Marie Hirter-Weber
Hirter-Weber, Marie Susanne
geb.: Schürch

Mäzenin.

*15.01.1854 Bern (Schweiz)
†16.07.1946 Beatenberg (Schweiz)



Marie Hirter-Weber, eine kleine, gedrungene, tatkräftige Frau, trug mit ihren großzügigen Spenden als Mäzenin Wesentliches für die Bauten, aber auch für die Arbeit der anthroposophischen Bewegung bei. Sie war Mitglied des Goetheanum-Bauvereins. Mit Lucie Bürgi-Bandi und Marie Schieb gehörte sie zu den drei Pionieren, die mit der Geschichte der anthroposophischen Bewegung in der Schweiz verbunden sind.

Als Tochter eines Försters kam Marie Schürch am 15. Januar 1854 in Bern zur Welt. Neben dem Forstbetrieb hatte der Vater ein kleines Heimwesen, in dem Marie schon von Kindesbeinen an mithalf. Als die Familie nach Fraubrunnen übersiedelte, besuchte sie – was für diese Zeit außergewöhnlich war – die Sekundarschule. Um sich sprachlich weiterzubilden, ging sie ein Jahr nach Cortaillod. Es folgten längere Aufenthalte in England und Deutschland, bis sie wieder in die Schweiz zurückkehrte und in Bern eine Stelle als Sekretärin annahm.

Dort lernte sie ihren ersten Mann kennen, der dort das Bahnhofsbuffet betrieb, und heiratete ihn einige Zeit später. Im Jahre 1891 starb er an den Folgen eines Unfalls, sodass sie den gesamten Betrieb alleine weiterführen musste. Neun Jahre lang leitete Marie Weber den Betrieb erfolgreich, nebenbei organisierte sie Schülerspeisungen und richtete eine Verpflegung für Bedürftige ein. Für viele war sie darüber hinaus eine geschätzte Ratgeberin.

Mit 46 Jahren zog sich Marie Weber aus dem anstrengenden Restaurantbetrieb zurück, der sie beinahe Tag und Nacht in Anspruch genommen hatte, um sich weiterzubilden. Musik und Philosophie waren die Interessengebiete, denen sie sich zunächst zuwandte. 1902 heiratete sie den verwitweten Johann Daniel Hirter, mit dessen Frau sie befreundet gewesen war. Johann Daniel Hirter gehörte damals zu den markantesten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in der Schweiz. Er war Gründer einer Kohlegesellschaft, Präsident der Kantonalbank, Begründer und Leiter der Schweizer Nationalbank sowie Präsident der Berner Alpenbahn und anderer Eisenbahngesellschaften.

Für Marie Hirter-Weber begann mit dieser Verbindung ein gänzlich neuer Lebensabschnitt. Selbst kinderlos, hatte sie nun eine Familie mit fünf Kindern zu versorgen. Hinzu kam die Begegnung mit der Anthroposophie, die sie über eine Freundin kennen lernte. Marie Steiner schrieb: „Es war das Wort Dr. Steiners, es war die Art seines Denkens und Eindringens in die Geheimnisse des Kosmos, es war seine Verkündung der esoterischen Tiefen des Christentums, die sogleich ihre Seele ergriffen [...]. Frau Hirters schaffensfreudige, ins praktische Leben ordnend und helfend eingreifende Art fühlte sich angesprochen [...]. Die Anthroposophische Gesellschaft kann derjenige, der die ersten Dezennien ihrer Entwicklung in der Schweiz miterlebt hat, ohne Frau Hirter sich nicht vorstellen. Sie durchzieht ihr Werden als eine markante Gestalt, als eine Persönlichkeit, die sich – und dadurch den andern – immer treu geblieben ist.“

Marie Hirter-Weber wurde 1906 Mitglied der Theososphischen Gesellschaft und begann bald sich initiativ für die Entwicklung der Bewegung in Bern einzusetzen. 1907 gründete sie mit zehn weiteren Mitgliedern den Johannes-Zweig Bern, der in ihrem Hause tagte.

Als die Pläne für den Münchner Zentralbau scheiterten, stellte Marie Hirter-Weber zusammen mit dem Ehepaar Grosheintz, Alfred Gysi und Marie Schieb das Gelände auf dem Dornacher Hügel als Bauland zur Verfügung. Rudolf Steiner berief sie in den Vorstand des 1913 gegründeten Johannesbauvereins, der später in „Verein des Goetheanum der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft“ umbenannt wurde und die wirtschaftlichen und rechtlichen Belange des ersten Goetheanum-Baus verantwortete.

Als 1919 die Dreigliederungsbewegung entstand, versuchten Hirters die Impulse in Bern bekannt zu machen. Für die Bauten spendeten sie immer wieder größere Summen. Es wird berichtet, dass Marie Hirter-Weber während des Ersten Weltkriegs, als die finanziellen Mittel so knapp wurden, dass ein Baustopp drohte, eine Million Schweizer Franken zur Verfügung gestellt habe.

Nach dem Tode ihres Mannes, der 1926 starb, kam Marie Hirter-Weber 1929 mit ihrer Stieftochter nach Dornach, um näher am anthroposophischen Leben teilnehmen zu können. 1939 zog sie sich nach Beatenberg zurück und bot, als der Krieg begann, Marie Steiner und dem Nachlass Rudolf Steiners ihr Chalet als sichereren Zufluchtsort an. So lebte sie bis zu ihrem Tode am 16. Juli 1946 mit Marie Steiner in einer Hausgemeinschaft.

Jakob Streit/Christiane Haid


Literatur: Steiner, M.: Marie Hirter-Weber, in: N 1946, Nr. 30; Heller-Hirter, B.: Marie Hirter-Weber, in: N 1946, Nr. 33; Groddeck, M.: Frau Hirter-Weber, Marie, in: Bef 1946, Nr. 3; Groddeck 1980; Wiesberger, H.: Marie Hirter-Weber, in: BGA 1980/81, Nr. 71/72; Grob, R.: Zur Geschichte des Johannes-Zweiges, Bern, Bern 1990; Streit, J., Haid, C.: Hirter-Weber, Marie, in: Ggw 2002, Nr. 1.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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