Luna Drexler
Drexler, Luna Amalia

Bildhauerin.

*19.11.1882 Lemberg (damals Österreich-Ungarn)
†05.11.1933 Lwów (Lemberg) (Polen)

Amalie Luna Drexler war die Initiatorin der Begründung der Anthroposophischen Gesellschaft 1929 in Polen.

Ihre Mutter hieß Eugenia, der Vater Ignacy Drexler war Kaufmann von Beruf und künstlerisch veranlagt. Sie hatte sieben Geschwister, der älteste Bruder war Professor an der Technischen Hochschule und Stadtplaner.

Schon als Kind zeigte Luna eine musikalische Begabung und war gut im Zeichnen, mit 17 begann ihr Interesse an der Bildhauerei. Sie hatte im Malen und in der Bildhauerei Unterricht bei berühmten Künstlern in Lemberg. 1907 reiste sie nach Paris, wo sie bei Emile Bourdelle, Pastellmaler und Bildhauer, studierte. 1910-13 studierte sie in München.

Mit der Anthroposophie wurde sie wahrscheinlich durch Edouard Schuré bekannt. Schon früh fuhr sie von Paris zu den Vorträgen Rudolf Steiners und zu den Aufführungen von Schuré. Später konnte sie die vier Mysteriendramen erleben. Nach Aussagen älterer Anthroposophen soll der Name Luna in den Dramen von ihrem Namen kommen. Sie studierte Eurythmie und fuhr zu Steiners Vorträgen in verschiedene europäische Städte. Als im Herbst 1913 der Bau des Goetheanum begann, zog sie mit anderen Künstlern von München nach Dornach und leitete dort Bildhauerarbeiten, insbesondere die Schnitzarbeit an den Säulenkapitellen. Während des Ersten Weltkrieges fuhr sie einige Male für kurze Zeit nach Polen.

Seit 1918 lebte sie in Lemberg, wo sie sich künstlerisch betätigte. 1918 war sie eine von neun Frauen, die in den Lemberger Stadtrat für die Zeit von 1918-27 gewählt wurden. Sie arbeitete in Schul- und Kunstausschüssen, später gründete sie den Verein Polnischer Künstlerinnen. Die Nachricht vom Brand des ersten Goetheanum war für sie ein schweres Erlebnis.

Luna Drexler hielt Vorträge in anthroposophischen Kreisen und arbeitete an der Gründung von Zweigen in Lemberg, Krakau, Wilna und Warschau mit. Am 29. Dezember 1923 schickte sie ein Grußtelegramm anlässlich der Gründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach. 1924, nach Verständigung mit Rudolf Steiner, wurde sie Generalsekretär der Polnischen Landesgesellschaft. Nachdem sie vom Tode Steiners erfahren hatte, fuhr sie nach Dornach, um an seiner Beerdigung teilzunehmen. Nach der Rückkehr arbeitete sie weiter an der Entwicklung der Anthroposophie in Polen. In verschiedenen Städten veranstaltete sie Vorlesungen und Kurse, lud Referenten aus Dornach ein. Mit Zweigmitgliedern nahm sie 1926 und 1927 an Tagungen in Danzig teil. Die Anthroposophische Gesellschaft wurde am 18. Oktober 1929 in das Vereinsregister eingetragen. Vom 23.-29. Oktober 1929 fand die Gründungsversammlung in Warschau statt, zu der Marie Steiner mit der Eurythmiegruppe aus Dornach eingeladen wurde und diese im Theater „Ateneum“ durch zwei Aufführungen präsentierte (26.-27.10.) Luna Drexler hielt den Eröffnungsvortrag über die Arbeit in Polen, außerdem gab es Vorträge von ausländischen Gästen: Günther Wachsmuth, Roman Boos, Curt Englert. Von der polnischen Seite traten Stanislaw Colonna-Walewski auf, der über das Leben von Rudolf Steiner sprach, sowie Maria Jaworska, die auf das polnische Schulwesen einging.

Im August 1931 organisierte Luna Drexler einen Kurs für Grundschullehrer in Kartuzy. Pädagogische Vorträge hielt Karl Ege, Lehrer an der Waldorfschule in Stuttgart, Luna Drexler sprach über Kunst und erteilte Unterricht im Malen, Asta Blumfeldt aus Dornach unterrichtete Eurythmie.

Luna Drexler starb am 5. November 1933 nach vielen schweren Krankheiten.

Maria Ziemska


Literatur: Steiner, M.: Luna Drexler, in: N 1933, Nr. 47; Vacano, H. v.: Luna
Drexler, in: N 1933, Nr. 48; Plato, B. v. [Hrsg.]: Anthroposophie im 20.
Jahrhundert, Dornach 2003.




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