Hilma af Klint
af Klint, Hilma

Malerin.

*26.10.1862  (Schweden)
†18.04.1944  (Schweden)
(anderer Todestag: 21.)



Hilma af Klint wurde am Ende des 20. Jahrhunderts als Pionierin der abstrakten Malerei entdeckt. Sie gehörte im ausgehenden 19. Jahrhundert einem spiritistischen Kreis an, als Malerin blieb sie, abgesehen von wenigen Ausnahmen, unberührt von den Hauptströmungen der europäischen Kunst und begann bereits 1906 ungegenständlich zu malen.

Sie wurde 1862 in einer vornehmen Familie schwedischer Marineoffiziere mit besonderen Kenntnissen der Navigation, der Astronomie und der Mathematik geboren. Als junges Mädchen beschäftigte sie sich gerne mit Mathematik, Botanik und mit Porträtmalerei. Schon als Kind hatte sie übersinnliche Erlebnisse und mit 17 Jahren begann sie, sich mit Spiritismus zu beschäftigen. Sie absolvierte 1882–87 ein Studium der Malerei an der Königlichen Kunstakademie in Stockholm und fand Anerkennung an der Fakultät. Seit 1887 arbeitete sie im eigenen Atelier, wo sie vor allem Landschaften und Porträts malte. Sie kannte die Werke der schwedischen Maler gut und wurde vor allem von ihrem norwegischen Kollegen Edvard Munch beeinflusst, weniger allerdings im Stil oder in der Technik, eher durch seine Art, psychologische Zustände in der Malerei auszudrücken.

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bildete sie mit vier anderen Frauen die spiritistische Gruppe „Die Fünf“ oder „Freitagsgruppe“. Als Medium wurde sie während der Séancen zum automatischen Zeichnen inspiriert. Schon 1904 wies sie ein „geistiger Führer“, Ananda, während einer Séance an, Gemälde der astralen Ebene zu malen. Ihre ersten okkulten Abstraktionen entstanden aber erst 1906. Durch „unbewusstes Malen“ produzierte sie Gemälde, die sich fundamental von denen unterschieden, die aufgrund ihrer akademischen Ausbildung entstanden. Es bildeten sich geometrische Muster, freie lineare Formen, für die sie keine Erklärung fand. In dieser Zeit entstanden die „Tempelserie“ und die „Erste Große Serie“. Af Klint begegnete 1908 Rudolf Steiner in der Hoffnung, dass er ihr die Bedeutung ihrer Gemälde erklären werde. Doch weder analysierte noch interpretierte Steiner ihre okkulten Abstraktionen und sie hörte für vier Jahre auf zu malen.

1912 nahm sie in einer zweiten Phase das Malen wieder auf, diesmal unabhängiger von ihrem „geistigen Führer“. Die Gemälde dieser Periode bestehen oft aus schematischen Diagrammen, die verschiedene Ebenen der geistigen Erfahrung darstellen und eine dramatische Auseinandersetzung mit schöpferischen Kräften, wie z. B. mit männlichen und weiblichen Energien widerspiegeln. Oft führte sie auch botanische Studien durch, indem sie Pflanzen naturalistisch malte, begleitet von Skizzen abstrakter, theosophischer Diagramme, die ihre geistige Wahrnehmung der gleichen Pflanzen wiedergaben.

1920 starb ihre Mutter, die sie lange Jahre gepflegt hatte. Eine neue Lebensphase begann. Sie wurde Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft und da sie nun frei zum Reisen war, besuchte sie Dornach, wo sie Rudolf Steiner zum zweiten Mal traf. Jetzt nahm sie wahr, dass Steiners Anregungen zur Malerei „aus der Farbe heraus“ zu neuen geistigen Inhalten und Darstellungsmitteln vorzustoßen suchen, weder Natur wiedergeben, noch die geistige Welt direkt darstellen möchten.

1922 begann vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen eine dritte Phase ihrer malerischen Arbeit. Diesmal malte sie Aquarelle im so genannten anthroposophischen Stil mit frei fließenden Farben, die ohne jede linienhafte Zeichnung Formen bilden. In den folgenden 20 Jahren besuchte sie mehrfach Dornach und vertiefte ihre Kunst laufend durch eine geisteswissenschaftliche Methodologie, in der Bestrebung, ihre eigene Ausdrucksweise innerhalb dieser Stilrichtung zu finden. Proben aus ihrer Malerei dieser Phase wurden in den 20er- und 30er-Jahren im Goetheanum ausgestellt. Ihre letzten Gemälde entstanden im Jahre 1941.

Sie starb ledig, im Alter von 81 Jahren, im April 1944, ohne dass sie ihre abstrakten Gemälde je ausgestellt hätte. In ihrem letzten Willen bestimmte sie, dass ihre Gemälde erst 20 Jahre nach ihrem Tod ausgestellt werden dürften. Sie hinterließ mehr als 1.200 Gemälde, Zeichnungen, Notiz- und Skizzenbücher sowie Aquarelle, von denen einige 1986/87 in Los Angeles und Chicago sowie in Den Haag erstmalig im Rahmen der Ausstellung „Das Geistige in der Kunst: abstrakte Malerei 1880–1985“ gezeigt wurden. 1999/2000 wurden 189 Werke aus der Periode 1906–15 in der Liljevalchs Konsthall in Stockholm gezeigt. Die Ausstellungen hatten großen Erfolg. Ihr Gesamtwerk, das weder aufgeteilt noch veräußert werden darf, wird von der privaten Stiftung „Stiftelsen Hilma af Klints Verk“ in Järna (Schweden) verwaltet.

Van James


Werke: traditionelle Landschafts- und Porträtgemälde in Privatsammlungen;
Skizzenbuch: automatisches Zeichnen der 1890er-Jahre; Ölgemälde:
Tempelserie und W. U.- Serie 1906; Temperagemälde: Erste Große Serie 1907;
Ölgemälde: S. U. W.- und Swan-Serie 1914/15; Aquarelle 1922–1941.
Kompletter Katalog: Sundström, O.: Förtekning över Frk. Hilma af Klints
efterlämnande verk, 1945.
Literatur: Moldenhauer, W.: Hilma af Klint, in: N 1945, Nr. 19; Fant, Å.: The
Case of the Artist Hilma af Klint, in: The Spiritual in Art. Abstract Painting
1890–1985, New York 1986; van der Meulen, J.: Geachte lezer wie was
Hilma af Klint?; Mastenbroek, M.: Het raadsel Hilma af Klint, in: JNL
1987/88, Nr. 5; Kirchgaesser, B.: Kunst auf dem Wege zum Übersinnlichen,
in: DD 1988, Nr. 7/8; Fant, Å.: Hilma af Klint – ockult målarinna och
abstrakt pionjär, Stockholm 1989; Moorman, M.: Hilma af Klint: Back from
the Beyond, in: Art News (NY) 1989, Nr. Summer; Klint, Gustaf af: Hilma af
Klint, in: Okkultismus und Avantgarde. Von Munch bis Mondrian 1900-1915
(Ausstellungskatalog 1995), Linden, G.: Vägen till templet, Hilma af Klint –
Förberedelsetiden 1896–1906, Stockholm 1996; ders., Svensson, A.:
Enheten bortom mangfalden: Tva perspektiv på Hilma af Klints verk,
Stockholm 1999; Klingborg, A., Wagner, U.: „Enligt Steiner skulle
mänskligheten inte vara mogen för Hilma af Klints budskap“, in: FfA 2000,
Nr. Jan.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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