Hans Brasch
Brasch, Hans

Maler.

*02.04.1882 Karlsruhe (Deutschland)
†13.05.1973 Murrhardt (Deutschland)





Ein Goethewort charakterisiert die künstle-rischen Bemühungen Hans Braschs am besten: „Durch das Anschauen einer immer schaffenden Natur machen wir uns würdig zur geistigen Teilnahme an ihren Produkti-onen“.

Hans Brasch hat durch ein lebenslanges, selbstloses Üben an der Natur sich würdig gemacht, ihr Wesen zu erfahren und ihren Geheimnissen nahe zu kommen. Seine Fra-ge war nie: wie fasse ich dies oder jenes intuitiv auf oder wie kann ich es „interes-sant“ gestalten, sondern er fragte stets: wie muss ich arbeiten, dass sich das Wesen einer Landschaft, eines Baumes oder des Menschen ausspricht?

Dies war ein Grundzug im Leben Hans Braschs, dem er in einem 91 Jahre währen-den Künstlerleben mit strengster Selbstdis-ziplin treu blieb und von dem aus man sei-nen Entwicklungsgang verstehen lernt

Hans Brasch wurde 1882 in Karlsruhe gebo-ren im Hause eines Mannes, der sowohl von der handwerklichen wie von der künstleri-schen Seite her ein Maler war: Der Vater, Johannes Brasch, führte ein großes, renom-miertes Dekorations- und Malergeschäft, war Bühnenmaler am Karlsruher Theater und ein guter Kunstmaler. Der einzige Sohn Hans (neben drei Schwestern) sollte das Geschäft übernehmen und bekam die ent-sprechende Ausbildung zunächst auf der Realschule, dann als Lehrling im Malerge-schäft und anschließend auf der Kunstge-werbeschule. Obwohl der junge Brasch dem freien Künstlertum zustrebte und sehr gegen den Willen des strengen Vaters ankämpfte, erwarb er sich doch durch diese Lehrzeit ein gediegenes handwerkliches Können, gute Materialkenntnisse und sichere Beherr-schung von Techniken der Wand- und Bildmalerei, die ihm in seinem späteren Leben zur Verfügung standen und die Aus-führung großer Wandmalereien gestatteten.

Nach diesen Lehrjahren setzte er gegen den Willen des Vaters sein Studium an der Kunstakademie Karlsruhe fort, deren Direk-tor damals Hans Thoma war. Vier Jahre studierte er unter Ludwig Schmitt-Reutte und anderen bedeutenden Lehrern, danach war er noch weitere vier Jahre Meisterschü-ler bei Hans Thoma selbst.

Diese lange und gründliche Ausbildungszeit rundete er durch intensives Studium der alten Meister ab, von denen er viele trefflich kopierte, um die verschiedenen Maltechni-ken zu studieren. Eine kurze, aber äußerst intensive Arbeit bei Ferdinand Hodler, mit dem zusammen er im Gebirge arbeitete, sowie mehrere Monate in Paris, schlossen seine Studienzeit ab. Nach einigen Arbeits-jahren in Mannheim und am Bodensee ließ er sich 1913 in Frankfurt am Main als freier Künstler nieder. Brasch war zu der Zeit schon ein gesuchter Portraitist und aner-kannter Künstler.

Der Erste Weltkrieg unterbrach diesen Ent-wicklungsgang, Brasch stand während der ganzen Dauer des Krieges im Feld. Nach dem Krieg fand sich der Künstler vor dem Nichts, innerlich und äußerlich. In dieser Notzeit kam ein weiterer charakteristischer Zug seines Wesens zum Ausdruck: Brasch war Künstler und ließ sich auch durch äuße-re Not nicht von seinem Weg abbringen

Damals lernte er die Goethesche Farbenleh-re und die Anthroposophie kennen, von denen er entscheidende Impulse für seine weitere künstlerische Entwicklung erhielt. Der Erwerb eines uralten Bauernhauses im Schwarzwald ermöglichte ihm das Studium der Goetheschen Farbenlehre an der leben-digen Natur. Durch intensive Beobachtung und Fleiß schulte er sich die Organe zum Erfassen der Natur und ihres atmosphäri-schen Lebens.

Zu dieser Zeit wurde ihm klar, dass das lebendige Weben der Natur in ihrer Reinheit und Fülle nicht durch die Ölfarbe darzustel-len ist. So wandte er sich von der Ölmalerei ab, studierte die verschiedensten Techniken auf ihre Eignung zur Darstellung dessen, was er an der Goetheschen Farbenlehre, an den Taten und Leiden des Lichtes, am Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwi-schen Licht und Materie und dem Entstehen der Farben erlebte. In der Wasserfarbe fand er das geeignete Medium, das für seine künstlerischen Forderungen transparent genug war. Das Aquarell bietet die Mög-lichkeit, über das rein Formale hinaus den ganzen Reichtum der Atmosphäre und ihrer Stimmungen zu erfassen, zumal wenn es dem Künstler gelingt, das Aquarell vom Skizzenhaften und dem kleinen Format zu befreien und zum vollgültigen Gemälde durchzuarbeiten.

Brasch ging im Verlauf dieser Studien ganz zum Japanpapier über, welches malerische Feinheiten erlaubt, die sonst nicht darzustel-len sind. Diese Technik erfordert große Konzentration, da auf Japanpapier mit A-quarellfarbe keinerlei Korrekturen möglich sind. Die Komposition großer Gemälde auf Japanpapier stellt an den Künstler hohe Anforderungen, da ein solches Gemälde in einem Zug durchgeführt werden muss, was eine Beherrschung der Technik und Farbge-bung bis in die letzten Feinheiten voraus-setzt. Dafür musste ein unablässiges Üben des Auges und der Hand das Leben des Künstlers bestimmen. Er selbst äußerte sich über seine Arbeitsweise mit folgenden Wor-ten: „Die Bedeutung des innersten Wesens der Farben ist mir durch das Studium der Goetheschen Farbenlehre bewusst gewor-den. Nicht als eine nur ästhetische Außen-seite, sondern als ein Offenbarwerden des Wesenskerns aller Erscheinungen im farbi-gen Abglanz. Das bedingt ein von Grund auf neues Verhältnis zu den Naturgegeben-heiten. Es wurde mein Streben, diese nicht nur scharf und klar zu beobachten, sondern in sie selbst einzudringen, mich in den Zu-stand der Gesteinswelt zu versetzen, in dem ewig bewegten Wasser zu leben, in dem Luftigen, dem Wärme- und Lichthaften ganz aufzugehen. Und durch die Kenntnisse dieser elementarischen Reiche dann auch die Welt der Pflanzen, der Tiere und schließlich des Menschen tiefer zu verste-hen. Mein Bemühen war es, in allen Er-scheinungen die darin verborgenen schöpfe-rischen Kräfte zu finden. Dazu ist die Was-serfarbe das so viel beweglichere reinere Malmaterial, das zur schonungslosen Klar-heit zwingt.“ (Autobiographie, unveröff.)

Brasch verlor sich aber keineswegs im Zar-ten, Fließenden, wie es nach einer Betrach-tung nur einiger Aquarelle scheinen könnte. Die Gestaltung großer Wandflächen in echter Freskotechnik oder anderer zweck-gemäßer Techniken war ihm eine Selbstver-ständlichkeit. Im letzten Frankfurter Jahr und nach seiner Übersiedlung nach Stuttgart im Jahr 1930 bis zum Zweiten Weltkrieg entstanden viele große Wandgemälde und Glasfenster in öffentlichen Gebäuden. Sol-che großflächigen Arbeiten liebte Brasch besonders, zumal technische Schwierigkei-ten dabei für ihn nicht existierten, da er die Wandflächenbearbeitung ja schon als Lehr-bub im väterlichen Geschäft hatte lernen müssen. Mancher gelernte Maurermeister hat Braschs Technik des Grundputzes für Freskomalerei und die Ausführung bewun-dert.

Hans Brasch nahm an allem Kunstleben intensiven Anteil, besonders widmete er sich den Belangen des Stuttgarter Kunstle-bens. Viele Jahre war er Mitglied im Vor-stand des Stuttgarter Kunstvereins und in der Jury, ebenso im Vorstand des Verban-des bildender Künstler, in dem er sich der sozialen Belange der Künstler annahm und beispielsweise entscheidend an Fragen der Altersversorgung für Künstler mitarbeitete.

Brasch durfte immer wieder große Ausstel-lungen seiner Werke im In- und Ausland erleben. Wenn einer seiner Kritiker einmal von seinen Ausstellungen als von einer „heilen Welt“ sprach, so formulierte er damit einen weiteren Charakterzug, an dem Brasch selbst bis in sein hohes Alter unab-lässig arbeitete: er kämpfte und rang immer um das Wesen der Dinge und ruhte nicht, bis er ihr urbildliches Ganzes erfasst hatte, sei es in einem Portrait, in einer Landschaft, einem Baum oder in der Arbeit eines Kolle-gen. Er gestattete sich niemals eine Kritik an einer anderen künstlerischen Arbeit, sondern vertiefte sich in das Wollen des Künstlers, bis er ihn verstand; er gestattete sich nie ein nur „ähnliches“ Portrait, er suchte in Farbgebung und Gestaltung das Wesen der Persönlichkeit zu erfassen; eine Landschaft war ihm nicht „Motiv“, sondern Ausdruck der verschiedenen Elemente und ihres Zusammenspiels. So beschäftigten ihn die Erscheinungen der Elemente: wie ver-schieden das Licht auf Kalkstein, auf Gra-nit, auf Glimmerschiefer, im Süden auf einem See, im Norden auf einem Baum spielt, wie das Licht durch die Materie des Wassers, der Luft verändert wird, wie das Blau zustande kommt oder wie dieselbe Blautönung durch Wasser oder Luft verän-dert wird oder wie die Tiefe des Raumes durch die Tönungen der Luft darzustellen ist.

So erkämpfte er sich durch oft wochenlan-ges geduldiges Üben am gleichen Ort oder Thema einen Zugang zu dessen Wesen und Charakter. Dies befähigte Brasch zu den vielen lebensgroßen Portraits in der glei-chen diffizilen Maltechnik auf Japanpapier. Besonders viele Kinderbilder stammen von seiner Hand.

Hans Brasch starb 1973 mit 91 Jahren in Murrhardt, wo er die letzten Lebensjahre in einem Altersheim verbrachte.

Helga Brasch-Schwenk


Literatur: Götte, F., Grone, J. v.: Hans Brasch zum 70. Geburtstag, in: MaD 1952, Nr. 19; Schöttle, K. G.: Dem Maler Hans Brasch zum 70. Geburtstag, in: MaD 1952, Nr. 20; Bessenich, J.: Zum 70. Geburtstag des Malers Hans Brasch, in: G 1952, Nr. 12; Bühler, P.: Über die Michaeli-Tagung, in: N 1952, Nr. 44; Durach, F.: Für den Maler Hans Brasch, in: N 1957, Nr. 42; Der Initiativkreis in Stuttgart: Hans Brasch zum 80. Geburtstag, in: MaD 1962, Nr. 59; Durach, F.: Ein Aquarell für den Maler Hans Brasch, in: N 1962, Nr. 13; Poppelbaum, H.: Zum achtzigsten Geburtstag des Malers Hans Brasch, in: G 1962, Nr. 13; Bessenich, J., Schweigler, E.: Ausstellungsankündigung, in: N 1962, Nr. 15; Weißert, E.: Hans Brasch zum 90. Geburtstag, in: MaD 1972, Nr. 99; Gräbner, L.: Zum 90. Geburtstag von Hans Brasch, in: N 1972, Nr. 14; Reuschle, F. M.: Zum 90. Geburtstag des Malers Hans Brasch, in: CH 1972, Nr. 4; Schühle, E.: Hans Brasch, Emmy Brasch, in: MaD 1973, Nr. 105; Reuschle, F. M.: Dem Maler Hans Brasch zum Gedenken, in: N 1973, Nr. 30; Kurz notiert, in: MaD 1983, Nr. 143.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

Copyright: Text und Bild sind urheberrechtlich geschützt. Reproduktion in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung der Forschungsstelle Kulturimpuls, Dornach
© Forschungsstelle Kulturimpuls – Biographien Dokumentation – www.kulturimpuls.org