Jonael Schickler
Schickler, Jonael

*26.05.1976 Dornach (Schweiz)
†10.05.2002 London (Grossbritannien)



Jonael Schickler sagte manchmal, er fühle sich wie ein Engel, der auf die Erde heruntergekommen ist. Er starb früh bei einem Zugunglück.

In seiner Dissertation „Metaphysics as Christology. An Odyssey of the Self from Kant and Hegel to Steiner“ suchte er eine Brücke zu bauen zwischen dem intellektuell-philosophischen Klima der Jetztzeit – am Queens College in Cambridge, wo er Politologie, Sozialwissenschaften und Philosophie studierte – und seinen existentiellen Fragen, die in der Anthroposophie Wesen und methodischen Grund suchten.

Jonael Schicklers Vater und Mutter waren Eurythmisten, er wurde in Dornach geboren und wuchs mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Johannes nach einem Jahr auf Alonissos (Griechenland) in Südengland mit seinem jüngeren Bruder auf. In Forest Row besuchte er den Kindergarten und die Michael Hall-Schule bis zur zehnten Klasse. Er war ein begabtes, aber schwer zu bändigendes Kind. Nach zwei Jahren in Sevenoaks bis zum B.A. fuhr er nach Indien und Nepal, wo er eine buddhistische Meditationstechnik erübte. Verwandelt, ernst und engagiert kehrte er zurück. Als ob er wusste, dass ihm nicht viel Zeit blieb, achtete er stets sorgfältig darauf, seine Zeit klug zu nutzen und jede unnötige Ablenkung zu vermeiden.

Neben seinem Studium in Cambridge arbeitete er mit Obdachlosen, studierte nach dem Abschluß ein Jahr lang Hegel in Berlin und kehrte nach Cambridge zurück, um zu promovieren.

Seiner leidenschaftlichen, lebendigen Art ein Gespräch zu führen, vermochte sich kaum jemand zu entziehen. In Fragen der Kunst oder Mathematik, der Philosophie, der Religion oder des Alltags kam er immer mit neuen Möglichkeiten, die Dinge zu betrachten. Um ihm zuzuhören, musste man die Bereitschaft mitbringen und sich der Anstrengung unterziehen, sein gewohntes, passives Denken aufzugeben. Sein Geist bewegte und verknüpfte die Ideen so schnell, dass seine Freunde zuweilen Mühe hatten, zu verstehen und seinen Gedankenfluss zu Ende zu verfolgen. Aber das Echo seiner Worte blieb und manchmal kam es zurück und enthüllte ihren Sinn, den man zum Zeitpunkt des Gesprächs nicht ganz hatte begreifen können. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Denkungsart waren seine Lebens- und Gesprächspartner.

Seine Füße schienen kein großes Gewicht zu tragen, wenn er durch den Botanischen Garten in Cambridge ging. Mehr als einmal sagte er: „Wenn die Menschen nur wüssten, was es bedeutet, wenn sie ‚Ich’ sagen.“

Caterina Rossi Cairo


Werke : Death and Life in Modern Thinking, in: Gbl 2001; Metaphysics and Christology: an Odyssey of the Self from Kant and Hegel to Rudolf Steiner, Cambridge 2002.




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