Sophus Clausen
Clausen, Sophus

Unternehmer, Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft in Norwegen.

*03.05.1911 Bergen (Norwegen)
†29.03.1999 Lillehammer (Norwegen)



Neben seiner Tätigkeit als leitender Direktor einer großen Firma engagierte sich Sophus Clausen für die Anthroposophische Gesellschaft in Norwegen und war ein vermittelnder Förderer zahlreicher Initiativen.

Als Erstes von sechs Kindern des Elternpaares Sophus Garman Clausen und Bergliot Winsnes verbrachte er seine frühe Kindheit in Bergen. Hier hatte der Vater ein Jahr vor seiner Geburt ein Agenturgeschäft für Büromaschinen gegründet, das in den folgenden Jahren mit Filialen in anderen Städten und im Ausland expandierte. Als er elf Jahre alt war, zog die Familie nach Oslo. Der impulsive und strenge Vater nahm den 16-jährigen Sohn aus der Schule, um ihn in seiner Firma anzustellen. Nachdem er wenig später durch Christian Smit die Anthroposophie kennen gelernt hatte, wollte er seinem Sohn eine weiterführende Schulbildung ermöglichen und sandte ihn nach Dornach an die Friedwartschule. Die Leiterin Marie Groddeck schätzte den Schüler sehr, er knüpfte rasch Kontakte zu seinen Mitschülern, die sich zu lebenslangen Freundschaften entwickelten. Das Erlebnis der Mysteriendramen-Aufführungen löste ein tiefes Interesse für die Inhalte, die Schauspielkunst und die Sprachgestaltung aus.

18-jährig kam er wieder nach Oslo, um die harte Arbeit in der Firma aufzunehmen. Der Vater forderte von ihm maximalen Arbeitseinsatz. Als Verkäufer von Büromaschinen reiste er viel und hatte die Firmenkontakte im Ausland, besonders in Deutschland, zu pflegen. Neben den beruflichen Erfolgen nutzte er die Reisen, um seinen kulturellen Horizont zu erweitern. In der ersten Ehe wurden ein Sohn und zwei Töchter geboren.

Als der Schweizer Curt Englert 1936 zum Generalsekretär der norwegischen Anthroposophischen Gesellschaft gewählt wurde, hatte er in Sophus Clausen einen großen Bewunderer. Bei Englerts Vorträgen fand sich eine spirituell suchende jüngere Generation zusammen, die einen neuen Zweig der Anthroposophischen Gesellschaft gründete, die „Oslogruppe“. Sophus Clausen wurde und blieb ein zentraler Mitarbeiter dieser Gruppe, bis er 1979 Oslo verließ. Während des Krieges, ab November 1941, hielt Englert über zwei Jahre Vorträge über Goethes Leben und Werk. Seine biographische Darstellungskunst hinterließ bei Sophus Clausen einen tiefen Eindruck. Später wurde er selbst in Vorträgen und Artikeln ein Erzähler von Lebensläufen großer Persönlichkeiten.

Während des Krieges wurde sein Vater von der nationalsozialistischen Ideologie ergriffen und meldete sich im Alter von 57 Jahren als Soldat auf deutscher Seite. Gleichzeitig riskierte der Sohn sein Leben, indem er einen führenden Mitarbeiter der norwegischen Widerstandsbewegung in seiner Wohnung verbarg. Nach dem Krieg wurde Sophus Clausen leitender Direktor der Büromaschinenfirma, die trotz starker Konkurrenz in den folgenden Jahren erheblich ausgebaut werden konnte.

Die Lage der norwegischen Anthroposophischen Gesellschaft in den Nachkriegsjahren war von Schwierigkeiten geprägt, die im Zusammenhang mit den Krisen in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft standen. 1949 kam es zu einem Bruch mit der Leitung am Goetheanum. Der Landesvorstand stellte von da an Mitgliedskarten aus, die nur für die norwegische Gesellschaft gültig waren. Sophus Clausen litt unter den Spaltungen und setzte sich mit seiner merkurialen Natur für die Überwindung der Gegensätze ein. 1957 wurde er Mitglied des Landesvorstandes und erarbeitete einen Vorschlag, der 1958 eine Annäherung der gegensätzlichen Positionen ermöglichte. Der Vorschlag wurde angenommen und auch vom Vorstand am Goetheanum akzeptiert.

In den 50er-Jahren hatte sich um Sophus Clausen in Oslo ein Kreis für die Arbeit mit Rudolf Steiners Mysteriendramen gebildet. Er lud den Goetheanum-Schauspieler Gerhard Dziuballe ein, um Bilder aus dem Drama „Die Pforte der Einweihung“ einzustudieren. Auf der Nordischen Sommertagung in Lillehammer 1960 wurden erstmals das 4., 5. und 6. Bild aufgeführt – Clausen selbst spielte die Rolle des Capesius. Dies war der Anfang für eine laufende Mysteriendramenarbeit in Norwegen, die bald auch in norwegischer Übersetzung gepflegt wurde. Clausen hielt zahlreiche Einführungsvorträge zu den Aufführungen.

1960 gründete er einen neuen Verlag, Antropos Forlag, um die Arbeit an Übersetzungen – vor allem der Werke Rudolf Steiners – zu intensivieren. Aus kleinen Anfängen sind der Verlag und die angeschlossene Buchhandlung heute zu einer gut etablierten Firma mit regem Umsatz geworden.

Clausen war überhaupt ein Förderer der Publizistik, er unterstützte die Zeitschriften „Spektrum“ (1946–54), „Horisont“ (1955–67) und besonders „Libra“ (ab 1972). Viele Jahre war er Redaktionsmitglied der „Libra“ und schrieb bis 1986 zahlreiche Aufsätze, oft mit biografischen Themen – beispielsweise über „Schicksale um das Atom“, eine Reihe über Atomphysiker, ferner über Jacques Lusseyran, Kaspar Hauser u. a.

Zwischen 1975 und 1981 war Clausen Generalsekretär der norwegischen Landesgesellschaft, nachdem er sich von der täglichen Verantwortung für seine Firma freimachen konnte. Als Generalsekretär wirkte er als Brückenbauer und Vermittler. Die nachwirkenden gesellschaftsinternen Differenzen wurden geheilt, es entstand eine gute Atmosphäre der Zusammenarbeit zwischen der Landesgesellschaft und dem Goetheanum, mit der Camphill-Bewegung und der Christengemeinschaft in Norwegen. Er und seine zweite Frau unterstützten nicht zuletzt mit ihren finanziellen Möglichkeiten viele Initiativen, sie errichteten 1978 die „Rudolf Steinerstiftelsen“, eine Stiftung zur Förderung der anthroposophischen Arbeit.

Oddvar Granly


Werke: Gedanken über die Weihnachtstagung, in: Prokofieff, S. O. [Hrsg.]: Die Grundsteinmeditation, Dornach 2002; 36 Aufsätze in L, 1 Aufsatz in N.
Literatur: Unger-Palmer, R.: Sophus Clausen zum 70. Geburtstag, in: N 1981, Nr. 18; Deimann 1987; Wilkinson, R.: Sophus Clausen, in: N 1999, Nr. 29; Möller, A.: Sophus Clausen, in: L 1999, Nr. 1; Archiv der Anthroposophischen Gesellschaft in Norwegen.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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