Hans Stockmar
Stockmar, Hans Maximilian Alexander Bruno
geb.: Beheim-Schwarzbach

Wachsschmelzer.

*17.03.1890 Sidney (Australien)
†16.01.1961 Hamburg (Deutschland)



Hans Stockmar, 1890 als Maximilian Alexander Bruno Beheim-Schwarzbach in Sydney/Australien geboren, verbrachte als Sohn eines weltreisenden Augenarztes und seiner Frau Carola, geb. Stockmar, seine Kindheit und Jugend in Schulen und Internaten verschiedener Erdteile. Die Eltern trennten sich 1904. Der ihm dann vom Stiefvater verordneten kaufmännischen Lehre in Bremen entlief er, um sich in Berlin zum Schauspieler ausbilden zu lassen. Im Zweifel, ob seine Begabung für diesen Beruf ausreiche, wanderte er nach kurzem Besuch ei-ner Landwirtschaftsschule 1912 mit seiner jungen Frau Vilma, geb. Regling – ebenfalls Schauspielerin, die nun auf ihre Karriere verzichtete –, nach Neuseeland aus, wo er sich zunächst als Landarbeiter verdingte. Hier nahm er offiziell den Namen Hans Stockmar an. Es gelang ihm schließlich, eine eigene Gärtnerei und Imkerei aufzubauen. Um den in Neuseeland geborenen drei Kindern, Heimdal, Anselm und Rahel, den Besuch einer Schule in Deutschland zu ermöglichen und aus Liebe zur deutschen Kultur kehrte die Familie 1921 zurück und erwarb ein kleines Anwesen im holsteinischen Kaltenkirchen. Hier vertiefte sich die Beziehung zum Werk Rudolf Steiners, dessen „Theosophie“ er in einer englischen Übersetzung bereits in Neuseeland kennen gelernt hatte. Nach schweren Rückschlägen in der Bienenzucht – Hans Stockmar verdiente sein Geld zehn Jahre lang während des Winterhalbjahres als Steward auf den großen Schiffslinien über den Atlantik – lief schließlich die Wachsschmelze zur Herstellung von Mittelwänden für die Imker und von Bienenwachskerzen so gut, dass sie die Familie ernähren konnte.

Voller Begeisterung für die Kunst, den deutschen Idealismus und die Anthroposophie, hielt Hans Stockmar zahlreiche Lese- und Vortragsabende, z. B. über das Christentum Goethes, Schillers Menschentum und über verschiedene im engeren Sinne anthroposophische Themen. Er verfasste Gedichte und auch Theaterstücke wurden mit Familienmitgliedern, Nachbarn und Mitarbeitern einstudiert und aufgeführt. So wurde das Stockmar’sche Haus im rund 40 km nördlich von Hamburg gelegenen Dorf Kaltenkirchen ein Ort zahlreicher Menschenbegegnungen und eines reichen Kulturlebens. Die beiden jüngeren Kinder besuchten schließlich noch die Freie Goetheschule in Hamburg-Wandsbek, die 1921 als zweite Waldorfschule begründet worden war.

In den Jahren des Dritten Reiches war Stockmar als überzeugter Antinazi und Kriegsgegner immer wieder höchster Gefahr ausgesetzt. So hielt er bis zu dessen Tod 1942 regen Kontakt zu seinem ehemaligen jüdischen Mitarbeiter Joseph Gelbart, der ins Warschauer Ghetto deportiert worden war, versorgte ihn mit Lebensmitteln und Kleidung und nahm durch seine Briefe großen Anteil an seinem Schicksal. Hierfür wurde ihm 2002 posthum vom israelischen Staat der Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.

Nach dem Krieg nahm der noch heute existierende Wachsbetrieb einen neuen Aufschwung; Sohn und Schwiegersohn stiegen als Teilhaber in die Firma ein. 1961 starb Hans Stockmar nach schwerer Krankheit. „Seine Kerzen brennen in aller Welt“, heißt es in den Nachrufen. Sein Bruder, der Schriftsteller Martin Beheim-Schwarzbach, schrieb 1961 in einem Nachruf: „Seine Menschlichkeit war durch ihre Originalität, Noblesse und Liebenswürdigkeit von eigenartigem Reiz. Auch wo er exzentrisch war und eigenwillig bis zum Eigensinn wirkte, war dies vermöge der Höhe und Kraft seiner Persönlichkeit und namentlich dadurch, dass seine Beweggründe immer und unbedingt integer und human waren, stets ungeheuer einnehmend und eindrucksvoll; der Vorrang, den er überall dem rein Menschlichen gab, war unbeirrbar.“

Stephan Stockmar


Werke: Pflanzenhaftes im Tier, unter besonderer Berücksichtigung der Biene, in: Gäa Sophia, Bd. V, Dresden 1930; Beitrag in A.
Literatur: Klincksieck, H.: Hans Stockmar, in: MaD 1961, Nr. 57; Hagemann, E.: Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr. Steiners, o. O. 1970; Plieninger, K.: „Ach, es ist alles ohne Ufer …“. Briefe aus dem Warschauer Ghetto. Schriftenreihe Jüdisches Museum, Göppingen ²2002; Stockmar, S.: „Nur ziehen Sie ihre Hand in dieser dunklen Stunde nicht zurück.“ Briefe aus dem Warschauer Ghetto. Hans Stockmar wurde posthum als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt, in: DD 2002, Nr. 11; Gronbach, S.: „Gerechter unter den Völkern“. Ein anthroposophischer Unternehmer wird in Yad Vashem geehrt, in: I3 2002, Nr. 12; Mannigel, A.: „Gerechter unter den Völkern.“ Posthume Ehrung, in: G 2002, Nr. 13.




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