Liane Collot d’Herbois
Collot d’Herbois, Liane

Malerin, Kunsttherapeutin.

*17.12.1907 Camelford/Cornwall (Großbritannien)
†17.09.1999 Driebergen (Niederlande)





Sie forschte über Licht, Finsternis, Farbe und ihre Anwendung in Malerei und Therapie. Als Echo auf die Farbenlehre Rudolf Steiners suchte sie die Farbe ins Objektive zu heben, um sie von der Form zu befreien, und verband die Kunst mit dem Heilimpuls.

Der Vater war spanisch-französischer Abkunft, die Mutter Schottin. Liane war das einzige Kind. Die ersten zwölf Jahre verbrachte sie in England nahe Tintagel. Oft erlebte sie allein die starke Natur.

1914, zu Beginn des Ersten Weltkrieges, ging die Familie nach Australien; doch Mutter und Tochter kehrten bald nach England zurück. Liane war zeichnerisch hoch begabt und verkaufte schon mit elf Jahren ihre Zeichnungen. Sie war cholerisch veranlagt, doch als sie den Buddhismus kennen lernte, wurde sie stiller. Früh fand sie auch den Zugang zu Platos Schriften.

Sie besuchte die Malschule an der Academy of Arts in Birmingham und fand dort in der Bibliothek Rudolf Steiners „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“. Erst 20-jährig erhielt sie 1927 ihr Kunstlehrerdiplom mit Lehramtsbefugnis. Gleichzeitig bekam sie ein Stipendium für das Britische Museum in London.

Sie wollte mit schwierigen und behinderten Kindern arbeiten und konnte aus deren Bildern Diagnosen stellen. Als sie einmal an der Universität ein Referat über das Thema Buddhismus hielt, machte sie ein Pfarrer der Christengemeinschaft auf die Anthroposophie aufmerksam. Sie ging an die Sonderschule Sunfield in Clent/Stourbridge und gehörte sieben Jahre lang zu den ersten Mitarbeitern des heilpädagogischen Heimes. Dort wurde 1928 Ita Wegman auf sie und ihre Bilder aufmerksam.

Im Januar 1932 trat Liane Collot d’Herbois der Anthroposophischen Gesellschaft in England bei (Michael Group in Birmingham). Seit März 1946 Einzelmitglied, schloss sie sich 1953 der Niederländischen Abteilung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft an.

„Malen Sie, malen Sie, malen Sie!“, schrieb ihr Ita Wegman und lud sie 1935 zu sich nach Arlesheim ein. Liane sollte versuchen, heilende Bilder im Sinne therapeutischer Kunst zu malen. Wegman half ihr zu sehen, dass das Wichtigste des Künstlers ist, nicht sich selbst auszudrücken, sondern für andere Menschen zu schaffen.

Liane Collot d’Herbois signierte ihre Bilder nur selten. Bewusst schulte sie ihre Wahrnehmung. Sie sah die Dinge an und malte sie am folgenden Tag „by heart“. Zunächst blieb sie in der Casa Andrea Cristoforo in Ascona, folgte Ita Wegman 1937 nach Paris und kehrte 1940 nach Arlesheim zurück. In Zusammenarbeit mit Ita Wegman, Hilma Walter und Margarethe Hauschka entwickelte sie eine eigenständige Maltherapie für Patienten mit verschiedensten Erkrankungen. Die Kapelle von „La Motta“ in Brissago, wo später Ita Wegmans Urne beigesetzt wurde, malte sie mit Fresken aus.

Ab 1946 reiste sie mit der Malerin und Bildhauerin Francine van Davelaar durch Europa und Amerika, künstlerisch schaffend und unterrichtend. Schließlich blieben beide Frauen in Holland, wo sich in den Jahren 1967–87 die Magenta-Gruppe, ein Kreis von Malschülern, um sie sammelte (Magenta ist eine Purpurfarbe, die in ihrer stärksten Verdünnung Pfirsichblüt ergibt). Collot entwickelte ihren Malweg, eine Schleiertechnik aus bis zu 80 Farbschichten, aus der „Philosophie der Freiheit“ heraus und veröffentlichte das Arbeitsbuch „Colour I/II“.

Nachdem der Arzt Paolo Walburgh-Schmidt sie 1978 um Unterricht für Therapeuten gebeten hatte, wandte sie sich wieder direkt Patienten zu und entwickelte ihr maltherapeutisches Schaffen weiter.

Liane Collot d’Herbois genoss allgemeine Anerkennung bei Ärzten, Therapeuten und Patienten. Sie war eine aparte Persönlichkeit mit ihrem fein geschnittenen Gesicht, den großen dunklen Augen und dem lächelnden, doch von Leid wissenden Mund. Zutiefst christlich-spirituell, war sie „workwoman“ aus Prinzip, voller Energie und Humor, auch als sie im Alter fast taub wurde. Außer Englisch sprach sie Deutsch, Französisch und Holländisch. Sie meisterte alles, bis ihr „donkey-body“ nicht mehr wollte und sie im Alter von 91 Jahren starb.

1975 stellte sie Aquarelle in Colmar aus, 1997/98 im Goetheanum; nach ihrem Tod fand eine Gedenkausstellung in der Husemann-Klinik in Buchenbach statt. Ihre etwa 1700 Bilder, darunter Altarbilder für die Christengemeinschaft, Andachtsbilder für Kliniken, Heime und Privatpersonen, sind in aller Welt verstreut.

Maja Rehbein


Werke: Ita Wegman, in Grunelius, A. [Hrsg.]: Ita Wegmans Erdenwirken,
Arlesheim 1976, ²1980; Colour I/II, Zeist 1979/81; Farbensphären, Owingen
1983; Light, Darkness and Colour in Painting Therapy Holland 1988, 2. Aufl.
in: Licht, Finsternis und Farbe in der Maltherapie, Dornach 1993;
Übersetzungen ins Französische, Englische und Niederländische erschienen;
Beiträge in AQ, ARw, IWF, MaD, StB.
Literatur: Lüthje, H.: Besuch in Colmar, in: CH 1975, Nr. 6; Hambrecht, E. L.:
Liane Collot d’Herbois, in: CH 1983, Nr. 4; Métrailler, E.: Zur Maltherapie.
Ita Wegmans Zusammenarbeit mit Margarethe Hauschka und Liane Collot
d’Herbois, in: BeH 1990, Nr. 5; autobiografisch: Im Tun neigen sich die
Götter. Persönliche Erinnerungen an Ita Wegman, in: MaD 1990, Nr. 171;
Glöckler, M.: Liane Collot d’Herbois wird 85 Jahre alt, in: N 1992, Nr. 50;
Althaus, C., Thulcke, A.: Liane Collot d’Herbois, in: N 2000, Nr. 38; van der
Steen, B. H. W.: Liane Collot d’Herbois, in: MaD 2000, Nr. 214.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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