Caroline Lasson
Lasson, Caroline Bokken

Sängerin.

*07.01.1871 Kristiania (Norwegen)
†03.08.1970 Oslo (Norwegen)



Bekannt und beliebt wurde Bokken Lasson (Taufname Carolin) besonders als Liedersängerin, außerdem gründete sie das erste Kabarett-Theater im Norden. Nachdem sie Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft geworden war, trat sie ihr ganzes Leben für Rudolf Steiner und die Geisteswissenschaft ein.

Bokken Lasson wurde in Kristiania am 7. Januar 1871 geboren. Der Vater war der Staatsanwalt Christian Lasson, die Mutter, Alexandra von Munthe af Morgenstierne, Tochter des Polizeipräsidenten Cristian Frederik Jacob Morgenstierne und der Russin Anastasia von Soltikoff. Obwohl der Vater ein bedeutender Jurist war, machte er sich nicht weniger durch seine künstlerische Begabung geltend, besonders im Musikalischen und Szenischen. Viele Jahre war die schöne Heimat Bokkens in einem großen Garten, dem so genannten „Lassons Løkke“, ein Versammlungsort für bedeutende Menschen der Hauptstadt, besonders Künstler, Musiker und Schriftsteller. Zwei der größten Maler der damaligen Zeit, Christian Krohg und Frits Thaulow, wurden Schwiegersöhne der Familie. In dieser Heimat, wo zehn Kinder aufwuchsen, nahm die Musik eine besondere Stellung ein. So war der Sohn Per schon ein viel versprechender Komponist, als er mit 24 Jahren starb.

Für Bokkens musikalische Ausbildung sorgten, nach Studien am Konservatorium in Dresden, Raimund von zur Mühlen und die Sängerin Eva Nansen, die Frau Fridtjof Nansens. Im Alter von 23 Jahren debütierte die Schülerin und alle Kritiken waren glänzend. Sie trat nun mit eigenen Konzertabenden in verschiedenen Städten Norwegens auf, dann folgten Tourneen in Deutschland, Frankreich und England, zuletzt auch in den USA, wo sie von ihrem Schwager, dem dänischen Dichter Holger Drachmann, begleitet wurde. Auch als Schauspielerin im leichteren Genre hatte sie Gastrollen auf verschiedenen Bühnen, darunter am Hoftheater in Stuttgart. Ihre allseitige Künstlerbegabung blühte auf, als sie 1912, von ihrem Manne Vilhelm Dybwad unterstützt, Chat Noir, das erste Künstler-Kabarett im Norden, gründete und mit Erfolg leitete. Unter den Auftretenden gab es bedeutende Namen, Dichter wie Arnulf Øverland und Herman Wildenvey und die Sängerin Kirsten Flagstad.

Am vorzüglichsten waren aber ihre eigenen musikalischen Leistungen. Als Sängerin nordischer Volkslieder mit eigener Begleitung auf der Lutte galt sie in Norwegen als bahnbrechend. Bis ins hohe Alter faszinierte sie die Zuhörer mit ihrer schönen, kultivierten Stimme und der Anmut ihrer Person. Als Gesangspädagogin wurde sie als eine der Tüchtigsten im Lande angesehen.

Ihre Bestrebungen und Erfolge auf künstlerischem Felde hinderten sie aber nicht an einer ernsten Suche nach Sinn und tieferem Inhalt. Schon als Jugendliche wurde sie von einer strengen, pietistisch betonten Strömung stark beeinflusst, erlebte aber diese Form des Christentums als unerträglich lebensverneinend und einengend. Als ihre gute Freundin, Ellen Hørup, die Tochter eines bekannten dänischen Politikers, 1917 von übersinnlichen Phänomenen und der Möglichkeit, innere seelische Entwicklung durchzumachen, erzählte, war Bokken Feuer und Flamme. Unter den Büchern, die ihr zum Lesen empfohlen wurden, war Johannes Hohlenbergs Werk über Yoga.

Vier Jahre später traf sie einen Jugendfreund, Carl Vett, und wurde Hohlenberg vorgestellt. Bei dieser Gelegenheit hörte sie zum ersten Mal von Rudolf Steiner und seiner Geisteswissenschaft. Mit dem Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ (GA 10) begann ihr Studium der Anthroposophie: „In den folgenden Jahren trank ich von der springenden Quelle, die mir von der Anthroposophie geöffnet wurde“, heißt es in ihrem Erinnerungsbuch, Veien jeg fant.

1921 wurde Bokken Lasson Mitglied des anthroposophischen Zweiges Vidargruppen in Kristiania. Mitglied der Esoterischen Schule wurde sie 1923, im folgenden Jahr Mitglied der neu eingerichteten Klasse. Im selben Jahr hatte sie ein Gespräch mit Rudolf Steiner, der auf seiner letzten Vortragsreise nach Norwegen war und auch bei der Gründung der norwegischen Landesgesellschaft mitwirkte. Als sie sich über die Skepsis unserer Gegenwart beklagte, wies er sie darauf hin, dass der Zweifel für unsere geistige Entwicklung notwendig sei.

Sie trat bei Michaelifeiern und anderen Festen in der Vidargruppen auf und unterrichtete an der 1926 gegründeten Rudolf Steiner-Schule in Oslo Französisch, Musik und Gesang.

Mit 60 Jahren, 1931, reiste sie mit Ellen Hørup und Carl Vett nach Indien, eine damals lange und weitläufige Fahrt. Sie lernte die Freiheitsbewegung der Inder kennen und bewunderte Gandhi für seinen gewaltfreien Widerstand gegen die britische Kolonieherrschaft, die eine Bevölkerung in Armut und Erniedrigung geführt hatte.

Das alles stellt sie in ihrem Buch Østens smil og tårer („Lächeln und Tränen des Ostens“) dar. Ihre Betrachtungen sind völlig frei von damals verbreiteten nationalen und rassenmäßigen Vorurteilen.

Das Offene und Vorbehaltlose ihres Charakters zeigte sich nicht weniger, als im Herbst 1935 die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland verboten wurde. Die Leitung der norwegischen Landesgesellschaft schickte ein Protestschreiben an den deutschen Außenminister und Bokken Lasson veröffentlichte einen Zeitungsartikel, in dem sie hervorhebt, dass Ziel und Wirken der Anthroposophischen Gesellschaft von allgemeiner und menschlicher Art sei. „Das einzige, was von der Begründung der preußischen Polizei übrigbleibt, ist dann, dass die Anthroposophie durch ihre ganze Methode die Menschen zu Individualitäten mit individueller Verantwortung für ihre Einstellung zu den Problemen der Welt und für ihre Handlungen im Leben erziehen und entwickeln will.“ In den heraufziehenden immer - gesellschaftlichen Gegensätzen versuchte sie möglichst lange an gegenseitige Toleranz und Willen zur Zusammenarbeit zu appellieren. Und als der Bruch zwischen der Leitung der Landesgesellschaft mit Conrad Englert und der Vidargruppen offensichtlich wurde, war sie immer imstande, den Generalsekretär für seinen wertvollen Einsatz für die anthroposophische Sache anzuerkennen. Man müsse aber die zwei Aufgaben, Redner und Funktionär zu sein, auseinander halten. Als Vortragender sei Englert ausgezeichnet, aber als Administrator unmöglich. Es seien viele derselben Meinung wie sie.

Bokken Lasson hielt viele Vortragsreihen in der Vidargruppen – mit über 80 Jahren noch zu Themen wie: Antwort der Anthroposophie auf Lebensfragen, Weitere Ratschläge und Mitteilungen das Hellsehen betreffend und Über die Entstehung der Welt und des Menschen. Etwas früher übernahm sie für einige Zeit die Esoterischen Schulstunden, die bis dahin Nanna Thorne mit Rudolf Steiners Erlaubnis, parallel zu den Klassenstunden, gehalten hatte.

Am 3. August 1970, in ihrem 100. Lebensjahr, starb Bokken Lasson. Sie hatte die Verdienstmedaille des Königs in Gold erhalten und nach ihrem Tod wurde eine Statue von der kleinen, zierlichen Sängerin mit der Lutte errichtet. Bis heute ist sie nicht in Vergessenheit geraten.

Mehr noch als eine Künstlerin war Bokken Lasson eine Lebenskünstlerin. Und die Anthroposophie wurde, wie sie sagte, eine mächtig erneuernde Kraft in ihrem Leben.

Terje Christensen


Werke: 67 viser fra het gamle Chat Noir, Kristiania 1920; Østens smil og tårer, Oslo 1931; Slik var det dengang, Oslo 1938; Livet og lykken., Oslo 1940; Jubileumsalbum. Samling av viser for sang og klaver, Drammen 1947; als Übersetzerin: Rittelmeyer, F.: Mitt livs møte med Rudolf Steiner, Oslo 1954; Beiträge in V.
Literatur: Norsk biografisk leksikon, Bd. VIII, Oslo 1938.




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