Rosemarie Bünsow
Bünsow, Rosemarie

Logopädin und Malerin.

*02.09.1929 Greifswald (Deutschland)
†29.12.1999 Kassel (Deutschland)







Rosemarie Bünsow vermochte es, jeden Gegenstand durch künstlerische Wandlung in seiner Alltäglichkeit zum dienenden Werkzeug des Menschen zu erheben – und aus Herzenskraft und innerer Sicherheit bestimmend und hingebungsvoll zugleich zu wirken.

Als Kind in einer lebensfrohen Familie in Greifswald aufgewachsen, liebt Rosemarie Manthei alles Musikalisch-Künstlerische. Der Vater, ein Schuhmachersohn, war nach dem Ersten Weltkrieg schwer versehrt im Rollstuhl. Die Mutter stammte aus einer Familie englischer Industrieller. Sie hatte einen zwei Jahre jüngeren Bruder. Das Kind tanzt, erhält Klavierunterricht, singt und schauspielert.

Kurz vor Kriegsende gelingt die dramatische Flucht über die Ostsee nach Flensburg, von dort ins Lager nach Dänemark. Bis zum Studienbeginn in Göttingen arbeitet sie dort in einem feinmechanischen Betrieb. Das Studium der Logopädie führt sie bis zum Diplom als Fachlehrerin für Spracherziehung – und in die Ehe mit dem späteren Hochschullehrer Robert Bünsow. Bei Felix Goll studiert sie Malerei. In Göttingen arbeitet sie in der anthroposophischen Studentengruppe mit, im Zweig wie auch im Arbeitszentrum Hannover bemüht sie sich aus künstlerischer Experimentierfreude um neue Arbeitsformen, hilft bei den Schulgründungsvorbereitungen. Zwischen 1954 und 1962 bekam sie eine Tochter und zwei Söhne.

Mit dem Umzug 1972 nach Kassel verstärkte Rosemarie Bünsow ihre Tätigkeit, gab zahllose anthroposophische und künstlerische Kurse, sodass sie schließlich wegen Arbeitsüberlastung ihre sprachtherapeutische Praxis einstellte. Ihr tiefstes Herzensanliegen war ein sich immer wieder erneuernder Weihnachtstagungsimpuls. So initiierte sie in Kassel über Jahre hinweg in der Zeit der heiligen Nächte eine Arbeit an den Grundsteinsprüchen.

Mit zahllosen Volkshochschulkursen, eigenen Gedichten, Bildern und plastischen Arbeiten bis hin zum „100-Tage-Workshop-Zelt“ zur documenta 8 wirkt sie bis in den öffentlichen künstlerischen Diskurs. Als sich die Gelegenheit ergibt, in unmittelbarer Nähe des Kasse-ler ICE-Bahnhofs, das „Anthroposophische

  Zentrum“ zu erstellen, entfaltet sie ungeahnte schöpferische und soziale Kräfte, um hier einen in und aus der Anthroposophie wirksamen und ausstrahlenden Ort zu schaffen. Gleichzeitig ist sie im Arbeitszentrum Frankfurt und 1981–96 im Arbeitskollegium der deutschen Landesgesellschaft sowie als Lektorin der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft tätig.

Anthroposophie war bei Rosemarie Bünsow kein trockenes Wissen oder ein Verhaltenskodex, sondern eine Kraft, die in jeder Situation ihr Leben neu entfaltete, der Sprache innewohnender Sinn war ihr ein stetiger Forschungsauftrag.

Dieter Pommerening


Werke: ... mitten im Werden (L), Kassel 2000; Beiträge in N.
Literatur: Bind, R.: Am Goetheanum angetroffen, in: G 1990, Nr. 23 und Dornach 1991; Göbel, E.: Rosemarie Bünsow, in: N 2000, Nr. 22; Bünsow, R. u. a.: Rosemarie Bünsow, in: MaD 2000, Nr. 214.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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