liedkunst Hugo Wolfs. Durch eigene dichterische Versuche gelangte er in den Kreis um Stefan George. Enge Freundschaft verband ihn mit dem Zeichner Karl Thylmann, mit dem er zum Freundeskreis um Alexander von Bernus in München/Heidelberg gehörte. Petersen schrieb Kompositionen für die von von Bernus begründeten Schwabinger Schattenspiele, gehörte auch zum Mitarbeiterkreis des Münchner Kunsthauses „Das Reich“ von von Bernus. Im Oktober 1911 heiratete er Adelheid von Bernus-von Sybel. Durch Empfehlung Wilhelm Furtwänglers volontierte Petersen im Winter 1913/14 als Kapellmeister in Lübeck. 1914, noch vor seiner Einberufung, hatte er seine erste Sinfonie komponiert. Sie wurde 1921 in Nürnberg unter Robert Heger aufgeführt.

1914 wurde er nach der entscheidenden Begegnung seiner Frau mit Rudolf Steiner Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft. 1918 kehrte er nach München zurück und betätigte sich als Musiklehrer und Schriftsteller an der Zeitschrift „Das Reich“. 1922 ging er wieder nach Darmstadt. Dort wurde er fünf Jahre später an der Akademie für Tonkunst Lehrer in den theoretischen Fächern und Seminarleiter. Als einer der Ersten erhielt Petersen 1926 den Büchnerpreis. Ein Höhepunkt in seinem Leben war 1930 die Uraufführung seiner Großen Messe unter Karl Böhm zur 600-Jahr-Feier von Darmstadt. Damals wurde ihm die Ehrenmedaille der Stadt verliehen. 1935 wurde er an die Hochschule für Musik in Mannheim berufen. Aus gesundheitlichen Gründen trat er 1953 63-jährig in den Ruhestand und siedelte nach Darmstadt über.

Nach anfänglichen Erfolgen seiner vier Sinfonien, seiner Großen Messe, zahlreicher Kammermusikwerke und der 1941 in Darmstadt uraufgeführten Oper „Der goldene Topf“ – zu der er selbst das Libretto nach E. T. A. Hoffmann geschrieben hat – geriet sein Werk nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Bruno Walter legte in einem Brief den jüngeren Dirigenten die Anregung ans Herz, sie möchten das Schaffen Petersens in aller Welt bekannt machen. (Laugs 1958, S. 31)

Zur Pflege seines musikalischen Nachlasses wurde 1972 unter der Mitwirkung von Karl von Baltz die Wilhelm-Petersen-Gesellschaft begründet, die seit 1973 Mitteilungen herausgibt.

Mario Zadow


Werke: Die Entwicklung der neueren Musik. Aus seinen Mannheimer
Vorlesungen, in: G 1958, Nr. 15; Aus seinem schriftlichen Nachlaß, in: G 1958,
Nr. 39.
Kompositionen: Archiv-Verzeichnis, in: Mitt. der Wilhelm-Petersen-
Gesellschaft 1974, Nr. II; Ginat, C. [Hrsg.]: Verzeichnis musikalischer Werke,
Dornach ²1987; Archiv-Verzeichnis, in: Jahresheft der Wilhelm-Petersen-
Gesellschaft 1995, Nr. 2, 1995 waren 69 Werke verzeichnet.
Nachlass im Wilhelm-Petersen-Archiv in Ilvesheim bei Mannheim (1962),
nachher in Mainz (1974).
Literatur: Stuten, J., Lewerenz, W.: Stimmen zur Uraufführung der Großen
Messe von Wilhelm Petersen, in: G 1930, Nr. 29; Schlösser, I.: Porträt eines
Komponisten, in: G 1955, Nr. 23; Baltz, K. v.: Wilhelm Petersen, in: G 1957,
Nr. 52; Laugs, R.: Gedächtnisrede für den verstorbenen Komponisten
Wilhelm Petersen, in: G 1958, Nr. 4; Kux, R.: Wilhelm Petersen als Mensch
und Musiker, in: G 1958, Nr. 19; autobiografisch: Kleiner Lebensabriß von
Wilhelm Petersen, in: N 1958, Nr. 37; von Lewinski, W. E.: Der Mensch und
Musiker Wilhelm Petersen, in: N 1958, Nr. 49; ski: Der Symphoniker Wilhelm
Petersen, in: N 1959, Nr. 12; Sybel-Petersen, A.: Wilhelm Petersen. Skizze
seines Wesens und Lebens. Darmstadt 1962; Reisch, M.: Musik der Stille, in:
CH 1962, Nr. 7; von Baltz, K.: Wilhelm Petersens Große Messe, Opus 27, in:
G 1965, Nr. 49; Hagemann, E.: Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr.
Steiners, o. O. 1970; Schöffler 1987; Gehlhaar, S.: Kreuzwege zum Geist,
Darmstadt 1989; Heckmann, W.: Wilhelm Petersen. Zu seinem 100.
Geburtstag, in: N 1990, Nr. 13; Gehlhaar, S.: Die Christengemeinschaft
1924–1945, Darmstadt 1992; von Baltz, C.: Jahreshauptversammlung der
Wilhelm-Petersen-Gesellschaft in Darmstadt, in: N 1994, Nr. 31/32;
Mechsner, W.: „Daher ist das Werk eines Autors seine eigentliche Biografie“,
in: Jahresheft der Wilhelm-Petersen-Gesellschaft 1995, Nr. 2.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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