Julia Mellinger
Mellinger, Julia Charlotte

Volkswirtin.

*28.06.1880 Stuttgart (Deutschland)
†14.01.1951 Bad Liebenzell (Deutschland)



Julia Charlotte Mellinger ist als älteste Tochter in einer Kaufmannsfamilie geboren, es folgten ihr noch zwei jüngere Schwestern. Der Vater war Mitglied der Theosophischen Gesellschaft und machte seine Töchter auf Rudolf Steiner aufmerksam. Julia Charlotte besuchte 1905 einen öffentlichen Vortrag Steiners und wurde seine Schülerin.

Sie studierte in Straßburg und in Frankfurt/Main Nationalökonomie und war anschließend als Referentin eines Straßburger Amtes sozial tätig. 1909 war sie Erzieherin in der Familie Grunelius, die durch sie in nähere Beziehung zur Anthroposophie kam.

Von der Theosophischen Gesellschaft wechselte sie 1913 in die Anthroposophische Gesellschaft. Sie zog nach Frankfurt/Main, wo sie bis Mitte 1923 lebte und arbeitete. 1921 kam die Hochschultagung „Anthroposophie und Wissenschaft“ in Darmstadt (GA 77a) durch ihre Initiative zustande, ferner war sie beteiligt am Zustandekommen des Nationalökonomischen Kurses 1922 (GA 340). Im Januar 1923 war sie Mitglied des erweiterten Dreißiger-Kreises, der eine den Entwicklungsverhältnissen angepasste neue Form für die Anthroposophische Gesellschaft suchte. Im Juli 1923 wurde sie auch Mitglied der Freien Anthroposophischen Gesellschaft.

Seit Ende der 20er-Jahre war sie mit Andreas Grunelius u. a. leitend in der von Friedrich Kempter angeregten Waldorfspielzeug- und Verlag AG in Rudersberg tätig. Die Idee zu der Firmengründung war ursprünglich im Zusammenhang mit der sozialen Dreigliederung entstanden und das Unternehmen beschäftigte in seinen besten Zeiten bis zu 200 Menschen. 1941 musste es wegen der politischen Verhältnisse aufgelöst werden.

1944 bekam Charlotte Mellinger nach einem Fliegeralarm einen Schlaganfall und verbrachte ihre restlichen Lebensjahre gelähmt, ab 1947 im Sanatorium Helmut Hessenbruchs in Bad Liebenzell, wo sie auch starb. Der nach ihr benannte Mellinger-Verlag, Rechtsnachfolger ihres Verlages, spielte bis in die 90er-Jahre eine Rolle im anthroposophischen Buch- und Verlagswesen.

Jan Pohl


Werke: als Herausgeberin mit Schickler, E. und von Grone, J.: Eugen Kolisko, das Geleitwort stammt von ihr.
Literatur: von Grone, J.: Julia Charlotte Mellinger, in: MaD 1951, Nr. 15; Meyer, T. H.: Andreas Nikolaus von Grunelius, in: MaD 1987, Nr. 162; Schöffler 1987; GA 259, 1991.




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