Oswald Hitschfeld
Hitschfeld, Oswald

Landwirt, Landwirtschaftsberater.

*10.06.1904 Niederlieblich (damals Österreich-Ungarn)
†28.06.1993 Gengenbach (Deutschland)



Oswald Hitschfeld wurde am 10. Juni 1904 als Sohn eines Lehrers in Niederlieblich bei Böhmisch-Leipa geboren. Dies war ein Grenzland, in welchem die verschiedenen Kulturen durch Jahrhunderte hindurch friedlich nebeneinander lebten. Sie prägten Hitschfeld von Jugend an. Zunächst besuchte er das humanistische Gymnasium, entschloss sich aber, da er Landwirt werden wollte, in eine Fachschule zu wechseln. Schon vor der Militärzeit 1924/25 beschäftigten ihn Grenzlandprobleme, war doch Böhmen bis 1918 ein Teil der österreich-ungarischen Monarchie. Waren es zunächst die Jugendbewegungen, welche ihn zur Mitarbeit aufforderten, so wurden es später die verschiedenen Bauernschulen, welche – im Stil des Dänen Grundtvig geführt – seine Kraft beanspruchten. Danach bildeten sich in allen sudetendeutschen Gebieten Bezirksausschüsse, die sich dem Deutschtum verpflichtet fühlten und in denen er tätig war.

Im Jahr 1933 heiratete Oswald Hitschfeld Helene Etrich, drei Kinder sind dem Ehepaar geschenkt worden. Im selben Jahr erfolgte die Übernahme des stattlichen Hofes seines Onkels in Weckersdorf bei Braunau in Ostböhmen mit ca. 42 ha Landwirtschaft, die schrittweise auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt wurden. Hierbei halfen ihm Freunde aus Schlesien. Mit Immanuel Voegele, damals noch in Pilgramshain (Schlesien), verband ihn eine lebenslange Freundschaft.

Das Kriegsende mit all seinen Schrecken bereitete dieser hoffnungsvollen Arbeit ein jähes Ende. Nach der Vertreibung finden wir die Familie an verschiedenen Orten in Baden-Württemberg. Dabei war Hitschfeld von den ersten Tagen an bemüht, am Aufbau des naturgemäßen Landbaus mitzuwirken. Hier boten die zahlreichen homöopathischen Vereine auf der Schwäbischen Alb reiche Möglichkeiten zur Mitarbeit. Dann war es die Gruppe um Tierarzt Eisele in Dornstetten, welche für eine rege Beteiligung der ländlichen Bevölkerung und volle Säle sorgte. Wie viele Vorträge und Referate Hitschfeld in diesem Rahmen gehalten hat, lässt sich kaum abschätzen. Neben seine Vortragstätigkeit trat eine intensive schriftstellerische Arbeit. Hier war Hitschfeld ganz in seinem Element. Daneben verdiente er sich seinen Lebensunterhalt durch Klauenschneiden, wobei er auf einem Kleinmotorrad durch die Orte auf der Schwäbischen Alb von Hof zu Hof fuhr. Hier ergaben sich manche Gelegenheiten, die Bauern immer wieder auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise hinzuweisen.

Im Jahr 1954 gelang es der Familie, ein kleines landwirtschaftliches Anwesen in Gengenbach bei Offenburg zu erwerben. Damit war eine wesentliche Erweiterung der praktischen und ideellen Arbeit verbunden. Neben den Landwirten kamen viele Hausgärtnergruppen hinzu, sodass sich das Arbeitsgebiet bald auf den ganzen Oberrhein und das Elsass erstreckte.

Dabei suchten immer wieder schwere Schicksalsschläge die Familie heim. In dieser Zeit starben zwei ihrer Kinder, der kleine Bauernhof brannte fast vollständig ab, wurde aber mit eiserner Energie wieder aufgebaut.

Die vielfältigen Initiativen führten erstmals 1964 zu einer Herbsttagung in Gengenbach, die von über 600 Teilnehmern besucht wurde. Es zeigte sich bald, dass für diese Veranstaltungen die Räume in Gengenbach nicht mehr ausreichten, sodass ab 1977 die ganz großen Herbsttagungen in der Oberrheinhalle in Offenburg mit oft über 1.500 Teilnehmern und bekannten Rednern abgehalten wurden. In der ganzen biologisch-dynamischen Bewegung war dies ein einmaliger Vorgang!

Die schriftstellerische Tätigkeit führte bereits 1954 dazu, dass Hitschfeld Mitherausgeber der Zeitschrift „Naturgemäßer Land- und Gartenbau“ wurde. Hinzu kamen fortlaufende Beiträge in der Zeitschrift „Die Kommenden“. Es entstanden auch Bücher wie „Hilferuf der Erde“ oder „Naturgemäße Schädlingsabwehr“. Immer wieder griff er die Idee des „Gärtnerhofes“ auf, eine Vorstellung, die sich allerdings nur an wenigen Orten realisieren ließ.

Aus dem Initiativkreis der Hausgärtner entstand 1972 der eingetragene Verein „Arbeitsgemeinschaft für naturgemäßen Land-, Obst- und Gartenbau“ in Offenburg, dem er bis zum Abschluss seiner Tätigkeit 1990 als Vorstand (später Ehrenvorsitzender) angehörte. Die stetige Mitarbeit im „Demeter-Bund“ sowie im „Forschungsring für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise“ rundete seine Lebensarbeit ab. Am 28. Juni 1993 starb er in Gengenbach.

Krafft v. Heynitz


Werke: Naturgemäße Schädlingsabwehr, Büdingen 1960, Schopfheim ²1977;
Dauerfruchtbarkeit und Gesundheit im Land- und Gartenbau, Büdingen 1960,
Schopfheim ²1977; Die Rolle des Rindes in der Landwirtschaft, o. A.; Der
Hilferuf der Erde an die Menschen, Schaffhausen 1987; Paradies. Die private
biologische Versuchsanstalt von Dipl.-Landwirt Heinz Erven, Schopfheim ²1979;
Die Schaffung landwirtschaftlich-gärtnerischer Nebenerwerbsstellen, o. O.
1984; zahlreiche Beiträge in LE, weitere in Dbl, DM, Grb, K, Naturgemäßer
Land- und Gartenbau.
Literatur: Hagemann, E.: Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr. Steiners,
o. O. 1970; Wistinghausen, A. v.: Erinnerungen an den Anfang, Darmstadt
1982; Buchleitner, K.: Oswald Hitschfeld 85 Jahre, in: K 1989, Nr. 6;
Schaumann, W.: Oswald Hitschfeld zum Gedenken, in: LE 1993, Nr. 5;
Gißler, L.: Oswald Hitschfeld, in: Noa 1993, Nr. 10; Koepf, H. u. von Plato,
B.: Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise im 20. Jahrhundert,
Dornach 2001.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

Copyright: Text und Bild sind urheberrechtlich geschützt. Reproduktion in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung der Forschungsstelle Kulturimpuls, Dornach
© Forschungsstelle Kulturimpuls – Biographien Dokumentation – www.kulturimpuls.org