Antonio Scabelloni-Scaligero
Scabelloni-Scaligero, Antonio Massimo
Pseudonym/Varianten: Massimo Scaligero

Dichter, Journalist.

*17.09.1906 Veroli (Italien)
†26.01.1980 Rom (Italien)



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Die umfassenden, über 20 Jahre dauernden Forschungen zu diesem Projekt wurden grundsätzlich im Jahr 2003 mit der Publikation des Buchs «Anthroposophie im 20. Jahrhundert» abgeschlossen. Seither versuchen wir in engen personellen Rahmenbedingungen Fehler zu korrigieren und auch neue Erkenntnisse zu verarbeiten, um die Aktualität der Datenbank zu gewährleisten.

Einige Autoren der Biographien sind in der Zwischenzeit verstorben oder nicht mehr erreichbar. Ihre Beiträge können und wollen wir nicht grundsätzlich ändern. Sofern es sich nicht um kleine, offensichtliche Flüchtigkeitsfehler oder Ergänzungen von Einzelheiten oder der Bibliographie handelt, bleibt uns aus urheberrechtlichen Gründen in diesen Fällen nur die Entfernung des Beitrags, wenn grundlegend neue Erkenntnisse vorliegen - oder aber die Vorschaltung eines Vermerks wie diesen.

So auch bei dieser Biographie von Massimo Scaligero. Neuere Erkenntnisse weisen auf völkisch-nationale, rassistische und antisemitische Einstellungen, Aktivitäten und Publikationen.

Gerne verweisen wir jeweils auf neue Forschungsergebnisse, sofern sie uns bekannt werden. Bitte fragen Sie uns dazu an. Wir möchten auch – obwohl es eigentlich selbstverständlich sein sollte – explizit darauf hinweisen, dass die Publikation einer Biographie hier nicht bedeutet, dass wir die Ansichten der portraitierten Person teilen würden. Ebenso fern liegt uns eine beschönigende Absicht, wenn problematische Aspekte einer der portraitierten Personen nicht genannt sind.

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Die Geisteswissenschaft bildet den Kern in Scaligeros Leben. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als bedeutender Journalist.

Schon in seiner Jugend ist ihm die Gabe der Dichtung eigen. Sie wird ihn lebenslang begleiten und auch seine geisteswissenschaftlichen Schriften durchdringen. Er ist der Dichter des Lichtes; dem Inhalt nach erinnern seine Liebesgedichte (La Pietra e la Folgore) an die Verse von alten Dichtern, die ihre Liebe zu idealisierten Frauen besingen.

Antonio Massimo Scabelloni, der unter dem Pseudonym Scaligero schrieb, wächst ohne Mutter auf. Sie stirbt als er noch ein kleines Kind war. Der Vater, ein Geschäftsmann, stets auf Reisen, übergibt das Kind seinem Bruder, dem Journalisten und Humanisten Pietro Scabelloni. Diese Entscheidung wird prägende Folgen für Scaligeros esoterische Ausbildung haben. Im Haus von Pietro Scabelloni lernt der Knabe verschiedene Persönlichkeiten kennen, die dort in regelmäßigen Gesprächen esoterische und okkulte Erfahrungen austauschen. In diesem Kreis sprudeln Quellen vielseitiger geistiger Bewegungen, die Anthroposophie ist durch Alessandro Bracciani vertreten. Dem Kreis schließen sich bedeutende Persönlichkeiten und Literaten wie der Dichter Gabriele D`Annunzio an. Der 15-Jährige ist wissbegierig, seine humanistische Ausbildung in einem katholischen Gymnasium ergänzt er mit Autoren aus der Privatbibliothek des Onkels. Als wichtig für ihn erwiesen sich die Werke von Feuchtersleben, Ramacharaka, Pascal, Aurobindo, Stirner und Nietzsche.

Mit 20 Jahren entscheidet er, Julius Evola persönlich zu begegnen, tief beeindruckt von seiner Persönlichkeit und seiner Yoga-Lehre wird er sein Schüler. Als er sich nach vielen Jahren von Evola trennt, pflegt er weiterhin freundschaftliche Beziehungen.

Spirituelle Erfahrungen setzen sich fort; der Geistesforscher Scaligero braucht Orientierung, er findet sie bei Evola nicht. Es beginnt eine Zeit geistiger Isolierung. Sie endet mit dem Buch „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ von Rudolf Steiner, der Suchende findet die ersehnte Orientierung. In Rom lebt der Anthroposoph und Arzt Giovanni Colazza – Scaligero lernt ihn durch Vermittlung von Julius Evola kennen. Colazza, der mit Rudolf Steiner in enger Verbindung steht, stellt für Scaligero den lebendigen Kontakt zur Anthroposophie dar. Die Wende vom Yoga zum Rosenkreuz ist vollbracht: Scaligero erkennt in Steiner „den Meister der Neuzeit“. Die Anthroposophie ist die neue Form, in die sich die Tradition, „la Tradizione perenne“, aus den alten Formen wieder lebendig ergießt. Er ist bis zu seinem Tode Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft.

Viele Enttäuschungen hatte Scaligero in esoterischen Kreisen erlebt, die Gelehrsamkeit, die diskursive Form über esoterische und okkulte Themen ersetzte jede Askese und den Erkenntnispfad, die „Dialektik“ als Götzenbild der wirklichen geistigen Erfahrung herrschte überall, sie schonte auch nicht den anthroposophischen Zweig in Rom, „il Gruppo Novalis“. Scaligero wird der Anfechter solcher „Dialektik“.

1959 beginnt seine Tätigkeit als Verfasser von Texten, die auf die konkrete Verwirklichung von Steiners „Philosophie der Freiheit“ hinweisen. Sie ist die notwendige Voraussetzung für die eigenständige Erfahrung der geistigen Welten. Scaligero trotzt seiner milden und gütigen Natur und kämpft in seinen Schriften wie „Die Logik als Widersacher der Menschen“ und „Traktat über das lebende Denken“ ohne Kompromisse gegen jede Täuschung einer Askese, die sich nicht ernst mit der Erfahrung des „pensiero vivente“, des lebendigen Denkens, d.h. des denkenden Denkens befasst. Gerade in einer Zeit der höchsten Unfreiheit, in sechsmonatiger Gefängnishaft, hatte er sich in die „Philosophie der Freiheit“ intensiv vertieft – er war von Amerikanern im Juni 1944 inhaftiert worden, obgleich er nie politisch und schon gar nicht faschistisch engagiert war.

Er schrieb im Feuilleton einiger der wichtigsten italienischen Zeitungen. Seit 1932 arbeitete er als Chefredakteur bei der Zeitung „Italia Marinara“, einem Organ der Lega Navale Italiana. Sein Redaktionszimmer diente zugleich als Arbeitsstelle, Begegnungsort eines esoterischen Personenkreises und kleines „Sozialamt“: Menschen, die Hilfe suchten, wandten sich an ihn. Durch Vorsprache bei der Deutschen Botschaft beispielsweise gelang es Scaligero im Zweiten Weltkrieg, die Befreiung von zwei verhafteten Anthroposophen zu erreichen – und dieser Besuch war es, der später von den Amerikanern als suspekt eingestuft wurde und zu seiner Verhaftung führte.

Auch über diese bewegte Zeit berichtet seine Autobiografie „Dallo Yoga alla Rosacroce“, das Buch, das den Initiationsweg eines modernen Menschen im Spannungsfeld zwischen den Lehrern des Ostens und Westens darstellt.

Scaligero war von 1950 bis 1978 Redakteur der wissenschaftlichen Zeitschrift „East and West“ des Istituto Italiano per il Medio ed Estremo Oriente. Mit dem bedeutenden Orientalisten Giuseppe Tucci war er befreundet und wurde von ihm hoch geschätzt. Dank seiner humorvollen Natur war er aber auch Autor unzähliger satirischer Texte.

Schon als Knabe war er prädestiniert, Mentor anderer zu werden und Schüler um sich zu sammeln. Später bildeten seine sportliche aber nicht zu große Statur und der agile Schritt einen Gegensatz zu seinem beeindruckenden Kopf mit der großen Stirn. In seinem ausgeprägten, schönen Gesicht blickten tiefe ernste Augen in zwei Welten – die übersinnlichen Welten als Grundlage der sinnlichen Welt waren ihm von klein auf stets gegenwärtig. Als Freund war er beliebt, seine Treue war von tief christlicher Liebe und von Mitleid durchdrungen. Der Trost, dass Christus eine Realität ist, strahlte unmittelbar aus ihm.

Sein postum veröffentlichtes Werk „Iside Sofia. La dea ignota“ ist ein Testament am Ende seines Lebens: Die Isis-Sophia, die unbekannte Göttin, bereitet den Weg zu dem Christus.

Letizia Mancino


Werke: Avvento dell’uomo interiore, Firenze 1959, 2. erw. Aufl.: L’uomo interiore, Roma 1976; Trattato del pensiero vivente, Milano 1961, Roma ³1979; La via della volontà solare, Roma 1962; Dell’amore immortale, Roma 1963, ²1982; Segreti dello spazio e del tempo, Roma 1964; La luce. Introduzione all’imaginazione creatrice, Roma 1964; Il marxismo accusa il mondo, Roma 1964; Magia sacra, Roma 1966; La logica contro l’uomo, Roma 1967; Hegel, Marcuse, Mao, Roma 1968; Rivoluzione. Discorso ai giovani, Roma 1969; Graal-Saggio sul mistero del sacro Amore, Roma 1969; Lotta di classe e karma, Roma 1970; Yoga, Meditazione, Magia, Roma 1971; La tradizione solare, Roma 1971; Dallo yoga alla rosacroce, Roma 1972; Manuale pratico della meditazione, Roma 1973; Il Logos e i nuovi misteri, Roma 1973; Psicoterapia. Fondamenti esoterici, Roma 1974; Tecniche della concentrazione interiore, Roma 1975; Guarire con il pensiero, Roma 1976; Reincarnazione e karma, Roma 1976; Meditazione e miracolo, Roma 1977; Il pensiero come antimateria, Roma 1978; Kundalini d’Occidente, Roma 1980; Zen e Logos, Roma 1980; Iside Sophia. La dea ignota, Roma 1980; La pietra e la folgore, Roma 1985; Il sorriso degli dei, Roma 1987; Die Logik als Widersacher des Menschen, Stuttgart 1991; Traktat über das lebende Denken, Stuttgart 1993; Das Licht, Ostfildern 1994; Raum und Zeit, Ostfildern 1995; Übersetzungen ins Ungarische erschienen.
Literatur: AA.VV.: Massimo Scaligero. Il coraggio dell’impossibile, Roma 1982; Titel und Texte, Nr. 16, Stuttgart 1993.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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