Maria (Marysia) Przyborowska
Przyborowska, Maria (Marysia)

Generalsekretärin der Anthroposophischen Gesellschaft in Polen.

*12.10.1892 Warschau (damals Russland)
†17.03.1978 Warschau (Polen)









Maria Przyborowska war nach der Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft in Polen 1929 und dem Tod Luna Drexlers 1933 die zweite Generalsekretärin und über viele Jahrzehnte Mittelpunkt der anthroposophischen Arbeit in Polen.

Maria war das zweite von vier Kindern des bekannten sozial engagierten Warschauer Arztes Adam Kazimierz Sulima-Przyborowski. Sie lernte Klavier spielen und auf ihren zahlreichen Auslandsreisen mit den Eltern Französisch, Deutsch und Englisch, Italienisch und Russisch. Sie studierte klassische Philologie an der Universität Warschau und promovierte, interessierte sich aber nicht für eine weitere wissenschaftliche Laufbahn. Vielmehr engagierte sie sich für das Rote Kreuz und arbeitete für die Redaktion der Jugendzeitschrift „Plomyk“, wo sie ihrer literarischen Vorliebe nachgehen konnte. Sie blieb unverheiratet.

Mit der Anthroposophie kam sie durch die Lektüre von „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ (GA 10) in Berührung, im Oktober 1922 konnte sie die Vorträge des Pädagogischen Jugendkurses von Rudolf Steiner in Stuttgart hören (GA 217). Sie wirkte mit Luna Drexler aus Lemberg und anderen an der Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft in Polen mit, die am 18. Oktober 1929 registriert wurde; die feierliche Gründungsversammlung fand vom 23. bis zum 29. Oktober 1929 in Warschau statt. Den Eröffnungsvortrag über die anthroposophische Arbeit in Polen hielt Luna Drexler als erste Generalsekretärin. Nach ihrem Tod am 5. November 1933 übernahm Maria Przyborowska diese Funktion.

In Warschau wurden in gemieteten Räumen Vorträge, Vorlesungen und Kurse veranstaltet, Bücher und Zyklen Steiners und anderer anthroposophischer Autoren übersetzt und publiziert; als Redner aus dem Ausland wurden u. a. Curt Englert-Faye, Karl von Baltz, Louis Locher-Ernst oder Alexandr Pozzo eingeladen; Sophie Bethmann, Asta Blumfeldt und Maria (Mascha) Pozzo gaben Eurythmiekurse.

1939 wurde die Anthroposophische Gesellschaft von den deutschen Invasoren aufgelöst, die Arbeit im Untergrund aber in kleinen Gruppen fortgesetzt. Maria Przyborowska leitete und koordinierte diese Zusammenkünfte in Privatwohnungen, nur sie wusste, wo welche Gruppe arbeitete. 1944 brannte ihre Wohnung samt der umfangreichen kulturgeschichtlichen und anthroposophischen Bibliothek aus.

Nach dem Kriege wurde ihre neue Warschauer Wohnung Treffpunkt der polnischen Anthroposophen, allerdings musste die Arbeit weiterhin im Verborgenen betrieben werden. Sie leitete diskret die von den staatlichen Organen bedrohte Arbeit, die Übersetzungen und Vervielfältigungen, nahm sich immer Zeit für individuelle Gespräche und Beratungen. Sie starb plötzlich im Jahre 1978 und erlebte nicht mehr – wie so viele andere Personen aus der älteren Generation – die Änderungen im anthroposophischen Leben in Polen, die Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft 1991 und den Aufbau der Arbeit in den Berufsfeldern nach dem Ende der sozialistischen Diktatur.

Maria Ziemska


Literatur: Tomasík, H., Rudnicki, K.: Erinnerungen an Maria Przyborowska, in: N 1988, Nr. 43.




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