Christian Isbert
Isbert, Christian

Lebensberater, Graphologe, Astrologe, Übersetzer.

*08.04.1929 Berlin (Deutschland)
†05.01.1986 Unterlengenhardt (Deutschland)



Als er zur Welt kam, war er ein auffallend schönes Kind, ruhig hinhörend auf alles, was ihn umgab. In einem geistig regen Elternhaus wuchs er auf, besuchte die Berliner Waldorfschule, wo er ?Ernst Weißert und Lotte Ahr als Lehrer erlebte. 1937 erkrankte Christian Isbert an Kinderlähmung. In seinem achten Jahr begannen sich allmählich, bis ins zehnte Jahr gravierender und mit jedem Wachstumsschub deutlicher, die Folgen der Kinderlähmung zu zeigen: Verkrümmung der Wirbelsäule und Beeinträchtigung innerer Organe.

Als sein Vater nach dem Studium der Agrarwissenschaften, Jura und osteuropäischer Geschichte einen Ruf an das „Institut für Auslandsbeziehungen” in Stuttgart bekam, zog die inzwischen vierköpfige Familie 1939 nach Stuttgart um. Die Waldorfschule war im Vorjahr geschlossen worden, so kam Christian Isbert ins Eberhard-Ludwig-Gymnasium. Nach 1945 besuchte er dann die wiedereröffnete Waldorfschule Uhlandshöhe. In dieser Klassengemeinschaft, zusammen mit Michael Blume, Jochen Bockemühl, Wilfried Hammacher, Mathias Karutz, Siegfried Rudel, um nur stellvertretend einige Namen zu nennen, empfing er reichhaltige Anregungen. Durch seine Behinderung konnte er nur den Hauptunterricht besuchen. Der besonderen Fürsorge von Felicia Schwebsch war es zu verdanken, dass er auch in den anderen Fächern den Anschluss behielt und 1948 das Abitur ablegen konnte. Neben alledem hatte er Klavierunterricht und erreichte dank seiner Begabung ein hohes Niveau.

Das anvisierte Medizinstudium konnte Christian Isbert nicht verwirklichen. Er wurde aber auf einem Feld tätig, das ihm mindestens ebenso viele Möglichkeiten des Helfens bot: dem des Nachhilfeunterrichts. Englisch, Mathematik, Physik und Latein waren seine Fächer. Seine Schüler erlebten und bewunderten in ihm einen nicht nur kompetenten, sondern auch weisheitsvollen Helfer und Berater. Trotz der Vielfalt der Anforderungen neben gelegentlichen Übersetzungs- und Lektoratstätigkeiten begab sich Christian Isbert noch auf ein anderes Gebiet. Er absolvierte eine Graphologieausbildung, später kam noch Astrologie hinzu. Er erstellte für viele Firmen graphologische Gutachten, die ihm finanziell eine größere Bewegungsfreiheit ermöglichten. Immer geistig rege und wach, blieb er auch dabei nicht stehen. 1974 übernahm er für die schülerfreien Vormittage Buchhaltungsarbeiten in der Firma Martin Sandkühler/Verlagsauslieferungen. In den Pausen ergaben sich vielseitige Gespräche mit den Mitarbeitern. Seine große Bildung und Klugheit gab ihnen weit gespannte Dimensionen. Man erlebte ihn immer ruhig, aufmerksam, intensiv zuhörend. Die Zornesausbrüche seiner Kindheit waren in aktiven Helferwillen verwandelt, der ihn in diesen Jahren noch im Vorstand des Trägervereins der Karl-Schubert-Behindertenwerkstätten als deren „anthroposophisches Gewissen“ mitarbeiten ließ. – Als die Firma Sandkühler Ende 1982 schließen musste, wurde Christian Isbert noch in der „Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten” tätig.

Ein Aspekt seines Wesens verdient besondere Erwähnung: Aus seinem großen Freundeskreis hatten ihn etliche Familien als Paten für ihre Kinder gebeten. So, wie sich seine ganze weit gespannte Tätigkeit vorwiegend auf die Förderung der heranwachsenden Menschen eingespielt hatte, so kulminierte sie in diesem ganz privaten Bereich zu schönster Blüte. Seine großen Fähigkeiten des verstehenden Zuhörens, des wohlwollenden, mit feinem Humor durchzogenen Beratens begleiteten seine Patenkinder. Er war stets bereit zum klärenden Gespräch, stets wachend über die Geschicke der ihm Anvertrauten und spendete seine Gaben wie ein König – ein König des Herzens, der in der Nacht zum Dreikönigstag dann in ein höheres Wächteramt berufen wurde.

Martin Sandkühler


Werke: als Übersetzer: Wyatt, I.: Von der Artusrunde zum Gralsschloß, Stuttgart 1987; Beitrag in EK.
Literatur: Trieb, G.: Nachhilfe – Lebenshilfe. Zum Tod von Christian Isbert, in: RWh 1986, Nr. 89; Sandkühler, M.: Christian Isbert, in: MaD 1987, Nr. 159.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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