Violetta Plincke
Plincke, Violetta Elsa

Waldorflehrerin,   Dozentin.

*17.06.1883 St. Petersburg (Russland)
†07.01.1968 London (Grossbritannien)







Violetta Plincke trug durch ihre Vortragstätigkeit zur Verbreitung der Waldorfpädagogik in England bei.

In St. Petersburg wuchs sie als Tochter eines englischen Architekten am Zarenhof und einer Baltendeutschen dreisprachig auf. Dort studierte sie zunächst Kunstgeschichte und Geschichte. 1912 nahm sie in Freiburg i. Br. das Studium der Philosophie auf. Einen Kommilitonen, Lutz Kricheldorff, später der erste Darsteller des Ahriman in den Mysteriendramen, fragte sie unverblümt, ob er ihr als gebildeter Deutscher etwas über Rudolf Steiner sagen könnte, von dem sie bereits in Russland und Finnland flüchtig gehört hatte. Er war Mitglied der Theosophischen Gesellschaft und lieh ihr einige der Grundschriften Rudolf Steiners. Kricheldorff nahm Violetta Plincke 1913 zu den Münchner Aufführungen der Mysteriendramen Rudolf Steiners mit, kurz darauf heirateten sie. Die Ehe hielt jedoch nur wenige Jahre. Ihr weiteres Studium setzte sie in Berlin fort und hörte dort Steiners öffentliche Vorträge im Architektenhaus (GA 52–67), bei denen sie die sprachschöpferische Kraft des Vortragenden beeindruckte, die ihr besonders für ihre eigenen späteren Vorträge in England innere Orientierung und Anregung gab.

Während des Ersten Weltkrieges verdiente sie sich ihren Unterhalt durch Mitarbeit in einem Kinderkrankenhaus. Als ihr Rudolf Meyer eine Tätigkeit beim „Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft“ vermittelte, an das später auch Hermann Beckh verpflichtet wurde, siedelte sie nach Kiel über. Aus diesem sich bald vergrößernden Freundeskreis ging die erste Arbeitsgruppe Kieler Anthroposophen hervor.

Durch die Hochschulkurse (GA 322) Michaeli 1920 in Dornach angeregt, fragte sie Rudolf Steiner, wie sie sich für die Anthroposophie einsetzen könne. Er bat sie um ihre Mitarbeit als Lehrerin für die Erste Klasse der neuen Stuttgarter Waldorfschule. 1923 übernahm sie die Aufgabe, die Waldorfpädagogik in der Schule von Miss Cross in Kings Langley/England einzuführen.

Sie blieb in England und nahm eine Vortrags- und Reisetätigkeit auf, die sie allmählich, wie Cecil Alfred Harwood anerkennend in seinem Nachruf hervorhob, „[...] zu einem der bestbekannten und beliebtesten aller Mitglieder machte [...]“ (Harwood 1968).

Vielleicht ihr größtes Engagement galt der Arbeit mit der Workers Educational Association (W. E. A.), einer Arbeiterbildungsgemeinschaft in den Industriestädten, durch die sie Kultur und Anthroposophie zusammen in der ihr eigenen, warmherzigen Menschlichkeit vermitteln konnte.

Äußerlich von bescheidener Gestalt, offenbarten die forschenden Augen und ihre melodisch-bildhafte Sprache ihren inneren Reichtum. – Ein Verkehrsunfall unterbrach im März 1966 ihre rastlose Tätigkeit. Sie starb am Abend der russischen Weihnachtsfeier 1968.

Martin Sandkühler


Werke: Beiträge in AGB, AM, AQ, GB.
Literatur: autobiografisch: Seeking and Finding, in: GBl 1959; Harwood,
A.C., Hutchins, E. u. W. L. E.: Violet Plincke, in: AM 1968, Nr. 2; Maier,
M. und Glas, N.: Violetta Plincke, in: Husemann, G. u. Tautz, J. [Hrsg.]:
Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner, Stuttgart 1977.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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