Ernst Hagemann
Hagemann, Ernst

Landschaftsgestalter.

*07.02.1899 Lüneburg (Deutschland)
†28.02.1978 Öschelbronn (Deutschland)



Ernst Hagemann studierte Landwirtschaft, Botanik und Zoologie und schloss sein Studium mit der Promotion ab. Geboren als Sohn eines Beamten, suchte er nach kurzer Militärzeit seinen Weg zum gesicherten Leben. Der Vortrag eines Mitstudenten, Johannes Hemleben, über den Ätherleib legte zunächst nur einen Keim für zukünftige Aufgaben. Er arbeitete 1921/22 als Assistent am Botanischen Institut der Universität Göttingen, danach strebte er die Beamtenlaufbahn an. Daneben bestimmten aktive politische Arbeit und Eheschließung sein Handeln.

Durch die Begegnung mit Hermann Poppelbaum in Hamburg wurde er 1933 Mitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Kurz nach der Machtergreifung Hitlers wurde Ernst Hagemann wegen politischer Unzuverlässigkeit aus dem Staatsdienst entlassen. Im 35. Lebensjahr – arbeitslos – begegnete er auf einer Gartenbautagung in Worpswede Guenther Wachsmuth und Max Karl Schwarz. Wachsmuth legte ihm nahe, die Gesetze des Lebendigen zu erarbeiten und die Elementarwesen in den Pflanzen und durch die Pflanzen kennen zu lernen. Hagemann ergriff die Initiative, sich in diese Fragen einzuarbeiten und konnte seine Fähigkeiten bald in Landwirtschaft und Gartenbau einbringen. Ein intensives Studium des gesamten Lebenswerkes Rudolf Steiners begann. Alle Hinweise auf die Elementarwesen, auf die Evolution der Erde und zum „Wesen des Lebendigen“ hat er gesammelt. 1942 wird er der Leiter der Forschungsschule für Landschaftsgestaltung in Trier. Ein ministerieller Erlass „mit allerhöchster Dringlichkeitsstufe“ verschaffte Hagemann Ansehen und Einfluss: Er sollte die alte Maginot-Linie in Landschaft zurückverwandeln.

Nach dem Krieg (1946) wurde Hagemann Stadtgartendirektor von Lübeck. Jetzt konnte er sich offen für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise einsetzen. Er begründete eine Verbraucherinitiative, um den biologisch-dynamischen Hof Springe zu fördern. Seit 1951 war Hagemann der Leiter der anthroposophischen Arbeitsgruppe in Lübeck. Schon 1946 erschien seine Arbeit „Bodenmüdigkeit, Pflanzensoziologie, Landschaftsgestaltung“. Neben seiner Berufsarbeit wird er viel begehrter Vortragsredner und Kursleiter zu den Themen Landschaftskunde, Meteorologie, Elementarwesenlehre und Äthergeographie. Bei den Zuhörern versuchte er, ein spirituelles Verständnis für lebendige Prozesse zu erwecken. Bis 1963 hielt er regelmäßig Kurse „zur Pflege des Lebendigen“.

1963 erscheint die erste Auflage „Vom Wesen des Lebendigen als eine Sammlung von Studienmaterial für selbstständig arbeitende Schüler Rudolf Steiners“. Es folgten rasch hintereinander vier Auflagen dieses Werkes. Nach seiner Pensionierung geht er zunächst nach Tübingen. Hier setzte er das große kompilatorische Werk fort mit den Bänden: „Himmelskunde“, „Weltenäther – Elementarwesen – Naturreiche“, „Vom Wesen des Musikalischen“ und „Sphärenwirken im Kosmos und auf der Erde“. Daneben erarbeitete er im Auftrag des Rudolf Steiner Fonds für wissenschaftliche Forschung eine Bibliographie der Schüler Dr. Steiners. In der ganzen Zeit bestand eine enge Zusammenarbeit mit Walter Wolman und Rudolf Kreutzer. Er publizierte seine Arbeiten, die sich alle auf das Lebendige beziehen, in verschiedenen Zeitschriften. 1974 zog er nach Öschelbronn, um sich am Aufbau des neu entstehenden „Zentrums für Lebensgestaltung im Alter“, das von Conrad Schachenmann gegründet wurde, zu beteiligen. Auch hier ging seine Arbeit mit Kursen und Vorträgen aktiv weiter. Humorvoll wurde er von vielen Menschen „auf zwei Beinen wandelnde Zyklen-Bibliothek“ genannt. Hagemann wurde mehr und mehr zum Gärtner des Wachstums innerer Kräfte im Menschen, bei sich selbst und bei seinen Schülern.

Eine langsam fortschreitende Zunahme von Knochenmetastasen zwang ihn zuletzt auf das Krankenlager. Hier wurde er von seiner Frau umsorgt und gepflegt, bis ihn eine Lungenentzündung vom Leib befreite. Jetzt kann er dem „Wesen des Lebendigen“, das er ein Leben lang gesucht hatte, selbst begegnen.

Elke E. von Laue


Werke: Bodenmüdigkeit, Pflanzensoziologie, Landschaftsgestaltung, Lübeck 1946; Bioklimatischer Atlas von Schleswig-Holstein, Lübeck 1948; Die Ätherklimabereiche in Mitteleuropa, Stuttgart 1949; Der schöpferische Organismus einer Vortragsgemeinschaft, Lübeck 1950; Gedanken zur Evolution der Naturreiche, Lübeck 1955, Stuttgart ²[1957]; Noch einmal – Gedanken zur Evolution der Naturreiche, Lübeck 1958; Vom Wesen des Lebendigen, Lübeck 1963, Tübingen 1970 (4. Aufl.); Vom Wesen und Wirken des Stickstoffs in der Natur, o. O. 1964; Astrometeorologie, Dornach 1965; Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr. Steiners, o. O. 1970; Weltenäther-Elementarwesen-Naturreiche, Freiburg/Br. 1973, Schaffhausen ³1987; Sphärenwirken im Kosmos und auf der Erde, Freiburg/Br. 1976, ²1977; Himmelskunde, Freiburg/Br. 1972, ³1980; Vom Wesen des Musikalischen, Freiburg/Br. 1974, ²1975; Übersetzung ins Englische erschienen, Beiträge in BeH, DD, G, Gartenkunst, LE, MaD, N, RRM und We.
Literatur: Laue, H. B. von: Ernst Hagemann, in: MaD 1978, Nr. 125; Thiersch, H.: Erinnerung an Dr. Ernst Hagemann, in: MaB 1978, Nr. 65; Schaumann, W.: Nachruf Dr. Ernst Hagemann, in: LE 1978, Nr. 3.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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