René Maikowski
Maikowski, René
Pseudonym/Varianten: Rene

Waldorflehrer.

*11.03.1900 Berlin (Deutschland)
†25.01.1992 Oyten/ Bremen (Deutschland)



René Maikowski setzte sich schon in jungen Jahren aus sozialpolitischem Interesse für die anthroposophische Bewegung ein. Er war 1923 Sekretär des Bundes für anthroposophische Hochschularbeit, gehörte zu den Mitinitianten des Pädagogischen Jugendkurses und war Komiteemitglied der Freien Anthroposophischen Gesellschaft. Ab 1924 war er an verschiedenen Waldorfschulen tätig. 1934 wurde er Leiter des Bundes der Freien Waldorfschulen und setzte sich nach der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten für einen möglichst langen Erhalt der Waldorfschulen ein.

René Maikowski wurde am 11. März 1900 in Berlin geboren. Väterlicherseits hatte Maikowski russisch-polnische Vorfahren, während seine Mutter aus einer französisch-schweizerischen Hugenottenfamilie stammte. René verlebte seine Kindheit zwischen Berlin und der französischen Schweiz. Seine Muttersprache war Französisch, doch lernte er ebenso gut Deutsch. Nach dem Abitur, das René während des Ersten Weltkrieges ablegte, wurde er noch kurz vor dem Ende des Krieges Soldat. Die Erlebnisse der Kämpfe während des Spartakusaufstandes erweckten in ihm die Sehnsucht nach einer sinnerfüllten und menschenwürdigen Lebensgestaltung. Sozial und politisch interessiert, begann Maikowski nach dem Krieg Geschichte, Sozialpolitik und Sozialökonomie, zunächst in Berlin und später in Lausanne, zu studieren. Sein jüngerer Bruder machte ihn auf „Die Kernpunkte der sozialen Frage“ von Rudolf Steiner aufmerksam. [----------]

Schon früher in Berlin hatte er Rudolf Steiner flüchtig kennengelernt, als er ihn jedoch in Dor-nach als Vortragenden erlebte, entschied er sich, sich der anthroposophischen Arbeit zu widmen. Er schloss zunächst in Berlin sein Studium ab, wuchs währenddessen aber schon intensiv in die Arbeit des „Bundes für anthroposophische Hochschularbeit“ hinein. Der Bund war eine Vereinigung anthroposophisch orientierter Studenten, die sich seit 1920 dafür einsetzten, die Anthroposophie an den Universitäten bekannt zu machen, und organisierte Hochschulkurse mit Rudolf Steiner und seinen Mitarbeitern. Schon 1923 ergaben sich jedoch wachsender Widerstand und gegnerische Angriffe. Als der Bund bereits in eine Krisensituation geraten war, wurde Maikowski gebeten, das Sekretariat zu übernehmen - man setzte auf sein verbindendes Wesen. In dieser Funktion war er ein Jahr tätig, konnte dem Bund jedoch keinen neuen Schwung geben. Anderes rückte in den Vordergrund. Im Sommer des Jahres 1922 hatten sich während des „West-Ost-Kongresses" in Wien René Maikowski, Ernst Lehrs, Albrecht Strohschein und Fritz Kübler zusammengefunden. Sie strebten nach einem weniger akademisch geprägten, lebendigeren Zugang zur Anthroposophie, als er im Rahmen des Bundes für anthroposophische Hochschularbeit gepflegt wurde. Die vier fuhren nach Dornach, um Rudolf Steiner für einen besonderen Kurs für junge Menschen zu gewinnen. Maikowski gehörte so zu den Mitinitianten des Pädagogischen Jugendkurses, den Rudolf Steiner im Oktober 1922 in Stuttgart hielt. Während des Jahres 1923 begleitete er Rudolf Steiner öfter auf Reisen. Gleichzeitig hatte sich Anfang des Jahres 1923 im Zuge der Reorganisation der Anthroposophischen Gesellschaft eine Gruppierung vorwiegend jüngerer Menschen in der „Freien Anthroposophischen Gesellschaft“ organisiert. Sie suchten nach einer unmittelbareren und praxisorientierteren Vertretung der Anthroposophie und hatten den Eindruck, bei der älteren Generation kein Gehör zu finden. René Maikowski begleitete den Bildeprozess aktiv mit. Zusammen mit Maria Röschl, Ernst Lehrs, Wilhelm Rath und Hans Büchenbacher war er his 1924 im Leitungskomitee der Freien Anthroposophischen Gesellschaft. Allerdings überwog wohl damals bei ihm die programmatische Tätigkeit, weshalb Rudolf Steiner ihn einmal auch einen „Theoretiker der Jugend“ nannte (GA 259, S. 230).

Nach dem Rückzug Maikowskis aus der Arbeit innerhalb der Freien Anthroposophischen Gesellschaft gab ihm Rudolf Steiner den Auftrag, beim Aufbau der Waldorfschule in Essen mitzuhelfen. Im Zuge dieser neuen Aufgabe hospitierte er an der Stuttgarter Waldorfschule bei Karl Schubert und Walter Johannes Stein.

1926 versuchte er, zusammen mit Alexandre Leroi eine anthroposophisch pädagogische Arbeit in Lissabon auf die Beine zu stellen. Dort war er zwei Jahre tätig und kehrte 1928 nach Deutschland zurück. Er unterrichtete zunächst wieder an der Waldorfschule in Essen, verließ diese jedoch im Jahre 1932 endgültig. Dann ging er - nach einer kurzen pädagogischen Zusatzausbildung in Kassel - an die Waldorfschule in Hannover. Wie ehemalige Schüler berichten, muss sein Unterricht etwas Mitreißendes und Begeisterndes gehabt haben, man nannte ihn „die Flamme“.

Als die Existenz der Waldorfschule durch die Nationalsozialisten mehr und mehr infrage gestellt wurde, setzte sich Maikowski, seine verwandtschaftlichen Beziehungen nutzend, mit aller Kraft für die Erhaltung der Waldorfschulen ein. Bis 1934 vertrat er die Hannoveraner Waldorfschule im „Bund der Waldorfschulen", dessen Leitung er ab 1934 übernahm. Maikowskis Verhalten den Machthabern gegenüber war nicht immer von politischem Weitblick gekennzeichnet, und obwohl er der nationalsozialistischen Weltanschauung fern stand, war seine Kompromissbereitschaft so groß, dass seine Kollegen ihn 1938 als Leiter des Bundes absetzten. Im selben Jahr wurde die Hannoveraner Schule offiziell geschlossen, wobei ein „Umschulungskurs“ insbesondere für Oberstufenschüler bis 1939 weitergeführt werden durfte. Nachdem Maikowski noch bis Kriegsausbruch an der Hamburger Waldorfschule tätig sein konnte, ging er für einige Zeit nach Gut Farrach in Österreich, dann nach Salem am Bodensee und an die Odenwaldschule. Dann erfolgten seine Einberufung und sein Einsatz als Dolmetscher bei der Militärverwaltung in Lyon.

Unmittelbar nach Kriegsende kam Maikowski zurück nach Hannover und setzte sich für den Wiederaufbau der [dortigen] Waldorfschule ein. Im Jahre 1948, als sich für die in der Hannoveraner Schule nicht mehr unterzubringenden „Heimschüler“ im nahegelegenen Benefeld die Möglichkeit fand, ein Waldorfinternat einzurichten, ging Maikowski dorthin. Hier war er noch bis 1956 tätig. Dann gab er die pädagogische Arbeit auf. Er zog nach Freiburg im Breisgau und wirkte bei der Zeitschrift „Die Kommenden" als Autor mit. Zudem hielt er zahlreiche Vorträge und Seminare in Frankreich, Deutschland und der Schweiz und leitete anthroposophische Kunststudienreisen zu den wichtigsten kulturellen Stätten Europas, aber auch nach Russland und Israel. Sein Arbeitsgebiet war neben Geschichte, Kunstgeschichte und Pädagogik auch die Heilpädagogik. Maikowski war verheiratet und hatte einen Sohn und eine Tochter.

Seine letzte Lebenszeit verbrachte René Maikowski in Oyten bei Bremen, dort starb er fast 92-jährig am 25. Januar 1992.

Christiane Haid


Werke: Die „Neue Schule“ in Lissabon, in: Kolisko, E. [Hrsg.]: Bilder von der Freien Waldorfschule, Stuttgart 1927; Heilende Erziehung als Notwendigkeit, in: Heilende Erziehung, Arlesheim 1956; Auf der Suche nach dem lebendigen Geist, Freiburg i. Br. 1971; autobiografisch: Schicksalswege auf der Suche nach dem lebendigen Geist, Freiburg i. Br. 1980; Polens Schicksalsweg, Freiburg i. Br. 1982; Übersetzung ins Französische vorhanden; Beiträge in K, BfA, EK.
Literatur: Hagemann, E.: Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr. Steiners, o. O.
1970; Schöffler 1987; autobiografisch: Betrachtungen zum schulischen
Wiederaufbau in der Nachkriegszeit und zur Entstehung des Landschulheimes
Benefeld, in: Leh 1989, Nr. 37; GA 259, 1991; Kniebe, G., Bischoff, M.: René
Maikowski, in: Leh 1992, Nr. 44; Chrometzka, D.: René Maikowski, in: Leh 1992,
Nr. 45.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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