Rudolf Hauschka
Hauschka, Rudolf

Chemiker, Naturforscher.

*06.11.1891 Wien (damals Österreich-Ungarn)
†28.12.1969 Boll (Deutschland)

















Zwei Erlebnisse prägten das Leben des Forschers, Erfinders und Gründers der WALA-Heilmittel- und Kosmetikbetriebe Rudolf Hauschka.

Mit zweieinhalb Jahren erlebte er beim Spielen einen plötzlichen Blitzstrahl mit fast zeitgleichem, heftigen Donnerschlag. Er suchte beim Großvater Schutz, der ihm sagte: „Der Himmelvater spricht.“ Er beruhigte sich und war getröstet. Ehrfurcht und Vertrauen in eine geistige Führung, besonders in schwierigen Situationen, bestimmten sein weiteres Leben. Die andere Begebenheit geschah bei seiner ersten Begegnung mit Rudolf Steiner. Er stellte ihm die Frage, die er schon allen Lehrern und Professoren gestellt hatte, ohne eine Antwort zu erhalten: „Was ist Leben?“ – „Studieren Sie die Rhythmen, Rhythmus trägt Leben“, war die Antwort. Damit fand er seine Lebensaufgabe.

Als Erstes von drei Kindern wurde er am 6. November 1891 in Wien geboren. Er lernte sehr leicht. Die Chemie fesselte ihn, in den künstlerischen Fächern, beim Zeichnen, Malen und Klavierspielen fiel seine Begabung besonders auf. Mit 14 Jahren wurde ihm während des Mathematikunterrichtes die Hyperbel zu einem tiefen Erlebnis. Da er ein sehr zarter Junge war, wurde er über die Sommermonate von der Schule dispensiert, um sich auf dem Lande zu kräftigen. Dadurch wurde ihm das bäuerliche Leben von früh an vertraut, vor allem aber begann er ein besonderes Verhältnis zu den Elementarwesen zu entwickeln. Als Konfirmand hatte er die erste Begegnung mit dem Reinkarnationsgedanken.

1908–13 studierte er Chemie und Medizin in Wien. Während dieser Zeit engagierte er sich für Alkoholiker und gründete mit Kommilitonen die „Deutsch-Akademische Gemeinschaft“, die für manche Universitäten Vorbild wurde. Sie versuchten durch Aktivitäten zu helfen und zu retten – Wanderungen, Sport, Dichterlesungen, Gespräche und Musik. In dieser Zeit hatte er durch Karl Schubert eine erste Berührung mit der Anthroposophie. Er war Mitbegründer des Wandervogels in Österreich und zeichnete während großer Wanderungen und bei Übernachtungen bei Bauern deren Volkslieder auf, die im „Zupfgeigenhansl“ erschienen sind. Im Juni 1914 promovierte er mit einer Arbeit über „Anilidochinone und Chinonanile“. In den Jahren 1913/14 war er in Wien und München Assistent am Lehrstuhl für organisch-chemische Technologie, für gerichtliche Medizin und am Forschungsinstitut für Psychiatrie. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Sanitätsoffizier und Kommandeur eines Feldspitals eingesetzt.

Nach dem Krieg war er als Chefchemiker in der Farben- und pharmazeutischen Industrie tätig. Rudolf Steiner lud ihn bei ihrer ersten Begegnung 1924 in Arnheim zur Mitarbeit an der Heilmittelherstellung nach Dornach ein. Dort erlebte er Rudolf Steiners letzte Ansprache (GA 238) – und manche Hindernisse für seine Arbeit. 1926–29 folgte Rudolf Hauschka der Aufforderung, an einer Haifisch-Expedition in Australien teilzunehmen. Bei den Vorbereitungen der zweiten Expedition lag sein Schiff 1928 im Londoner Hafen, als dort die „Conference on Spiritual Science“ stattfand. Er lud Ita Wegman mit Gefolge zu einem Dinner ein. Nach dem Essen fand ein Gespräch unter vier Augen statt. Sie entwickelte ihm, für wie dringlich Rudolf Steiner die Forschungen für eine neue Heilmittelherstellung hielt und wie sie sich diesem Anliegen verpflichtet fühlte. Nachdem er während der Expedition schmerzlich erfahren musste, wie produktiver Erfindergeist zum Spielball ökonomischer Interessen werden kann, folgte er ihrem Ruf und ging zu Jahresbeginn 1929 nach Arlesheim. Hier begegnete er seiner späteren Frau, der Ärztin Margarethe Stavenhagen (Margarethe Hauschka).

In Zusammenarbeit mit Ehrenfried Pfeiffer ging es zunächst darum, das Reich der Elemente und ätherischen Bildekräfte dem wissenschaftlichen Experiment zugänglich zu machen. Das war der Anfang der heutigen Blutkristallisationsdiagnostik. Er war an der Konstruktion einer Zentrifuge zur Verarbeitung der Mistelsäfte beteiligt. Fast gleichzeitig entwickelte er für seine Arbeiten die Steigbildmethode, die Werner Kaelin für die Frühdiagnostik des Krebses ausgearbeitet hatte.

Diese Erfahrungen konnte er in die Arbeit über die Vitamine mit Guenther Wachsmuth und Gerhard Suchantke einbringen. Dadurch kam er zu Ernährungsfragen und einer Zusammenarbeit mit Landwirten. Ita Wegman waren die vielfältigen Hinweise Rudolf Steiners bekannt, die sich auf den Zusammenhang zwischen einer durch die Zivilisationsentwicklung zunehmend denaturierten Ernährung und einer Verkümmerung geistig-seelischer Entfaltungsmöglichkeiten bezogen. Sie beauftragte Hauschka, eine Brotzubereitung zu entwickeln, die – so die Anregungen Rudolf Steiners – nicht mit Hefe, Sauerteig oder Backpulver arbeitet, sondern mit Honig und Salz. Er nahm die Arbeit in der Arlesheimer Klinik-Dependance „Holle“ auf, hatte Erfolg, das Verfahren wurde von einigen Bäckern und anthroposophischen Einrichtungen übernommen. Oft begleitete er Ita Wegman nach London, wo sie das Therapeutikum „Kent-Terrace“ gegründet hatte. In der Nähe wurde später ein Restaurant gemietet, in dem er Vorträge über Ernährungslehre hielt.

Ita Wegman, die Hauschkas besondere Beziehungen zu elementarischen Wesen kannte, bat ihn, einem weiteren Hinweis Rudolf Steiners nachzugehen. Er bezog sich auf die mumifizierten Fasern des Scheidegrases in den Hochmooren und die in ihnen gefesselten Elementarwesen. Durch ein entsprechendes Verfahren seien diese Fasern als Textilfasern zu gebrauchen, die einen besonderen Schutz gegen elektromagnetische Felder der Atmosphäre bieten würden. Zuerst in Arlesheim, dann in England, wo ein Labor zur Verfügung gestellt wurde, ist dieses Verfahren unter Hauschkas Leitung mithilfe von Viktor und Rotraut Thylmann ausgearbeitet worden. Das Patent wurde in England angemeldet, doch die Arbeit wurde durch den Zweiten Weltkrieg abgebrochen und führte nicht zu verwertbaren Textilprodukten. Im Rahmen der Heilmittelforschung konnte der Hinweis Steiners fruchtbar gemacht werden durch die Entwicklung des Medikaments „Solum uliginosum“ (vermoorte Erde).

In der Arlesheimer Klinik unterrichtete Rudolf Hauschka an der Schwesternschule; Mitarbeiter und Personal der Klinik konnten an diesem Unterricht teilnehmen, um ein umfassenderes Allgemeinwissen zu erhalten und Einblicke in die Substanz-, Heilmittel- und Ernährungslehre zu gewinnen. Er stellte auch Pflanzenfarben für therapeutische Zwecke her.

Den Schwerpunkt seiner Arbeiten aber bildeten die Forschungen und Entwicklungen zu einer neuen Heilmittelherstellung unter Ausschaltung des Alkohols als Konservierungsmittel. Er machte Wägeversuche nach Herzeele mit keimenden Samen im luftdicht verschlossenen Raum und studierte die Elementarwesen; bei Pflanzenbetrachtungen versuchte er den Werdegang rückwärts zu verfolgen, um zu untersuchen, wie der Raumesleib aus dem Zeitenleib hervorgegangen ist. Zunehmend wurde ihm die Aufforderung Rudolf Steiners: „Studieren Sie die Rhythmen, Rhythmus trägt Leben“ zum Leitmotiv. Es gelang ihm schließlich, Heilpflanzenauszüge durch die rhythmische Anwendung von Licht und Wärme haltbar zu machen. WALA, der Name seines späteren und heute bekannten Heilmittel- und Kosmetikbetriebes, ist aus diesen Experimenten hervorgegangen: Wärme – Asche – Licht – Asche. Die Lemniskate als Resultat der Durchdringung von Sonnen- und Erdenraum spielt bei diesem Verfahren eine wesentliche Rolle.

Als durch den Zweiten Weltkrieg im Mai 1940 die Nordschweiz teilevakuiert wurde, verließ Rudolf Hauschka nach elf Jahren fruchtbarer Forschungs-, Erfinder- und Lehrtätigkeit Arlesheim, übernahm mit Margarethe Stavenhagen die Leitung der Klinik-Dependance in Gnadenwald bei Innsbruck und verlegte seine Labortätigkeit dorthin. Am 9. Juni 1941 wurde die Kuranstalt durch die Gestapo geschlossen. Es folgte eine Gefängniszeit, in der er seine „Substanzlehre“ schrieb, dann wurde er in seinem Geburtsort Wien unter „Polizeischutz“ gestellt. 1942 erschien die „Substanzlehre“ bei Klostermann in Frankfurt, sie erfuhr bis heute zehn Auflagen. Neben Beiträgen zu Sammelwerken und Aufsätzen erschienen später die „Ernährungslehre“ (1951) und die „Heilmittellehre“ (1965), die ebenfalls bis heute zahlreiche Auflagen erfuhren.

Zu Johanni 1942 heiratete er in Wien Margarethe Stavenhagen. In einer provisorisch hergerichteten Wohnung arbeitete er weiter an der Erforschung und Herstellung von Heilmitteln. Dort erreichte ihn durch Max Kaphahn die Anfrage einer Berliner Getränkefirma nach alkoholfreien Getränken. In Berlin wurde ein Großversuch mit Elixieren erfolgreich durchgeführt und anschließend wurden Lazarette damit beliefert. Als die Bombenangriffe auf Berlin zunahmen, musste die Herstellung in eine Kelterei nach Stubenbach im Böhmerwald verlegt werden.

Nach dem Krieg wurde im Park des Krankenhauses in Höllriegelskreuth bei München, das seine Frau leitete, eine Militärbaracke für Rudolf Hauschkas Arzneimittelforschung und -herstellung aufgestellt und mit einfachen Mitteln eingerichtet. 1947 übernahm Max Kaphahn die Geschäftsführung des wachsenden WALA -Unternehmens. Schon bald wurden die Räumlichkeiten zu klein, Widerstände gegen die ungewöhnliche und sich ausweitende Arbeit von Margarethe und Rudolf Hauschka ließen sie Ausschau nach einem neuen Ort halten. 1950 zogen sie nach Eckwälden östlich von Stuttgart, wo Franz Michael Geraths ein heilpädagogisches Institut und Seminar leitete. Er stellte Hauschka einen großen alten Viehstall zur Verfügung, der mit Freunden umgebaut und als Labor und Arbeitsstätte hergerichtet wurde. Nach wenigen Jahren wurden auch diese Räumlichkeiten zu eng, man erwarb zunächst für die Elixierherstellung und den Ampullenbereich ein Grundstück, 1959 wurde der Grundstein zu dem ersten eigenen Bau in Eckwälden unweit von Boll (heute Bad Boll) gelegt, dem bald eine Erweiterung nach der anderen in einer wachsenden Gartenanlage für den Heilpflanzenanbau folgte.

1962 erweiterte sich Hauschkas Tätigkeitsbereich durch die Begegnung mit Elisabeth Sigmund, deren Pflegeprodukte und Kosmetika in den Wala-Prozess übergeleitet werden sollten. 1967 begann der Vertrieb der „Heilenden Kosmetik“ nach Elisabeth Sigmund, der heutigen Hauschka-Kosmetik.

Neben seiner fortgesetzten Forschungs- und Aufbauarbeit – die Sozialgestaltung seines erfolgreichen Unternehmens lag ihm und Kaphahn am Herzen – wirkte er bei Tagungen für Ärzte, Pharmazeuten und Landwirte mit, seine Vortrags- und Beratungstätigkeit führte ihn häufig ins Ausland. Dennoch fand er Zeit, in seinem Lebensrückblick „Wetterleuchten einer Zeitenwende“ seine Wege und Versuche vor dem Hintergrund einer dramatischen Epoche zu schildern. Rudolf Hauschka starb am 28. Dezember 1969 in Bad Boll.

Irmgard Marbach


Werke: mit Truttwin, H.: Enzyklopädie der Küpenfarbstoffe, Berlin 1920; Substanzlehre, Frankfurt/M. 1942, 101990; Ernährungslehre, Frankfurt/M. 1951, 91989; Dr. Ita Wegmans Forschungsauftrag, Stuttgart 1956, Eckwälden ²1991; Heilmittellehre, Frankfurt/M. 1965, 51990; Wetterleuchten einer Zeitenwende, Frankfurt/M. 1966, ²1982; Beiträge in Sammelwerken; Übersetzungen ins Englische, Italienische, Niederländische, Norwegische und Russische erschienen; Beiträge in BeH, Hrb, Na und Beiblätter, LE, PA, Erfahrungsheilkunde, Jahrbuch für praktische Chemie.
Literatur: Vogel, H.-H.: Lebensbild eines Forschers, BeH 1962, Nr. 1; Starke, G.: Rudolf Hauschka, in: N 1970, Nr. 12; Meyer, R.: Rudolf Hauschka, in: MaD 1970, Nr. 91; Wilmar, F.: Nachruf für Dr. Rudolf Hauschka, in: BeH 1970, Nr. 3; „Rhythmus trägt Leben“. Dr. Rudolf Hauschka, in: DD 1970, Nr. 2; Hagemann, E.: Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr. Steiners, o. O. 1970; Schöffler 1987; Glöckler, M. u. a.: Rudolf Hauschka. Zur Wiederkehr seines 100. Geburtstages, Eckwälden 1991; Baumgartner, S.: Hauschkas Wägeversuche, Dornach 1992; Kossmann, K.: Rudolf Hauschka – Zur Wiederkehr seines 100. Geburtstages, in: Mst 1992, Nr. 1; Vogel, H.-H.: Das Leben – ein Weg, Schaffhausen 1995.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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