Wilhelm Fabricius
Fabricius, Wilhelm

Holzhauer- und Oberforstmeister, Dendrologe.

*08.05.1894 Freiburg/Br. (Deutschland)
†06.05.1989 Eberbach (Deutschland)



Wilhelm Fabricius leitete den Weinheimer Zweig der Anthroposophischen Gesellschaft. Er hatte die Gabe, Menschen zu führen, ohne autoritär oder dogmatisch zu sein.

Sein Vater machte als junger Archäologe von sich reden, als er zu einer Ausgrabung von Istanbul nach Bagdad zu Pferde ritt. Von ihm hatte Wilhelm die große Pferdeliebe, die ihn durchs ganze Leben begleitete. Mit zehn Jahren bekam er die ersten Reitstunden und verdiente sich das Geld für ein eigenes Pferd im Zoo. In beiden Weltkriegen hatte er mit Pferden zu tun: in einem Jägerregiment als Ausbilder junger Pferde, aber auch als Holzbeschaffer in russischen und polnischen Wäldern. Dies schuf, da er bei menschlichen Kontakten nie zwischen Freund und Feind unterschied, positive Verbindungen zur Bevölkerung, abseits der Kriegshandlungen, und bewirkte, dass er bei seiner Truppe kaum Verluste hatte.

Nach dem Studium der Forstwissenschaft in Leipzig und Freiburg 1920-24 kam er als Forstassessor ans staatliche Forstamt Weinheim, später wurde er dessen Leiter. Zum Amtsantritt ritt er nach Weinheim und tat seinen Dienst im Revier fortan zu Pferde.

1927 heiratete er die Pfadfinderführerin Anna Schweickhardt, mit der er bis zu ihrem Tod ein durch gemeinsame Interessen erfülltes Leben führte.

Die zehn Monate seiner Gefangenschaft bei den Amerikanern nach dem Zweiten Krieg betrachtete er als eine der wichtigsten Perioden in seinem Leben. Tagsüber ritzte er in einer selbst entwickelten Technik Tierbilder auf hölzerne Teebüchsen. Später erschienen diese Zeichnungen in seinen Büchern und wurden posthum zu seinem 100. Geburtstag ausgestellt.

Offen und wissbegierig, gab er neben der Leitung des anthroposophischen Zweiges in Weinheim in der Christengemeinschaft Kurse zu vielfältigen Themen und suchte auch mit anderen Gruppen das Gespräch. Er war auch Stadtrat.

Als Naturschutzbeauftragter führte er Menschen aus der ganzen Welt durch den von ihm gepflegten Weinheimer Exotenwald. Täuschend echt konnte er Tier- und Vogelstimmen nachahmen und mit seinem Humor die Führungen bereichern.

Er ritt bis zu seinem 88. Lebensjahr, war stets gesund und hatte ein hochentwickeltes Selbstbewusstsein.

Margarete Sandkühler


Werke: Wild und Wildlinge, Potsdam 1927; Erfahrungen mit ausländischen Holzarten, Weinheim 1931; Ritterliche Waffenspiele, Stuttgart 1935; Die Exotenwälder bei Weinheim, Sonderdruck, in: Mitt. Dt. Dendrolog. Ges. 1937, Nr. 49; Die Ausgestaltung der Gräflich v. Berckheim’schen Exotenbestände, in: Allg. Forst- u. Jagdztg. 1942, Nr. 5; Zustands- u. Erfahrungsbericht über ausländische Holzarten im Forstbezirk Weinheim, in: Mitt. Dt. Dendrolog. Ges., 1950, Nr. 56; Führer durch den Exotenwald, Weinheim, 1954; Wunder zwischen Wald und Wasser, Speyer 1956, 21982; Wiederanbau von durch die Eiszeiten bei uns vernichteten Holzarten, Mitt. Dt. Dendrolog. Ges., 1961, Nr. 62; Die Einweihungen des Odysseus, Bauschlott 1962; Die Rappenreiter, Stuttgart 1970; Syneidesis, in: Esoterik u. Wissensch. 1971, Nr. 37/38; Der Alte Forstmeister erzählt, Weinheim 1975, 41978; Der Page und das Paradies, Stuttgart 1976; Geister und Abergeister, Löhrbach 1978, 21981; Des Alten Forstmeisters Holzbilderbuch, Weinheim 1978; Wasser, Düsseldorf 1979; Reiter und Pan, Stuttgart 1982; Die Liebe Gottes, Löhrbach 1985; Christlicher Schlaftrunk, Hilden 1988; Das Einhorn. Adventslegenden, Bauschlott 1989.
Literatur: autobiografische Notiz in: Fabricius, W.: Die Rappenreiter, Stuttgart 1970; Rohlfs, A.: Elementare Natur, in: CH 1977, Nr. 3; h. wi.: Forstmann Fabricius reitet den Pegasus, in: Weinheimer Nachr. 1979, Nr. 299; Noe, E.: Wilhelm Fabricius, der alte Forstmeister, Düsseldorf o.J.




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