Otto Fränkl-Lundborg
Fränkl-Lundborg, Otto

Dichter, Publizist.

*27.08.1897 Wien (damals Österreich-Ungarn)
†10.04.1979 Dornach (Schweiz)





Als Vortragsredner und besonders durch seine Kurstätigkeit hatte Otto Fränkl (-Lundborg) am Aufbau der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz einen hervorragenden Anteil. Umfassend humanistisch gebildet, war er über 50 Jahre Rezensent an der Wochenzeitung „Das Goetheanum“, die er durch seine „Literarische Überschau“ bereicherte.

Sein Vater, aus einer jüdischen Familie der damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Slowakei stammend, hatte sich aus einfachen Verhältnissen zum Holzhändler und Fabrikbesitzer emporgearbeitet. Die Mutter, Ella Schmidt, in Böhmen aufgewachsen, war Wienerin. Otto Fränkl verbrachte mit seinen drei jüngeren Geschwistern eine glückliche Kindheit. Der Vater war ein frommer und gerechter Mann, seinen Kindern ein Vorbild. Die Mutter lebte ganz für ihre Kinder und zeigte großes pädagogisches Geschick. Als Fränkl heranwuchs, sammelte sich um ihn, von den Eltern lebhaft begrüßt, ein Kreis von angehenden Malern und Dichtern. Sein Jurastudium schloss er 23-jährig mit der Promotion ab – 50 Jahre danach wurde sein Diplom an der Wiener Universität mit einer Laudatio, in der er als Anthroposoph und Dichter gewürdigt wurde, erneuert. Nach dem Studium arbeitete er einige Zeit im Wiener Bankverein.

Die Anthroposophie lernte er durch seine Kusinen Hella und Maria Spira kennen. Beim Wiener „West-Ost-Kongress“ 1922 begegnete er Rudolf Steiner zum ersten Mal. Er wurde im selben Jahr Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft, ging nach Stuttgart, arbeitete dort zunächst am Bankhaus Stammer und in der Bank „Der Kommende Tag“. Später war er zeitweilig stellvertretender Bankdirektor in Berlin.

1923 nahm er an der Weihnachtstagung teil. Seitdem gehörte seine ganze Hingabe der Arbeit für die Anthroposophische Gesellschaft. Im Herbst 1924 ging er nach Dornach, um dort einige Monate zu bleiben – und blieb sein ganzes Leben. Seine erste größere Aufgabe in Dornach war die Einrichtung eines Tagungsbüros für die Eröffnung des zweiten Goetheanum 1928. Dieses Büro betreute er 17 Jahre lang.

Albert Steffen zog ihn 1927 als Rezensent für die Wochenschrift „Das Goetheanum“ heran. Diese Tätigkeit, die Fränkl zur Meisterschaft entwickelte, begleitete ihn sein ganzes Leben. Er schrieb ca. 1.300 Rezensionen. Außerdem hat er 16 Bücher, Gedichte, Novellen, Romane, veröffentlicht. Er pflegte lebenslang den Verkehr mit den Dichterfreunden aus der Jugendzeit, Felix Braun, Arthur Fischer-Colbrie, Johann Gunert u. a., und veranlasste, dass sie zu Dichterlesungen an das Goetheanum eingeladen wurden. Er war Mitglied des Schweizerischen Schriftstellervereins und des PEN -Clubs. Da er auch zum Stadttheater Basel gute Beziehungen unterhielt, trug er dazu bei, dass dort in den Jahren 1936–47 Dramen Albert Steffens aufgeführt wurden, darunter einige Uraufführungen.

Schon als junges Mitglied wurde er als Redner zu öffentlichen Vorträgen eingeladen. Diese Tätigkeit wurde von 1936 an seine Hauptaufgabe. In den wichtigsten Orten der Schweiz hat er Einführungsvorträge mit anschließendem zweijährigen Kursus für Interessierte gehalten. Er hatte die Gabe, den Zuhörern Anthroposophie lebensnah verständlich zu machen. 1947 übernahm er den Vorsitz des Paracelsus-Zweiges in Basel. Als Fränkl altershalber 1973 als Vorsitzender zurücktrat, hatte der Zweig 700 Mitglieder. Er war Vertreter der Schweiz an den Konferenzen der Generalsekretäre am Goetheanum.

Von 1931–70 gehörte er dem Verwaltungsrat der Weleda an. 1958–70 war er deren Präsident und Delegierter. Er hat die ersten schwierigen Anfänge des sich langsam erweiternden Betriebs bis zu den großen Umsätzen und den zahlreichen Bauvorhaben miterlebt.

Als geborener Wiener besaß er ein liebenswürdiges, geselliges Wesen. In den gesellschaftsinternen Auseinandersetzungen um die Gründung der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung Mitte der 40er-Jahre trug er allerdings durch mündliche und schriftliche Stellungnahmen zu einer Verschärfung der Gegensätze bei – insbesondere durch sein 1946 verbreitetes „Memorandum in der Nachlassfrage“; in späteren Jahren erkannte er seine Haltung als unangemessen (s. MaB 1985, Nr. 79, S. 18 f.). Neben Steffen und Guenther Wachsmuth stand er Paul Bühler persönlich besonders nahe.

Mario Zadow


Werke: Die Anthroposophie Rudolf Steiners, Konstanz 1927, Dornach ³1957; Die
sieben Guttaten (R), Straßburg 1930; Die Brunnenstube (L), Basel 1935;
Albert Steffens dramatische Sendung, in: Almanach der literarischen
Vereinigung, Basel 1935; Orte und Zeiten (L), Basel 1942;
Weihnachtslegende, Winterthur 1944; Elegien (L), Dornach 1947, ²1977;
Herbstesgruß (L), Dornach 1949; Die drei Tempel (E), Zürich [1953]; Der
Mann, der Gott gesehen hat (R), München 1957; Fährte des Lebens (L),
München 1960; Geist und Ungeist. Literarische Betrachtungen, München
1960; Was ist Anthroposophie?, Dornach 1972, 8 1998; Goethes Faust.
Wegleitung, Dornach 1978; Reise mit der ewigen Geliebten (E), Basel o. J.;
Die Zeit, die meine war (L), o.A.; Beiträge in Sammelwerken;
Übersetzungen ins Englische, Französische und Russische erschienen;
zahlreiche Beiträge in G, N, weitere in I, MaD, OeB, RRM, WNA.
Literatur: Schmidt-Bethmann, S.: Literarische Überschau 1927–54,
Typoskript [1955]; Thut, M., Berger-Gerster C.: Zum 60. Geburtstag von Dr.
Otto Fränkl-Lundborg, in: N 1957, Nr. 34; Maron, E. C., Behrmann, F.: Zum
70. Geburtstag, in: N 1967, Nr. 35; Hagemann, E.: Bibliographie der
Arbeiten der Schüler Dr. Steiners, o. O. 1970; Vorstand am Goetheanum:
Zum 80. Geburtstag, in: N 1977, Nr. 35; Grosse, R., Greiner, W., Itschner,
V.: Dr. Otto Fränkl-Lundborg, in: N 1979, Nr. 18; Fränkl-Lundborg, N.: Otto
Fränkl-Lundborg, in: MaD 1979, Nr. 130; Høgsberg, C.: Digtere tilknyttet
Goetheanum, Odense 1983; Schöffler 1987; Grob, R.: Zur Geschichte des
Johannes-Zweiges Bern, Bern 1990.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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