Henni Henny Henriette Geck
Geck, Henni Henny Henriette Bertha
Pseudonym/Varianten: Henny

Malerin.

*02.04.1884 Altena/Westfalen (Deutschland)
†18.03.1951 Dornach (Schweiz)



Aus der Frage Henni Gecks an Rudolf Steiner nach einer Ausbildung und Schulung in der Malerei entstand ihr Lebensauftrag: ein malerischer Übungs- und Schulungsweg.

Zur Osterzeit wird Henni Geck als jüngstes von fünf Geschwistern in eine Industriellenfamilie geboren. Früh verliert sie die Mutter und auch zwei Geschwister. Als junges Mädchen geht sie nach Berlin zum Studium an der Akademie für bildende Künste. Mit einer Freundin besucht sie neben ihrem Studium Vorträge Rudolf Steiners und verbindet sich immer mehr mit der Geisteswissenschaft. 1906 wird sie als Studentin Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Sie nahm an der Ausgestaltung des „Kunstzimmers“ in Berlin teil. Bei den Uraufführungen der Mysteriendramen 1912/13 in München finden wir sie auf der Bühne als Elementarwesen. Sie hilft, die ersten rhythmischen Bewegungsgestalten der luziferischen und ahrimanischen Wesen darzustellen. Wohl aus dieser Zusammenarbeit fragt Rudolf Steiner, ob sie mit nach Dornach zum Aufbau des Goetheanum kommen wolle.

Während sieben Jahren schnitzt Henni Geck an den verschiedenen Kapitälen. Sie wird von Rudolf Steiner ins Hochatelier berufen, um mit Edith Maryon die Holzplastik vorzubereiten. Zu gegebener Zeit wird ihr, der Stillen und Strengen, die Schnitzarbeit des Weltenhumors übergeben. Eigenständig und mit geübter Hand wird das Flügelwesen aus dem harten Ulmenholz herausplastiziert. Kein korrigierendes Eisen hat mehr die ausdrucksstarke Gestaltung berührt. Später wirkt sie am zweiten Goetheanumbau mit, sie war an der Unterbringung der Holzplastik im Bau beteiligt. Der Entwurf für die Fenstergestaltung der Ostfläche stammt von ihr.

Das Suchen, Nachspüren und Finden einer neuen Formensprache hat im Goetheanumbau Ausdruck gefunden, ein neues inneres Empfinden an dieser Formensprache wird in Henni Geck das akademisch Erlernte während dieser langen Jahre zu einem feinsinnigen, künstlerischen Erleben umgeschmolzen haben. Keinen Pinsel rührt sie in dieser ganzen Zeit an. Da wird Henni Geck von Mitarbeitern um einen Malkurs gebeten. Sie sagt zu. In den ersten Stunden werden freie Farbübungen versucht. Unbefriedigt über diese Versuche bittet sie Rudolf Steiner um Rat und fragt nach einem Ausbildungsgang für die Malerei – nach einer Schulungsmöglichkeit, der akademischen vergleichbar, aber aus der Anthroposophie intendiert. Henni Geck hat nicht ihr eigenes Künstlertum im Auge, sie erfragt eine Zukunftsbildung für andere. Mit ihrer Frage beginnt die Arbeit am 1. Juni 1921. Als Antwort nimmt Rudolf Steiner ein Stück Packpapier und skizziert mit Kreide: „Versuchen Sie es doch einmal so.“ Während zwei Jahren folgen in loser Reihe 23 Pastellskizzen und fünf Aquarelle aus der Hand Rudolf Steiners, die Henni Geck sofort mit ihren Malschülern in Aquarell umsetzt. Das Atelier liegt in der Schreinerei und es wird mit den Schülern gemalt. Meisterin und Schülerin zugleich, arbeitet sie die Skizzenangaben zum Teil zu großformatigen Eurythmieplakaten aus. Die Malerin spricht von Bild-Keimen und arbeitet unermüdlich, diszipliniert und treu an der Entwicklung und Vertiefung der einzelnen Wegstufen. Fähigkeiten werden Schritt um Schritt erworben, die zur Entfaltung und Gestaltung dieser Keime führen. Tief leuchtende Aquarelle entstehen, dicht in ihrer Aussagekraft.

Die Veränderungen und Zäsuren nach dem Tod Rudolf Steiners betreffen auch Henni Geck. Die Pastellskizzen, die ihr anvertraute Arbeitsgrundlage, werden 1929 aus ihrem Atelier geholt. Nie hat Henni Geck die Skizzenfolge als ihr persönliches Eigentum gehandhabt, sie sah sich als Treuhänderin. Die stille Malerin zieht sich zurück. Mit einem väterlichen Erbe baut sie sich ein Haus am Oberen Zielweg in Dornach. Sie nennt es Farbentor. Darin stehen zwei große Räume für sie, die Schüler und für Ausstellungen zur Verfügung.

In der Kunsthalle Bern können 1931 Bilder ausgestellt werden. Auch in Basler Galerien sind sie zu finden. Es gibt Anerkennung, doch das Echo ist leise. Der Menschenkreis um Henni Geck ist klein, alle helfen ihr, die finanziell enge Lage der Kriegszeit und der Jahre danach zu meistern. Ernst Marti aus Basel ist einer der lebenslangen Förderer und Helfer. Im Juni des Jahres 1950 wird auf Betreiben des jungen Walther Roggenkamp noch einmal ein Malkurs eingerichtet. Aber schon bald bricht die Arbeit ab, da Henni Geck nach einem Sturz viele Wochen im Dornacher Spital verbringen muss. Ganz überraschend stirbt sie zu Anfang der Osterwoche des folgenden Jahres.

Heute ist das Atelierhaus für die Sektion der bildenden Künste am Goetheanum eingerichtet. Der Bildernachlass wurde als „Stiftung-Henni-Geck-Nachlass“ mithilfe einiger Freunde in die Humanusstiftung Basel eingebracht. Die Aquarelle werden heute, so wie die Pastellskizzen, am Goetheanum betreut und auch ausgestellt.

Katrin Hofmann-Hurter


Literatur: Hauck, H.: Autobiographische Skizze, in: MPK 1950, Nr. 1; M. K.:
Dornacher Erinnerung, in: N 1951, Nr. 17; Marti, E.: Henni Geck, in: MaD 1951,
Nr. 16; Knetsch, K.: Nachruf für Henni Geck, in: BfA 1951, Nr. 4; Billing, F.:
Die Motivskizzen von Rudolf Steiner, Dornach 1961; Anonym, Das malerische
Werk von Henni Geck, Dornach o. J.; Gerbert, H.: Ausstellung des malerischen
Werkes von Henni Geck, in: N 1966, Nr. 44; Bosshardt, C.: Über die Malarbeit
am Goetheanum bei Henni Geck, in: MaD 1966, Nr. 75; Marti, E.: Ausstellung
Henni Geck im Rudolf Steiner-Haus in Stuttgart, Stuttgart 1967; Hermann, H.:
Zur Ausstellung Henni Geck im Goetheanum, in: N 1973, Nr 43; Raske, H.:
Zu Rudolf Steiners Skizzen, in: N 1973, Nr. 43 und Nr. 44; Lienhard, H.:
Henni Geck - Ausstellung im Goetheanum, in: MaD 1974, Nr. 107;
Roggenkamp, W.: Schulungsweg und Kunstschaffen – die Malerin Henni
Geck, ders.: Aufruf zur Gründung von Archiv und Studienstätte Henni Geck-
Nachlaß, in: Stl 1979/80, Nr. 3; Wagner, G., Koch, E.: Entwicklungsschritte
im Leben und Werk, in: Wagner, G.: Die Kunst der Farbe, Stuttgart 1980;
Steiner, R.: Ein malerischer Schulungsweg, Dornach 1986; Schöffler 1987;
Roggenkamp, W.: Henni Geck, malerisches Gestalten aus Bildkeimen, Rapp,
D.: Mal-Meditationen. Eine Aufgabenstellung durch Rudolf Steiner, K.
Hofmann, Zu den Aquarellen von Henni Geck, in: DD 1989, Nr. 7/8.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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