Beppe Assenza
Assenza, Beppe Rosario Giuseppe

Maler.

*19.03.1905 Modica, Sizilien (Italien)
†23.09.1985 Dornach (Schweiz)





Die Bedeutung des Werkes von Beppe Assenza liegt ebenso in den zahlreichen Gemälden, die er hinterlassen hat, wie in den differenzierten und systematischen methodischen Anregungen, die von einer großen Schülerschaft aufgegriffen worden sind und an vielen Schulen sowie in einzelnen Kursen weltweit als inspirierende Grundlage des Malunterrichtes dienen.

Rosario Giuseppe Assenza, so sein Taufname, wuchs mit sieben kleineren Geschwistern in dem kleinen Ort Modica im Süden Siziliens auf. Von seinem Vater, Giorgio, der Maler und Stuckateur war, erlernte er schon in jungen Jahren kunsthandwerkliche Fähigkeiten und den sachgerechten und sensiblen Umgang mit Materialien. Der Gesang der Mutter, Angelina, geb. Spadaro,   veranlagte in ihm eine tiefe Neigung zur Musik. – Seit seinem 14. Lebensjahr erhielt Assenza eine konsequente malerische Unterweisung von seinem Onkel Orazio Spadaro, dem Priester des Ortes, der ihm zugleich aus tief religiösem Empfinden die Kulturgeschichte nahe brachte.

Mit 18 Jahren verließ Assenza den Unterricht seines Onkels auf dessen Anraten und siedelte nach Mailand über. Er erwarb sich seinen Lebensunterhalt durch das Anfertigen von Porträts in den Wirtshäusern der Stadt. Mit einer Ausstellung in der Galerie Borgonuova erlangte er 1925 erstmals öffentliche Anerkennung. Inzwischen auch in seiner Heimat bekannt, kehrte Assenza bald darauf in den Süden Italiens zurück. Er verkehrte in Catania in einem Kreis von Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern, zu denen auch Baron Saverrio Polara zählte. Assenza verdankte den Gesprächen mit ihm zahlreiche Anregungen. Im Jahr 1928 erhielt Assenza den Auftrag, die Präfektur in Syrakus auszumalen. Es entstehen farbenreich-bewegte Bilder mit mythologischen Gestalten. 1932 erhielt er Aufträge zur Ausmalung zweier Kirchen in Syrakus und Ispica. Die religiösen Bilder – Geburt und Kreuzigung, Himmelfahrt Mariens – sind im klassischen Formenkanon der Renaissancekunst gemalt. Er stellte 1932 auf der Mostra Internazionale d’Arte Sacra aus.

Da er aber auf diesem Weg, der an die Tradition anknüpfte, nicht weitergehen wollte, verließ Assenza kurz darauf Italien und begab sich auf Studienreisen nach Frankreich und Deutschland, um den Impressionismus und Expressionismus zu studieren. Er verbrachte einige Zeit in dem schwäbischen Ort Ellwangen, wo er mit dem Malerpoeten Karl Stirner zusammenarbeitete. 1936 nahm er mit großem Erfolg an der Esposizione der XX. Biennale di Venezia teil. 1937 kehrte er nach Italien zurück und ließ sich in Rom nieder.

Obwohl Assenza zu dieser Zeit als einer der namhaftesten Porträtmaler Italiens bekannt war – er sollte die dänische Königin porträtieren und auch Mussolini, was er aber ablehnte – und in den verschiedenen Kunstrichtungen eine große Könnerschaft entwickelt hatte, befand er sich in einer tiefen Schaffenskrise. Er suchte einen neuen Ansatz für die Malerei. Es ist bezeichnend für ihn, dass er im Geistesleben Antworten auf seine existenziellen Fragen fand. Goethes „Faust“ zeigte ihm ein verwandtes seelisches Ringen und in diese Zeit fiel auch seine erste Begegnung mit der Anthroposophie. Der Ingenieur und Maler Gino Magri empfahl ihm das Buch eines anthroposophischen Kunstwissenschaftlers: „Die neue Renaissance als Kunst des Ich“ von Arturo Onofri. Er konnte Onofri, der kurz vorher verstorben war, nicht mehr kennen lernen, begann aber in den nächsten Jahren ein intensives Studium des Buches „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ von Rudolf Steiner. Damit einhergehend löste er sich von seinem bis dahin gepflegten Malstil und begann noch einmal von vorne. In den Jahren des Krieges 1939–42 malte er – Assenza wurde auf den Einberufungslisten nicht geführt – Farbstudien, die den Keim zu allem weiteren Schaffen bildeten: „Meine jetzige Kunst ist das Ergebnis eines Verzichtes auf ein durch Jahrzehnte erworbenes Können zugunsten einer Bildgestaltung, die sich aus dem Farbenerleben ergibt.“ (Zitiert nach Witzenmann 1978, S. 126)

Er heiratete 1940 Bianca Emanuele und beide pflegten in einem größeren Freundeskreis, zu dem auch Elena Zuccoli und Annie Heuser zählten, ein anthroposophisches Leben. 1948 lernte Assenza in Rom Albert Steffen kennen, den er porträtierte und mit dem ihn seither eine verehrende Freundschaft verband. Die Krankheit seiner Frau führte ihn 1956 nach Arlesheim. Nach ihrem Tod entschloss er sich, dort zu bleiben. Er heiratete 1961 Gerta Hörstel und hatte mit ihr zusammen drei Kinder. 1969 wurde Assenza, der bis dahin eine private Malschule leitete, eingeladen, diese als Malschule am Goetheanum weiterzuführen. Innerhalb kurzer Zeit entstand eine viel besuchte Kunstschule. Zu seinem anthroposophischen Künstler- und Freundeskreis zählten insbesondere Raoul Ratnowsky und Herbert Witzenmann. Mit ihm zusammen arbeitete Assenza in seinen letzten Lebensjahren an einem Schulungsbuch, das die Grundlagen seiner Malmethode darstellen sollte. Witzenmann hatte zuvor schon den Text zu Assenzas Kunstmonographie verfasst. Das Schulungsbuch sollte eine künstlerisch-meditative Einführung in das Farberleben und Formgestalten umfassen. Es wurde nicht fertig gestellt. Assenza verstarb in seinem achtzigsten Lebensjahr, als im Goetheanum eine Jubiläumsausstellung seiner Werke eröffnet wurde.

Jost Schieren


Werke: Text und Aphorismen, in: Witzenmann, H.: Beppe Assenza, Stuttgart
1978, ²1985.
Literatur : Witzenmann, H.: Musiker und Dramatiker der Farbe. Der Maler
Beppe Assenza, in: DD 1977, Nr. 9; Steffen, A.: Reisetagebuch, Dornach
1978; Witzenmann, H.: Beppe Assenza, Dornach 1978, ²1985; Mahle, T.:
Beppe Assenza, in: NAA 1980, Nr. Summer; Heisterkamp, J.: Beppe Assenza.
Zum 80. Geburtstag, in: DD 1985, Nr. 3; Witzenmann, H.: Zum Tod des
Malers Beppe Assenza, in: Kor 1985, Nr. 2; ders.: „Die Farben! Welche
Farben!“ Zum Tod von Beppe Assenza, in: DD 1985, Nr. 11; Assenza, G.:
Beppe Assenza, in: N 1985, Nr. 49; dies: Aus dem Lebensbuch des Malers,
Hermann, H.: Eine Atelier-Begegnung, Hiebel, F.: Im Gedenken an Beppe
Assenza, Ratnowsky, E.: Begegnung mit seinem Werk, in: G 1985, Nr. 49;
Schieren, J.: Im Gedenken an Beppe Assenza, in: Bwe 1990, Nr. 94.




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