Arthur Schult
Schult, Arthur

Pädagoge, Autor und Vortragender.

*04.04.1893 Odenkirchen (Deutschland)
†09.09.1969 Oberstdorf (Deutschland)



Arthur Schult hat in seinem nach Gehalt und Gestalt vielseitigen schriftstellerischen Werk weite Bereiche der Religions- und Geistesgeschichte zugänglich gemacht. Astronomische wie tiefenpsychologische Zusammenhänge wusste er in seine Ganzheitsschau von Mensch und Welt einzubeziehen.

Nach dem Abitur am Gymnasium in Rheydt studierte er von 1912 an klassische Philologie (Griechisch, Latein, Archäologie) und Philosophie in Münster i.W. und Berlin, ferner Deutsch, Geschichte und Astronomie. Zusammen mit seiner am 25.3.1947 verstorbenen Frau Marie, geb. Zimmermann, gründete und leitete er, unterstützt von einem kleinen Mitarbeiterkreis, in Oberstdorf „Philadelphia“, ein privates Erziehungs- und Erholungsheim für Kinder. Darüber hinaus trat er in einer umfassenden Vortragsarbeit an die Öffentlichkeit. Auf einem lebenslangen Studienweg erwarb er sich ein umfassendes Wissen, in dem es ihm darum ging, Glauben und Erkennen, rationale Bemühung und religiöse bzw. spirituelle Durchdringung der Wirklichkeit miteinander zu vereinen.

Schon in jungen Jahren kam er mit dem Werk Rudolf Steiners in Berührung, das wie kein anderes sein eigenes Schaffen impulsierte. In seinen Veröffentlichungen kommt es in einer integrativen Weise zur Aussage. Von 1927 bis 1945 war er Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft. Sein Interesse an allen Formen spirituellen Strebens, das auf eine Erneuerung des religiösen Lebens ausgerichtet ist, ließ ihn auch Zugang finden zur Christengemeinschaft, speziell zu den Werken von Friedrich Rittelmeyer, Emil Bock, Rudolf Meyer, Hermann Beckh und anderen. Letzterer empfing seinerseits von Arthur Schult wesentliche Anregungen für das astrologische Verstehen. Zu seinem Freundeskreis gehörte z.B. Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau, dem er viele Jahre verbunden war. Unverkennbar ist sein Bestreben, bei aller Hochachtung vor dem anthroposophischen Geistesgut und deren Vertretern, seine geistige Selbstständigkeit zu bewahren.

Zu seinen geistigen Gründervätern gehören die Repräsentanten einer harmonikalen Weltbetrachtung, insbesondere Johannes Kepler, dazu die Christosophie Jakob Böhmes, die Analytische Psychologie C.G. Jungs, die Kulturphilosophie Leopold Zieglers ebenso wie die nach anderer Methodik arbeitenden Vertreter der Parapsychologie und der Astrologie. Bei Arthur Schult begegnet man aber auch dem Schreibmedium Jakob Lorber mit seinen umfangreichen Evangelienkommentaren, und der Autorin des „Intermediarius“, Johanna van der Meulen.

Religiöse Erneuerungskraft schöpfte er in besonderer Weise aus dem Johannesevangelium, weshalb er, angeregt durch den mittelalterlichen Seher Joachim von Fiore und im Sinne Schellings, nach einem „johanneischen Christentum“ der anbrechenden Zukunft Ausschau hielt. Deutlich wird dies in seinen Werken „Menschenleben und Johannesevangelium im Lichte der Wandelsterne“, dessen erste Niederschrift noch während des Zweiten Weltkriegs (1941) abgeschlossen werden konnte, ferner in seinem Hauptwerk „Das Johannesevangelium als Offenbarung des kosmischen Christus“, das er als Frucht eines jahrzehntelangen meditativen Umgangs bezeichnete: „Nur wenn wir die Wahrheiten der Bibel in die Meditation hineinnehmen und so das geschriebene Wort sich in das lebendige Wort, in das Brot des Lebens und das Wasser des Lebens verwandelt, werden wir selber zu geistig erleuchteten und im Geiste lebendigen Menschen ... Wir müssen im Worte Gottes verweilen und das Wort in uns wohnen lassen, wenn wir geistig Frucht tragen wollen“ (S. 24). Damit schloss er an entsprechende johanneische Meditationserfahrungen Friedrich Rittelmeyers an.

Seit seiner Jugend durch die leuchtenden Mysterien der Sternbilder fasziniert, schuf er in einem weiteren Hauptwerk „Astrosophie. Lehre der klassischen Astrologie, Bd I/II“ eine kosmische Signaturenlehre des Menschenbildes.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Arthur Schult sich trotz seiner generell positiven Einstellung zu Rudolf Steiner einer kritischen Betrachtung der Anthroposophie nicht entzog. Im Hinblick auf die geistige Reichweite ihrer – aber auch anderer, vergleichbarer – Forschungsmöglichkeiten gibt er zu bedenken: „Durch geistige Schau gewinnt der Mensch Einblick in die höheren Welten, in die ätherische, die astrale, die mentale Welt usw., je nach Willenstiefe. Die verschiedenen esoterischen Geisteswissenschaften vermögen so mit Erfolg, den geistigen Rationalismus unserer Zeit zu überwinden. Aber diese wissenschaftliche Erforschung des übersinnlichen Kosmos dringt niemals ein in die überkosmisch-himmlische Welt ..., in die überkosmische Ideenwelt (Platos) und den Ewigkeitsbereich des lebendigen Gottes, in die überkosmische Himmelswelt des Neuen Testamentes ...“ (1965, S. 500 ff.)

Das wichtigste seiner nachgelassenen Werke ist zweifellos „Dantes Divina Commedia als Zeugnis der Tempelritter-Esoterik“, in dem der Dichter als Esoteriker und Gnostiker des Mikrokosmos wie des Makrokosmos hervortritt. Dieses Werk ist ein weiterer Beleg dafür, dass Arthur Schult als ein beachtenswerter Vertreter christlicher Esoterik anerkannt zu werden verdient, der die Tradition vom Urchristentum bis zur Gegenwart überblickt hat.

Der ihm nahe stehende Schriftsteller Arthur Maximilian Miller sagt von ihm: „Die Landschaft seines Innern, durch und durch geistig, war ein Hochgebirge. In sich ein einziges Massiv, drang sie in vielfachen, einander übersteigenden Zügen und Graten zum Kristall der höchsten Gipfel empor ... und langte schließlich auf den Höhen jenes geistigen Gipfelstocks an, der mit dem Namen des Evangelisten Johannes bezeichnet wird.“

Gerhard Wehr


Werke: Menschenleben und Johannesevangelium im Lichte der Wandelsterne, München 1958; Maria-Sophia. Das Ewig-Weibliche in Gott, Mensch und Kosmos, Bietigheim 1960, ²1986; Das Damaskuserlebnis des Apostels Paulus und die Gegenwart, Bietigheim 1961; Denkschrift zur geistigen Situation der Evangelischen Kirche, Bietigheim 1961; Pfingstgeist und Christentum, Bietigheim 1962; Die Weisheit der Veden und Upanishaden im Lichte des West-Ost-Problems, Bietigheim 1962, ²1986; Das Johannesevangelium als Offenbarung des kosmischen Christus, Remagen 1965; Vom übersinnlichen Wesen des Menschen, Bietigheim 1966, ²1986; Eros und Agape, Bietigheim 1969, ²1993; Urgeschichte der Menschheit. Die biblische Schöpfungsgeschichte im Lichte der Mysterienweisheit, Wuppertal 1966, Bietigheim ²1989; Astrosophie. Kosmische Signaturenlehre des Menschenbildes, Bd. I/II, Bietigheim 1971, 1994 (5. Aufl.); Die Weltsendung des Heiligen Gral im Parzival des Wolfram von Eschenbach, Bietigheim 1975, ²1989; Weltenwerden und Johannes-Apokalypse, Bietigheim 1976; Dantes Divina Commedia als Zeugnis der Tempelritter-Esoterik, Bietigheim 1979; Mysterienweisheit im Deutschen Volksmärchen, Bietigheim 1980; Zeit und Ewigkeit. Sonntagsandachten, Bietigheim 1987; Beiträge in CH.
Literatur: Wehr, G.: Maria-Sophia (Rez.), in: Das Edle Leben 1960, Nr. 10; Wehr, G.: Das Johannesevangelium als Offenbarung des kosmischen Christus (Rez.), in: BfA 1967, Nr. 10; Boejtes, I.: Exkurse zu Intermediarius (II/III), in: No 2001, Nr. 3/4 und 9/10.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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