Imme Freiin (Baronesse) von Eckhardtstein
Freiin (Baronesse) von Eckhardtstein, Imme
Pseudonym/Varianten: Imma Eckardtstein, Eckardstein

Malerin, Kostümbildnerin.

*05.11.1871 Lunéville (Frankreich)
†11.05.1930 Dornach (Schweiz)



Der kosmische Jahreslauf und die Arbeit an Verständnis und Darstellung des Tierkreises waren die zentralen Lebensmotive Imme von Eckhardtsteins. Während der Inszenierung der Mysteriendramen und in der Entwicklung des „Seelenkalenders“ gehörte sie zu den engsten Mitarbeitern Rudolf Steiners. In ihrem Leben zeigt sich der Entwicklungsschritt von der Theosophie zur Anthroposophie – nicht ohne einen tragischen Zug.

Baronesse Imme von Eckhardtstein wurde am 5. November 1871 in Lunéville, Frankreich, geboren. Nur wenig ist über ihre Kindheit und Jugend bekannt. In kultivierten Verhältnissen aufgewachsen, widmete sie sich mit ihrem ganzen, ebenso ernsten wie lebhaften Wesen der Malerei. Anfang des 20. Jahrhunderts lebte sie in der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen, als schön und anmutig, geistig regsam, scharf und sprühend-witzig wird sie beschrieben. Schlicht und urtümlich lebte sie allein in einem alten Bauernhaus in der Heidelandschaft. Umgeben von den „Worpswedern“ arbeitete sie in eigenem Stil, froh und innig, voller Tatkraft, oft aber von Schwermut ergriffen, bis an die Grenze des Zerbrechens.

Ihr Lebensnerv wurzelte in der Esoterik. Ihre Begegnung mit Rudolf Steiner 1904 – im 33. Lebensjahr – bedeutete ihr „das Erlebnis des Wiedererkennens des Lehrers durch den Schüler“ (Steiner 1930, S. 78). Von diesem Moment an engagierte sie sich aus ganzem Herzen für sein Werk. Seit 1909 wirkte sie bei den Münchner Festaufführungen der Theosophischen Gesellschaft mit. Sie war die Darstellerin des Dionysos in Edouard Schurés „Heiligem Drama von Eleusis“. 1909 übertrug Steiner ihr die künstlerische Gestaltung des neuen Berliner Zweigraumes. Bei den Uraufführungen der Mysteriendramen 1910–13 war sie eine tragende Kraft in den Vorbereitungen, als verantwortliche Kostümbildnerin und in den Aufführungen. Vom August 1911 an übernahm sie die bis dahin von Harriet von Vacano gespielte Rolle des Luzifer, den sie mit dionysischem Schwung verkörperte. Es waren vier Jahre intensivster Arbeit. Mit Feinsinn für Stoffe, Farbe, Form und Schönheit, mit schneller Auffassung von Steiners Ideen und deren Ausführung aus eigener künstlerischer Initiative und mit sensiblem Verständnis für kulturhistorische und okkulte Inhalte ging sie ans Werk – flink in allem.

Im Frühling 1911 begleitete von Eckhardtstein Rudolf Steiner und Marie von Sivers (Marie Steiner) zu einem Erholungsurlaub nach Portorose bei Triest. Hier stellte sie Rudolf Steiner die Frage, wie ein Kalender aus geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen entstehen und gestaltet werden könne. Er stellte ihr daraufhin die Aufgabe, sich in die Kräftewelt des Tierkreises einzuleben, sich den jeweiligen Planeten vor dem Tierkreis-Sternbild intensiv vorzustellen und in innerer Ruhe die aufsteigende Imagination abzuwarten – denn die neuere Menschheit erfahre nur mit innerer Aktivierung durch die Planeten etwas über die Kräftewirkungen des Tierkreises.

Rudolf Steiner arbeitete selbst an der Frage weiter und entwickelte ein Jahr später einen Kalender für 1912/13, aufbauend auf einem spirituellen Christus-Verständnis, sonnenorientiert mit der Jahreszählung von Ostern zu Ostern. Von Eckhardtstein malte dafür nach seinen Bleistift-skizzen den Sonnentierkreis in Schwarzweißbildern. Der Kalender erschien in zwei Teilen. Der erste Teil zeigte den Sonnentierkreis mit Bildmotiven von ihr. Der zweite Teil umfasste die 52 Wochensprüche des später erschienenen „Seelenkalenders“. Steiner würdigte ihre Arbeit an den Mysteriendramen und dem Kalender in vielen seiner Vorträge (z.B. GA 138, 25. 8. 1912)

Die Suche nach einer neuen Auffassung und Gestaltung des Tierkreises wurde zur Lebensaufgabe von Eckhardtsteins. Im Spätjahr 1911 beauftragte Rudolf Steiner sie mit der Ausmalung der Kuppel des Raumes für die Esoterische Schule im Stuttgarter Zweighaus. Die Darstellung des Mondentierkreises entstand. Imme von Eckhardtstein gehörte 1911 zu dem Menschenkreis der Gesellschaft für theosophische Art und Kunst, in der Rudolf Steiner eine geistig orientierte Gesellschaftsbildung stiften wollte (s. GA 264, S. 421ff).

Andere Tierkreisdarstellungen schuf sie für den Berner Zweig 1912. In den 20er-Jahren entstanden Aquarelle und Arbeiten in Holz, sie entwickelte die zwölf Tierkreis-Wirkungen der sieben Planeten in 84 Motiven.

Oskar Schmiedel begründete im Juni 1912 mit Imme von Eckhardtstein das Laboratorium zur Herstellung von Pflanzenfarben und arbeitete 1914/15 am ersten Goetheanum mit – bald aber verließ sie Dornach wegen menschlicher Schwierigkeiten, die auch ihre Arbeit mit Schmiedel verunmöglichten.

An den Malereien und den großen kosmischen Motiven der Glasfenster des Goetheanum wirkte sie nicht mit, auch der Kalender ist in der Form von 1912/13 nicht wieder erschienen. Bei der Neuauflage Anfang 1925 äußerte Steiner, er wolle keine Illustrationen – und wenn, würde er sie selbst zeichnen.

Als Marie Steiner die Aufführung der Mysteriendramen im zweiten Goetheanum vorbereitete, rief sie Imme von Eckhardtstein wieder nach Dornach. 1928–30 schuf sie die Kostüme für eine Neuinszenierung. Die ägyptischen Bilder des vierten Dramas, besonders die Farbgebung und Kostüme für die Sphinxgestalten von Luzifer und Ahriman, lagen ihr am Herzen. An dem Tag, an dem die ägyptische Tempelszene zum ersten Mal für die Öffentlichkeit gespielt wurde, starb sie im 59. Lebensjahr.

Linda Blumenthal


Literatur: Steiner, M.: In memoriam Imme von Eckhardtstein, in: N 1930, Nr. 20; Strakosch-Giesler, M. und A.: Erinnerungen an Imme von Eckhardtstein, in: MaD 1955, Nr. 33; Leuze, M.: Der „Kalender 1912/13“, in: MaD 1971, Nr. 97; Froböse, E.: Im Gedenken an Imme von Eckhardtstein, in: MaD 1971, Nr. 98; Koch, L.: Imme von Eckhardtstein, in: N 1971, Nr. 45; Wiesberger, H.: Der Anthroposophische Seelenkalender und der Kalender 1912/13, in: BGA 1972, Nr. 37/38; Funk, E.: Der Kalender 1912/13, Dornach 1973; Steffen, A.: Imme von Eckhardtstein. Gedenkworte bei der Kremation, in: Steffen, A.: Geistesschulung und Gemeinschaftsbildung, Dornach 1974; Groddeck 1980; Schöffler 1987; Lüscher, A. u.a.: Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda, in: BGA 1997, Nr. 118/119; Wiesberger, H.: Marie Steiner-von Sivers, Dornach 1998.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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