Theodor Schwenk
Schwenk, Theodor

Strömungs- und Wasserforscher.

*08.10.1910 Schwäbisch Gmünd (Deutschland)
†29.09.1986 Filderstadt (Deutschland)





Theodor Schwenk begründete die anthroposophisch erweiterte Strömungs- und Wasserforschung: Er erarbeitete wissenschaftliche Grundlagen des pharmazeutischen Potenzierens, schuf mit seinem weltweit verbreiteten Buch „Das sensible Chaos” eine Wesenskunde des Wassers und entwickelte die Tropfenbildmethode zur Charakterisierung der Wasserqualität. Er gründete das Institut für Strömungswissenschaften in Herrischried und war dessen erster Leiter.

Theodor Schwenk wuchs in Schwäbisch Gmünd auf, wo der Vater, ein Freigeist, als Gewerbeschulrat Physik, Metallbearbeitung und Maschinenbau lehrte. Die zarte, feinsinnige Mutter stammte aus einer schwäbischen Kaufmanns- und Pfarrersfamilie. Der Vater begegnete beim Aufbau des Volksbildungswerks Wilhelm Pelikan, durch den Theodor und seine ältere Schwester auf die Anthroposophie aufmerksam wurden. Als 18-Jähriger hatte sich Theodor die damalige Astronomie erarbeitet und selbst ein Fernrohr gebaut. Nach dem Abitur studierte er an der Technischen Hochschule Stuttgart Maschinenbau mit dem Abschluss als Diplom-Ingenieur für Wasserkraftmaschinen. Nebenbei besuchte er begeistert die Vorlesungen von Ernst Fiechter über Architektur- und Kunstgeschichte, ein Thema, das ihn lebenslang beschäftigte und viele seiner späteren Reisen motivierte.

Nach kurzer Tätigkeit als Entwicklungsingenieur für Schiffsantriebe erhielt der 27-Jährige eine Assistentenstelle bei Ludwig Prandtl, dem Nestor der deutschen Strömungsforschung, an der Aerodynamischen Versuchsanstalt in Göttingen. Nach Kriegsende verzichtete er auf eine Karriere im Flugzeugbau und kehrte im Mai 1946 mit der jungen Familie nach Schwäbisch Gmünd zurück, wo er bei der Firma Weleda eine Stelle als Hilfsarbeiter bekam. – Er hatte 1938 Else Grimminger aus Schwäbisch Gmünd geheiratet. Aus der Ehe gingen drei Töchter und ein Sohn hervor.

Dank der Fürsprache von Fritz Götte konnte Theodor Schwenk schon nach einigen Monaten auf dem Dachboden eines Lagerschuppens der Weleda wissenschaftliche Untersuchungen mit der Steigbildmethode nach Lili Kolisko beginnen und deren Ergebnisse bestätigen. Mit Wachstumsversuchen von Weizenkeimen in potenzierten Lösungen, einer weiteren Methode Koliskos, entdeckte er in langen Versuchsreihen mit Wasser die universelle Offenheit reinen Wassers für verschiedenartigste Planetenkonstellationen. Er erweiterte damit Koliskos Erfahrungen der Zuordnung bestimmter Metallsalzlösungen zu bestimmten Planeten. Sein besonderes Bemühen galt einer adäquaten Begriffsbildung für solche Phänomene, was er in seinem Buch „Grundlagen der Potenzforschung” herausarbeitete. Auch gelang es ihm, die Beziehung der Tageszeiten zu den kosmischen Fische-Jungfrau-Kräften (GA 178) empirisch darzustellen. Auf dieser Grundlage wurden dann die Rh-Präparate entwickelt.

Währenddessen hatte sich Schwenk mit den Phänomenen der Gestaltbildungen beschäftigt, die in bewegtem Wasser entstehen, und ihre Verwandtschaft zu organischen Bildungen entdeckt. Dies wurde zur Grundlage seines Buchs „Das sensible Chaos”, das er mit seinem ausgeprägten Schönheitssinn gemeinsam mit Walther Roggenkamp zu einem wissenschaftlichen Kunstwerk gestaltete. Es wurde als „wichtiger Meilenstein auf dem so notwendigen Wege einer Durchgeistigung der Naturwissenschaft” (Benesch 1962) rezensiert. Darüber hat er in vielen Vorträgen und Kursen, vor allem für Mediziner, gesprochen; er war als guter Redner sehr geschätzt. Auf diesen Forschungsergebnissen aufbauend, entwickelte er Ende der 50er-Jahre die Tropfenbildmethode als bildschaffendes Verfahren zur Untersuchung wässriger Lösungen. Oskar Schmiedel, Wilhelm Pelikan, Hans Krüger, Walther Cloos, Georg Unger u. a. begleiteten und förderten seine Arbeit.

Als Strömungsexperte wurde Schwenk auch von befreundeten Einrichtungen der Weleda als Berater hinzugezogen. So wirkte er bei der Entwicklung der Iscador-Mischmaschine von Alexandre Leroi mit. Leroi führte ihn mit George Adams ( George Adams Kaufmann) und erneut mit Georg Unger zusammen und ergriff die Initiative zur Schaffung eines gemeinsamen Forschungsinstituts für diese Gruppe. Die Familie Voith gewann er als erste Förderer dafür. So kam es im Juli 1959 zur Gründung des Vereins für Bewegungsforschung. Mit dessen Unterstützung baute Theodor Schwenk gemeinsam mit Helga Brasch das Institut für Strömungswissenschaften in Herrischried auf. Dies leitete er von der Eröffnung im Juli 1961 bis Ende 1975. Der Tod von George Adams im März 1963 beendete die gemeinsame Forschung der Gruppe, in der auch Olive Whicher und John Wilkes beteiligt waren. Schwenk entwickelte nun die Tropfenbildmethode für Fragen der Wasserforschung weiter und veröffentlichte sie 1967 in seinem Buch „Bewegungsformen des Wassers”. Er konnte darin seine Erfahrungen von der Durchdringung des Wassers sowohl mit kosmischen wie irdischen Gesetzmäßigkeiten weiter differenzieren.

Im Rahmen seines Anliegens, Wasser für die Bildekräfte durch Bewegungsvorgänge aufzuschließen, erarbeitete Schwenk Konzepte für gezielte Bewegungsführungen bei pharmazeutischen Mischtechniken; sie wurden von verschiedenen Ärztegruppen erfolgreich aufgegriffen. Wegen Anfeindungen von verschiedenen Seiten – er stellte wissenschaftliche Geradlinigkeit über die Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppen – arbeitete er mehr und mehr zurückgezogen. Mit Erreichen des Ruhestandes gab er die Institutsleitung an seinen Sohn ab und zog sich 1977 nach Neustadt/Weinstraße zurück. Dank der großzügigen Hilfe von Freunden konnte er nochmals ein Forschungslabor einrichten und an der Frage der Wasserbelebung durch Bewegungsprozesse arbeiten. 1984 beendete er diese Tätigkeit, u. a. aus gesundheitlichen Gründen, und löste das Labor auf. 1983 ging er die Ehe mit Helga Brasch ein und verbrachte die letzten Lebensjahre in Stuttgart.

Theodor Schwenk lebte für seine Arbeit. Er nahm die Verantwortung des Wissenschaftlers sehr ernst. Sie begann für ihn nicht erst beim Umgang mit den Forschungsergebnissen, sondern im Forschungsprozess selbst. Diesen gestaltete er nach der naturwissenschaftlichen Methode Goethes durch Ausbilden eines anschauenden, flüssigkeitsgemäßen Denkens. Er rang um selbstloses Erkenntnisstreben und widmete sich den Phänomenen nüchtern-liebevoll, bis sie ihre Gesetzmäßigkeit selbst aussprachen.

Wolfram Schwenk


Werke: Grundlagen der Potenzforschung, Schwäbisch Gmünd 1954, Stuttgart
²1972; Das sensible Chaos, strömendes Formenschaffen in Wasser und Luft,
Stuttgart 1962, 112003; Bewegungsformen des Wassers. Nachweis feiner
Qualitätsunterschiede mit der Tropfenbildmethode, Stuttgart 1967; Zum
Begriff des lebendigen Wassers, Herrischried 1967; Wassernot und
Wasserrettung, Bad Liebenzell 1969; Vom Wärmeorganismus der Erde,
Schwäbisch Gmünd 1974; Beiträge in Sammelwerken; Übersetzungen ins
Englische, Französische, Italienische, Spanische, Griechische, Niederländische,
Schwedische, Dänische und Japanische erschienen; Beiträge in BeH, DD, EdN,
EK, JA, K, KaC, LE, MaD, Msch, St, T, WKÄ, WNA u. a.
Literatur: Benesch, F.: Strömende Elemente, in: CH 1962, Nr. 2; Hagemann,
E.: Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr. Steiners, o.O. 1970; Erasmy, H.,
Ziegenbein, G.: Zum 75. Geburtstag Theodor Schwenks, in: MaD 1985, Nr.
154; Unger, G.: Gedenkworte für Theodor Schwenk, in: N 1986, Nr. 49;
Schwenk, W.: Theodor Schwenk, in: MaD 1987, Nr. 159; ders.: Theodor
Schwenk, Herrischried 1987 (mit Bibliographie).




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