Eduard Lenz
Lenz, Eduard

Mitbegründer der Christengemeinschaft.

*18.06.1901 Bad Brückenau (Deutschland)
†08.11.1945 in der Nähe von Omsk (damals Sowjetunion)







Eduard Lenz, der aus der Wandervogelbewegung kam, war einer der Mitbegründer der Christengemeinschaft. Er war Gründer der Gemeinde in Prag, herausragender Vortragsredner von ungewöhnlicher Sprachkraft, Träger der Expansion aus tiefstem christlichen Auftrag heraus.

Er wurde im Gasthof „Zur Sonne“ in Brückenau als Sohn des königlich-bayerischen Zollbeamten Joseph und seiner Frau Maria Lenz, geb. Bohse, geboren. Er war das siebte von acht Kindern und wurde streng katholisch erzogen. Zwei Brüder starben im Kindesalter, eine Schwester als 24-Jährige, zwei Brüder fielen im Ersten Weltkrieg in Frankreich. Der älteste Bruder wurde Priester.

Er besuchte von 1907 bis 1910 die Schule in Brückenau und 1911–20 das Gymnasium in Erlangen und Würzburg, machte Abitur in München. Anschließend studierte er Philosophie, Nationalökonomie und Kunstgeschichte an der Universität München; als Werkstudent machte er eine Buchhändlerlehre bei Christian Kayser in München.

Lenz heiratete 1921 Friedel Ganz (?Friedel Lenz), die er im Wandervogel kennen lernte und mit der er vier Kinder hatte.

In Breitbrunn am Ammersee stieß er zum Gründerkreis der Christengemeinschaft und wurde am 17. September 1922 in Dornach als einer der Jüngsten durch ?Friedrich Rittelmeyer zum Priester geweiht. Er begann in Bochum, gründete 1923 eine Gemeinde in Fürth und arbeitete ab 1924 in Hannover. Im Oktober 1925 wurde er nach Prag zur Gründung einer ersten slawischen Gemeinde entsandt. Er lernte die tschechische Sprache in Wort und Schrift und gab ab 1932 die tschechische Zeitschrift „Prah“ heraus. Im selben Jahr unternahm er eine Ägypten- und Palästinareise mit ?Emil Bock. Seit 1934 arbeitete er in der Gemeinde in Dresden mit. Am 9. Juni 1938 wurde er zum Lenker ernannt und Mitglied der Leitung der Christengemeinschaft. Er wurde neben Rittelmeyer und ?Alfred Heidenreich beauftragt, durch Verhandlungen mit den NS-Behörden und Parteivertretern das Verbot der Christengemeinschaft zu verhindern oder hinauszuzögern.

Schon ab 1930 – er war 29-jährig – wuchs seine Vortragstätigkeit ständig an, bis er einer der Hauptredner der damaligen Christengemeinschaft wurde. Er trug bis zum Verbot am 9. Juni 1941 wesentlich zur Ausbreitung, zum Wachstum und zur Vertiefung der Bewegung für religiöse Erneuerung bei.

Im Juni 1941 wurde er verhaftet und kam ins Gefängnis am Alexanderplatz und in Charlottenburg. Nach der Entlassung war er als Betriebspsychologe bei den Vereinigten Bautzener Papierfabriken tätig und wurde schließlich zur Wehrmacht einberufen. Als Soldat war er in Weißrussland, Polen, Frankreich und in der Tschechei. Am 8. Mai 1945 kam er in sowjetische Kriegsgefangenschaft und wurde vom Lager Auschwitz aus nach Sibirien transportiert. Eduard Lenz starb am 8. November 1945 als sowjetischer Kriegsgefangener im Viehwaggon auf dem Heimtransport aus den Kohlegruben am Baikalsee.

Seine Begegnung mit der Anthroposophie war eine dreifache: Zuerst schickte ihm sein Bruder im Ersten Weltkrieg von der Front zwei Schriften Rudolf Steiners, die er verbrannte; dann begegnete er ihr erneut 1919 im Umkreis des Wandervogels und schließlich Anfang 1920 in München – diese dritte Begegnung war lebensentscheidend.

1921 lernte er Rudolf Steiner persönlich kennen und nahm seit 1922 an den Theologenkursen teil. Er hörte auch den Pädagogischen Jugendkurs am 3.–15. Oktober 1922 in Stuttgart. Im Jahre 1924 erlebte er entscheidende anthroposophische Entwicklungen, die Rudolf Steiner vorantrieb, unmittelbar mit: den Landwirtschaftlichen Kurs und die Breslauer Jugendansprachen, den Pastoralmedizinischen Kurs, den Dramatischen Kurs sowie zahlreiche Karmavorträge. Er war in der Jugendsektion aktiv, wurde 1926 Mitglied der tschechischen Landesgesellschaft und Mitglied der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft.

Ein reiches Netz besonderer persönlicher Beziehungen verbanden ihn mit vielen prägenden Mitarbeitern der anthroposophischen Bewegung wie ?Michael Bauer, ?Margareta Morgenstern, ?Elisabeth Klein, ?Ita Wegman und der Kammersängerin Marta Fuchs, vor allem aber auch mit den Priestern der Christengemeinschaft Friedrich Rittelmeyer, Emil Bock und ?Gottfried Husemann, mit Johannes Perthel, Alfred Heidenreich, ?Josef Adamec und vielen anderen.

Johannes Lenz


Werke: Hus a Wiklif na úsvite duše vkdomé, o. O. 1929; Gegner des Christentums. Zur Gottlosenbewegung, Stuttgart 1932; Aufbruch. Zu religiöser Erneuerung. Briefe und Aufsätze, Stuttgart 1959; Gelebte Zukunft. Aufsätze, Briefe, Dokumente, Stuttgart ²1982; Betrachtungen über das Matthäusevangelium. Studien zur Komposition und Initiation im ersten Evangelium, Stuttgart 1990; Beiträge in Sammelwerken, zahlreiche in CH, weitere in AP, EK, Pfa, Prah.
Eine sehr ausführliche persönliche Korrespondenz hat die Kriegswirren überstanden (Archiv der CG), Manuskripte zu den vier Evangelien wurden mit der Bibliothek von der Gestapo vernichtet.
Literatur: Bock, E.: Eduard Lenz, in: MC 1946, Nr. Febr.; Kelber, W.: Jugenderinnerungen an Eduard Lenz, in: CH 1946, Nr. 2; Kelber, W.: Zum 10. Todestag von Eduard Lenz, in: MaD 1955, Nr. 34; Kral, J. E.: Mit Eduard Lenz in Prag, in: CH 1955, Nr. 11; ders.: Erinnerung an Eduard Lenz, in: CH 1965, Nr. 11; Johanson, I.: Friedel Lenz, geb. Ganz, in: MaD 1971, Nr. 95; Schöffler 1987; Gädeke, R. F.: Die Gründer der Christengemeinschaft, Dornach 1992; Huidekoper, E.: In silberner Finsternis. Eduard Lenz, Stuttgart 2003.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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