Rose Pütz-Nelsen
Pütz-Nelsen, Rose Maria
geb.: Nelsen

Kunsttherapeutin, Kunstdozentin.

*13.10.1913 Mönchengladbach (Deutschland)
†03.06.2002 Ottersberg (Deutschland)





Geboren noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Mönchengladbach, hat Rose Maria Nelsen nach einer sozialpädagogischen Ausbildung im Jahre 1937 den Bildhauer und Werklehrer Siegfried Pütz geheiratet. An seiner Seite überstand sie den Zweiten Weltkrieg, mit ihm zog sie drei Töchter groß. Die Biografie dieser beiden Menschen lässt sich kaum getrennt voneinander betrachten. Was sie getan haben, haben sie zusammen getan. So hat Rose Maria Pütz als Malerin, Waldorflehrerin, Kunsttherapeutin, Forscherin, Dozentin und Hochschulleiterin mit ihrem Mann 42 Jahre lang bis zu dessen Tod im Jahre 1979 zusammengearbeitet – und in gewisser Weise vielleicht auch noch über diesen Tod hinaus. Denn sie hat in den ihr noch verbliebenen Jahren das Werk ihres Mannes in Wort und Tat am Leben erhalten und fortgeführt.

Ein gutes Drittel ihres langen Lebens hat Rose Maria Pütz der Vorbereitung und Entwicklung der „Hochschule für das soziale Wirken der Kunst“ gewidmet, die unter dem Namen „Freie Kunststudienstätte“ und später als „Fachhochschule Ottersberg“ bundesweit und längst auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden ist.

Für die staatliche Anerkennung der Fachhochschule im Jahre 1984 hat sie wie eine Löwin gekämpft. Diese in Deutschland neben der Fachhochschule für Kunsttherapie in Nürtingen bisher einmalige Einrichtung für ein grundständiges Studium der Kunsttherapie ist ihr und ihres Mannes Lebenswerk.

All ihre Kräfte und all ihr geistiges Potenzial haben die Eheleute in die Umsetzung eines Projektes investiert, für das sie auch in anthroposophischen Kreisen in der Startphase kaum Unterstützung fanden. Für die Idee, die pädagogischen und therapeutischen Wirkensmöglichkeiten der Kunst freizusetzen und hierfür eine berufsqualifizierende Ausbildung zu schaffen, gab es in den 60er-Jahren noch wenig Verständnis. Diese Idee war aber kein bloßes Abstraktum. Denn Rose Maria und Siegfried Pütz hatten sich in ihrer sechsjährigen künstlerischen Arbeit mit jugendlichen Arbeitern in einem Wuppertaler Industriebetrieb praktisch von der Menschen verwandelnden und therapeutisch wirksamen Kraft der Kunst überzeugen können.

„Kunst für und mit Menschen“, so lautete der schlichte und zugleich anspruchsvolle Leitspruch, der nicht nur die Schulgründer beflügelte, sondern vor allem auch die mittlerweile gegen 2000 Kunsttherapeuten, die das Studium an der Ottersberger Fachhochschule absolvierten.

Rose Maria Pütz war eine Gründerpersönlichkeit und Unternehmerin mit allem, was dazugehört: Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen, Kämpfergeist, Enthusiasmus, und sie war vor allem mit der Fähigkeit begabt, andere zu motivieren. Sie forderte und forderte heraus. Und indem sie den solcherart Aufgeforderten mehr zutraute, als diese sich je selbst hätten zumuten wollen, ermöglichte sie das Unmögliche. Sie vertraute und baute auf das Können eines Menschen und sorgte dafür, dass es sich in die Tat umsetzen konnte. Dieses ungemein erfolgreiche pädagogische Geschick war vielleicht das Bedeutendste, was sie aus der anthroposophischen Menschenkunde herausgeholt hatte.

Ein besonderes Vermächtnis der Kunsttherapeutin Rose Maria Pütz bleibt das von ihr entwickelte Malen mit hoch verdünnten Farben und die daraus abgeleiteten maltherapeutischen Verfahren. Sie hat sie nicht nur über viele Jahre gelehrt, sondern auch in zwei Buchpublikationen dargestellt. Im Unterschied zu mehr psychotherapeutisch orientierten Ansätzen der Maltherapie arbeiten diese Verfahren mit der anthroposophischen Medizin vergleichbaren Wirkungen, die bis in die organischen Prozesse des Menschen hineinreichen.

Nachdem sie sich zu Beginn der 90er-Jahre altershalber aus dem Hochschulbetrieb zurückgezogen hatte, verfolgte sie die Weiterentwicklung der Fachhochschule mit großem Interesse. Eines ihrer letzten großen Projekte war die Herausgabe der Zeitschrift „Evolution“, eine Schriftenreihe für Kunst, Kunsttherapie und Kunstpädagogik, die sie über mehrere Jahre hin praktisch allein redigiert und vertrieben hat.

Es gehört zu den besonderen Leistungen von Rose Maria und Siegfried Pütz, Anthroposophie als einen Impuls freigesetzt zu haben, der keine anthroposophische Kunst erzeugt, sondern der in die Freiheit des schöpferischen Tuns hinein leitet, der allerdings zugleich die Aufmerksamkeit wachruft und wach hält für das, was durch die Kunst im und am Menschen und vor allen Dingen zwischen den Menschen geschieht.

Soweit es ihr unermüdliches Engagement für die Anerkennung und Etablierung der Kunsttherapie zuließ, widmete sich Rose Maria Pütz dem Schreiben. Und in der Tiefe ihres Herzens lebte zweifelsohne der Wunsch, als Schriftstellerin zu arbeiten. So muss ihr Lebenswerk im Dienste der Kunsttherapie auch vor dem Hintergrund eines sicher nicht geringfügigen Verzichtes gesehen werden. Im Laufe der Jahre entstanden Erzählungen, Romane, Dramen, Hörspiele und viele Gedichte. Weniges davon ist publiziert, so etwa der Erfahrungsbericht von der kunsttherapeutischen Arbeit in der Industrie, der 1968 in Basel unter dem Titel „Die auf der Schattenseite stehen“ erschien, oder der 1981 in Oldenburg herausgekommene Erzählband „David/Ruth Frommleben“, der jüdische Schicksale während und nach den Jahren der Verfolgung schildert. Einen Bildband zum künstlerischen Lebenswerk ihres Mannes mit Aufzeichnungen aus Briefen und Tagebüchern gab sie im Jahre 1990 heraus.

Peer de Smit


Werke: David/Ruth Frommleben (E), Oldenburg 1981; Kunsttherapie. Eine Alternative zur Regeneration des Menschen, Bielefeld 1981; Die auf der Schattenseite stehen, Basel 1968, Krefeld ²1976; als Herausgeberin: Siegfried Pütz. Sein Schaffen, Bielefeld 1990; Farbmeditation, Bielefeld 1991; Farbtherapie – der Kunsttherapeut und sein Partner, in: Bind, R. [Hrsg.]: Wissenschaft, Kunst, Religion, Dornach 1998; Beiträge in MaB, Msch, NVK.
Literatur: Gessner, W.: Besuch bei der Freien Kunststudienstätte, in: MaD 1968, Nr. 86; Thiersch, H.: Aus der Arbeit der Vereinigung der Rudolf Steiner-Arbeits- und -Studienstätten, in: N 1967, Nr. 28; Krüger, M.: Rose-Maria Pütz 75 Jahre, in: N 1988, Nr. 42; Rapp, D.: Rose Maria Pütz. 75. Geburtstag, in: DD 1988, Nr. 11.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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