Maria Krück-Kunert
Krück-Kunert, Maria Theodora Josepha
geb.: Fischer von Poturzyn
Pseudonym/Varianten: Theodora Maria Josepha Krück von Poturzyn

Schriftstellerin, Heilpädagogin.

*08.10.1896 Wilten bei Innsbruck (damals Österreich-Ungarn)
†07.01.1968 Stuttgart (Deutschland)





M. J. Krück von Poturzyn verfasste eine Reihe historischer Romane von literarischem Rang und schrieb für mehrere anthroposophische Zeitschriften. Ihrer Initiative ist das Buch „Wir erlebten Rudolf Steiner“ zu verdanken.

Theodora Maria Josepha Krück von Poturzyn wurde als Tochter des österreichischen Kaiserjäger-Offiziers von Fischer am 8. Oktober 1896 in Wilten bei Innsbruck geboren. Sie wuchs mit einem Bruder auf und erhielt bis zum 12. Lebensjahr Privatunterricht. Ihre Kindheit verlebte sie in Meran und Bregenz. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges besuchte sie zwei Jahre lang Internate in Belgien und England. Dann kehrte sie nach Österreich zurück und begann 1916 in Heidelberg Nationalökonomie zu studieren. Unmittelbar nach Kriegsende ging sie nach Österreich und arbeitete als Sozialpflegerin für das Land Vorarlberg. Nach einiger Zeit gab sie diese Stellung jedoch auf, um in Leipzig ihr Studium fortsetzen zu können. Dort lernte sie Rudolf Steiner und die Anthroposophie kennen. Während des Studiums arbeitete sie nebenbei als Sekretärin mit Albert Reps zusammen und begegnete in dessen Freundeskreis dem Musikwissenschaftler Ernst Kunert, den sie bald darauf heiratete. Im Jahre 1923 wurde ihr Sohn geboren. Das Kind war schwer krank. Maria Kunert reiste im Sommer 1924 nach Dornach, um Rudolf Steiners Rat einzuholen. Das Kind gehörte zu den im Heilpädagogischen Kurs (GA 317) besprochenen Fallbeispielen. Im Jahre 1924 starb Ernst Kunert überraschend an einem Herzleiden und Anfang des Jahres 1925 auch der Sohn. In ihrem letzten Werk „Aufbruch der Kinder 1924“ schildert sie die Entstehung der heilpädagogischen Bewegung, bei der ihr Sohn Wilfried Immanuel geistig Pate gestanden hatte, und blickt aus der Perspektive des Alters auf die Ereignisse dieser Zeit zurück.

Mit der Veröffentlichung einer historischen Biografie über Kaiser Joseph II. begann M. J. Krück von Poturzyn im Jahre 1932 ihre schriftstellerische Laufbahn. Noch vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges folgte ein Werk über Garibaldi, später ein Roman über Jeanne d’Arc; ein historisches Werk über die Templer sowie ein Buch über die Reformationszeit entstanden in den darauf folgenden Jahrzehnten. Wilhelm Kelber schreibt in einer Rezension: „Frau Krück von Poturzyns historische Bücher sind eine Kategorie für sich. Sie sind keine geschichtlichen Romane und gehören auch nicht zu den wissenschaftlichen Biographien, die wir gewohnt sind. Sie bilden eine Überhöhung von beiden Arten von Büchern. Bis in die Einzelheiten sind die berichteten Dinge durch ein umfassendes getreues Studium der historischen Dokumente gestützt und belegbar; nichts ist dazu getan, nichts beschönigend unterschlagen.“ (Kelber 1965, S. 58)

Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit setzte sie sich intensiv für die heilpädagogische Bewegung ein. 1945 unterrichtete sie kurze Zeit in Eckwälden und war Ende der 40er-Jahre in Camphill (Schottland) und später an der Waldorfschule in Wynstones, England tätig, dann als Dozentin an verschiedenen Seminaren, besonders für das Fach Geschichte.

Sie hatte die Fähigkeit, sich die Herzen vieler Menschen spontan zu erobern: „Und wie ging sie auf Menschen zu! Sie blieb nicht beim Äußerlichen stehen, sondern ergriff des Anderen Wesen. Was ihr von Herzen kam, sprach zum Herz des Anderen; nicht nur in fröhlicher Leichtigkeit, die uns am Wiener erheitert, sondern aus tiefem Geistesernst.“ (Fiechter 1968, S. 65) Ihr vertrauenserweckendes Zuhören ließ sie an vielen Schicksalen teilnehmen, was sich nicht selten auch literarisch niederschlug.

Zu Elisabeth Vreede und Willem Zeylmans van Emmichoven, dessen Buch über den Grundstein sie übersetzte, pflegte sie eine nahe Freundschaft. Noch während des Krieges hatte M. J. Krück von Poturzyn die Idee, ein Buch zusammenzustellen, das Rudolf Steiner im Spiegel seiner Schüler zeigen sollte. Erst 16 Jahre später konnte sie diesen Plan realisieren. In „Wir erlebten Rudolf Steiner“ wurden unschätzbare Erinnerungen und persönliche Erfahrungen mit Rudolf Steiner vor dem Vergessen bewahrt.

Auf sozialem Felde engagierte sie sich über Jahre in der „Freundeshilfe“ für die anthroposophische Arbeit in Israel und wirkte bei einem Hilfswerk für Vietnamkinder mit. Zudem setzte sie sich für die Gründung des ersten Altersheims der Christengemeinschaft, Haus Hohenstein in Murrhardt, ein. Am 7. Januar 1968 starb Theodora Maria Josepha Krück von Poturzyn in Stuttgart.

Christiane Haid


Werke: Kaiser Joseph der Deutsche, Stuttgart 1933; Antonius und der Grieche,
Stuttgart 1935; Maria Theresia, Hamburg 1936; Die Frauen Heinrichs VIII.,
Hamburg 1937; Garibaldi, Stuttgart 1941, ²1964; Ich kann nicht mehr zweifeln
(E), Freiburg i. Br. 1946; als Herausgeberin: Wir erlebten Rudolf Steiner,
Stuttgart 1956,(6)1980; Diese jungen Menschen (E), Stuttgart 1958; Jeanne
d’Arc. Die Sendung des Mädchens, Stuttgart 1961, 62000; Der Prozeß gegen
die Templer, Stuttgart 1963, ²1982; Aufbruch der Kinder 1924, Stuttgart 1968,
Bingenheim ²1986; Hier stehe ich, Stuttgart 1980; Im Brennpunkt der
Geschichte, Bd. I/II, Stuttgart 1983/1984; Beiträge in Sammelwerken;
Übersetzungen ins Englische, Italienische, Spanische und Niederländische
erschienen; zahlreiche Beiträge in CH, weitere BfA, BeH, DD, EK, K, LE, SbK,
WNA.
Literatur: Kelber, W.: Maria J. Krück von Poturzyn: Garibaldi, in: MaD 1965,
Nr. 71; Stuttgarter Initiativkreis: Theodora M. J. Krück von Poturzyn 70 Jahre
alt, in: MaD 1966, Nr. 78; Knottenbelt, E., Götte, F. und Grone, J. v.,
Fiechter, S. C.: Theodora M. J. Krück von Poturzyn, in: MaD 1968, Nr. 83;
Wistinghausen, K. v.: Maria J. Krück von Poturzyn, in: CH 1968, Nr. 2; Bock,
E.: Aus den Briefen von Maria J. Krück von Poturzyn, in: CH 1968, Nr. 3;
Lauer, H. E.: Nachruf, in: BfA 1968, Nr. 2; Hagemann, E.: Bibliographie der
Arbeiten der Schüler Dr. Steiners, o. O. 1970; Schöffler 1987, S. 382.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

Copyright: Text und Bild sind urheberrechtlich geschützt. Reproduktion in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung der Forschungsstelle Kulturimpuls, Dornach
© Forschungsstelle Kulturimpuls – Biographien Dokumentation – www.kulturimpuls.org