Ingeborg Møller-Lindholm
Møller-Lindholm, Ingeborg
Pseudonym/Varianten: Möller-Lindholm

Schriftstellerin, Pädagogin.

*29.12.1878 Kristiania (Norwegen)
†18.02.1964 Lillehammer (Norwegen)
(Anderer Todestag: 8.)











Ingeborg Møller gehörte zu den Pionieren der anthroposophischen Bewegung in Norwegen. Sie wirkte im sozialen Leben der Anthroposophischen Gesellschaft. Ihr literarisches Werk zeigt ihre innere Orientierung an geistigen Inhalten in einer authentischen, unaufdringlichen Art und Weise.

Ingeborg Katharina Elisabet Møller wurde als Tochter des Hauptmanns der Infanterie, Thorvald F. O. Møller, und seiner Frau, Johanne Nathalia Munch, am 29. Dezember 1878 in Kristiania (heute Oslo) geboren. Ihr Großvater, P. A. Munch, war der Begründer der neueren Geschichtsforschung Norwegens, der Maler Edvard Munch war ein Vetter ihrer Mutter. Beide Eltern waren künstlerisch veranlagt, hatten einen markanten Charakter und standen aktiv im kulturellen Leben. Nach Beendigung der Schule besuchte Ingeborg für zwei Jahre ein Lehrerseminar und unternahm nach dem Examen eine Reise nach Genf. Dort lernte sie den russischen Gesandten Graf Maurice Prozor und seine schwedische Frau Märta kennen, die sie mit theosophischem Gedankengut, insbesondere mit der Idee der Wiederverkörperung, bekannt machten. Nach Norwegen zurückgekehrt, nahm sie in der Familie eines Arztes in der Nähe von Tromsø eine Stellung als Gouvernante an. Dort lernte sie auch die schwedische Schriftstellerin und Pädagogin Ellen Key kennen, mit der sie eine intensive, lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Von ihr erhielt Ingeborg Møller wichtige Anregungen für ihre schriftstellerische Laufbahn.

Einige Zeit später nahm sie eine Stellung als Privatsekretärin bei einem Völkerkundeprofessor an, bis sie im Jahre 1904 den Rittmeister Daniel K. Lindholm heiratete. In dieser Zeit zog sie sich auch aus den Künstlerkreisen, in denen sie bisher verkehrt hatte, zurück. Das Ästhetische, rein Künstlerische befriedigte sie nicht – sie suchte nach einer geistigen und religiösen Vertiefung. Deshalb schloss sie sich der Kristiania-Loge der Theosophischen Gesellschaft an. Die Loge wurde damals von Richard Eriksen geleitet, der zu den Gründern der Theosophischen Gesellschaft in Norwegen gehörte.

Während einer theosophischen Zusammenkunft in England hörte Ingeborg Møller erstmals den Namen Rudolf Steiners. Man sagte ihr, dass seine Lehre von der Blavatskys und Annie Besants abweiche. Diese Bemerkung erweckte ihr Interesse. Im Frühjahr 1908 wurde Steiner von der skandinavischen Sektion zu einer ersten Vortragsreise durch die nordischen Länder eingeladen. Durch die Geburt ihres ersten Sohnes Dan (Lindholm) konnte Ingeborg Møller-Lindholm jedoch nicht an der Veranstaltung in Oslo teilnehmen. Ein Jahr später konnte sie Rudolf Steiner in Düsseldorf persönlich kennen lernen. Bei dieser Gelegenheit wurde sie auch in die Esoterische Schule aufgenommen. Sie war bereits Mitglied der Esoterischen Schule Annie Besants gewesen.

Nun begann für Ingeborg Møller ein neuer Abschnitt ihrer meditativen Arbeit, der sich mehr und mehr zu einer Grundsäule ihres Lebens entwickelte. Sie stand in naher Verbindung zu Rudolf Steiner, dem sie ihrerseits manche Anregungen vermitteln konnte. So wies sie ihn beispielsweise auf das mittelalterliche Traumlied des Olaf Åsteson hin.

In ihrer neuen Rolle als Hausfrau und Mutter fühlte sich Ingeborg Møller unwohl. Was jedoch schwerer wog, war, dass ihr Gatte ihr geistiges Streben nicht teilte. Dies führte nach einiger Zeit zur Scheidung, worauf sich Daniel K. Lindholm das Leben nahm. Ingeborg Møller blieb mit drei kleinen Kindern ohne finanzielle Grundlage zurück. Sie begann zunächst als Lehrerin in Gudbrandsdalen, nördlich von Lillehammer, an einer Grundtvig’schen, vom Dichter Olav Aukrust gegründeten Volkshochschule, „Dovre“. Hier unterrichtete sie die Fächer Seelenlehre und Kulturgeschichte sowie Literatur, was jedoch nicht lange währte, da die Schule bald schloss. In den Jahren 1920/21 eröffnete Ingeborg Møller eine kleine Kinderschule in Lillehammer.

Abgesehen von einigen Unterrichtsstunden, die sie ab 1926 an der ersten norwegischen Rudolf Steiner-Schule gab, beendete sie Mitte der 20er-Jahre ihre pädagogische Tätigkeit, um sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Schon im Alter von 24 Jahren hatte sie mit dem Schauspiel „Fru Karen“, einem düsteren Schicksalsdrama, ihr literarisches Debüt in Strindberg’scher Manier gehabt. Es wurde im Centralteatret aufgeführt, doch ging das Manuskript verloren. Anschließend hatte Ingeborg Møller das Schreiben beinahe ganz aufgegeben. Der Rat Rudolf Steiners, in den Wurzeln der kulturellen Vergangenheit Norwegens nach Inspirationsquellen zu suchen, gab ihr einen neuen Impuls. Als Erstes veröffentlichte sie nun eine Sammlung alter Marialegenden, die sie aus dem Altnordischen übersetzte und nacherzählte. Dann folgten in den Jahren 1925–29 ihre drei ersten großen Romane, die Trilogie „Job Sveinungsson“, „Vandringsmannen“ und „Herrens regn“. Aus ihnen spricht das Schicksal als eine erschütternde Realität. Weitere Romane folgten. Møllers Schilderungen erwiesen sich meist als besonders einfühlsam. Sie vermochte es, in ihren Werken gediegene und lebendige Zeit- und Kulturbilder zu vermitteln. Gleichzeitig wurde ihre Dichtung durch ein geistiges Streben und einen besonderen ethischen Willen bestimmt. Sie versuchte in ihren Werken das Ethische und Geistig-Religiöse mit dem Norwegisch-Volkstümlichen zu einer Einheit zusammenzuschließen. Dies kommt auch in den biografischen Schilderungen, die sie über bedeutende Persönlichkeiten – in erster Linie über Dichter und Künstler – verfasste, zum Ausdruck. Ingeborg Møller suchte in ihren Darstellungen die verborgenen Linien der Entwicklung, „die innere Geschichte“, wie sie es nannte, sichtbar zu machen. Ihr Werk blieb allerdings im Schatten der Arbeiten ihrer Kollegin Sigrid Undset, deren Dichtung mittelalterlichen Themen gewidmet war. Beide verband dennoch eine warme Freundschaft. Während der deutschen Okkupation stand Ingeborg Møller in heimlichem Briefwechsel mit Sigrid Undset und anderen Schriftstellern, die das Land verlassen hatten. Sie selbst musste fünf Monate in einem Gefängnis der Gestapo zubringen, da man bei ihr einen Radioapparat gefunden hatte.

Für die anthroposophische Bewegung bedeutete Ingeborg Møller als Vermittlerin viel. Als ein Mensch mit einem ausgeprägten, lebhaften Temperament und einem gewinnenden Wesen verkehrte sie persönlich und brieflich mit unzähligen Menschen aller gesellschaftlichen Schichten und konnte manchen für die Anthroposophie begeistern.

Auf dem Totenbett äußerte sie mit schwacher Stimme ihrem Sohn Dan gegenüber: „Grüß die Menschen von mir und sag ihnen, dass ich sie liebe!“

Terje Christensen


Werke: Norrøne Marialegender, Kristiania 1923; Job Sveinungsson, Oslo 1925,
deutsche Übersetzung: Neumünster 1929; Vandringsmannen, Oslo 1928,
deutsch: Kristen Rasmussen, der Wanderer, Erlenbach [1931]; Herrens Regn,
Oslo 1929; Vaarfrost. En romantikerskjebne, Oslo 1931; Lindeby, Oslo 1933;
Runestenene, Oslo 1934; En av de første, Oslo 1936; Det blåser sønnenvind,
Oslo 1939; De tolv apostlers saga, Oslo 1946; Henrik Steffens.
„Norges bortblæste Laurbærblad”, Oslo 1948; Goethe. Et omriss av hans liv
og verk, Oslo 1949; Fra gullalderen i nordisk diktning, Oslo 1955; Fem
menneskeskjebner. Georg Carl von Döbeln, Florence Nightingale, Giuseppe
Garibaldi, Sonja Kovalevski, Eugen Schauman, Oslo 1957; Ridderen med det
mørke smilet og andre sagn og eventyr fra landene i vest, Oslo 1958;
Übersetzungen ins Dänische und Deutsche erschienen; Beiträge in BfA, Ns,
OeF, V.
Literatur: Møller, Ingeborg Katharina Elisabet Storm, in: Norsk biografisk
leksikon, Oslo 1940; Vortrag von Christian Morgenstierne, Vidargruppen 6.
Februar 1940; Erindringer fra antroposofiens første tid i Norge, Manuskript
von Ingeborg Møller; Møte med Rudolf Steiner. Interview mit Ingeborg
Møller, in: Horisont 1961, Nr. 1; Streit, J.: Ein Gespräch mit Ingeborg
Møller-Lindholm (Norwegen) über Rudolf Steiner, in: MaB 1961, Nr. 25;
Froböse, E.: Ingeborg Møller-Lindholm, in: MaB 1964, Nr. 33; Roll-Wikberg,
S.: Ingeborg Møller; in: N 1964, Nr. 19; Ruths-Hoffmann, K.:
Skandinavischer Brief, in: CH 1964, Nr. 4; dies.: Zum Gedenken an
Ingeborg Møller-Lindholm, in: N 1979, Nr. 10; Engelstad, C. F.: Ingeborg
Møller frem i lyset, in: Aftenposten, 12. Jan. 1979; Lindholm, D.: „Hils
menneskene ...“ Ingeborg Møllers vei til antroposofien og sin livsgjerning,
in: L 1986, Nr. 4; Christensen, T.: Fra antroposofiens første tid i Norge III.,
in: L 1988, Nr. 4; autobiografisch: Ingeborg Møllers vei til antroposofien, in:
L 2001, Nr. 2/3; Christensen, T.: Hvem var Ingeborg Møller, u. a. in:
L 2001, Nr. 2/3.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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