Max Schwarz
Schwarz, Max Karl

Gärtner, Garten- und Landschaftsarchitekt.

*07.11.1895 Mannheim (Deutschland)
†04.10.1963 Ottersberg (Deutschland)





Unter den Pionieren der biologisch-dynamischen Arbeit steht Max Karl Schwarz in erster Linie für die Entfaltung der Garten- und Landschaftspflege; darüber hinaus galt sein Einsatz der Entwicklung der Dünge- und Kompostierpraxis.

Schon in jungen Jahren zog es ihn zu der berühmten Künstlerkolonie nach Worpswede. Er wollte Maler werden, Blumen und Landschaften im Bilde festhalten. In seiner badischen Heimat erlernte er von Grund auf das Gärtnerwesen und schloss seine Ausbildung als Gartenbau-Ingenieur ab. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil und hatte Gelegenheit, praktische Erfahrungen im Siedelungswesen – der Urbarmachung des Bodens zur nebenerwerblichen Selbstversorgung – zu machen. In Schlesien baute er gegen Ende des Krieges einen großen Versorgungsgartenbau auf.

Nach dem Krieg gehörte er einem Freikorps an, dann ließ er sich in Worpswede nieder, um sich den Siedlungsbestrebungen Leberecht Migges anzuschließen. Deren Umsetzung überzeugte ihn jedoch nach näheren Erfahrungen nicht. Er baute einen eigenen Betrieb für Gartengestaltung auf und gründete eine Familie. Durch seine erste Frau, die schon bald verstarb, begegnete er der Anthroposophie. Zur Zeit der Vorbereitung des Landwirtschaftlichen Kurses (GA 327) lernte er den Landwirt Ernst Stegemann kennen, den er Pfingsten 1924 zu dem Kurs im schlesischen Koberwitz begleitete. Er wurde Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft und des Landwirtschaftlichen Versuchsrings.

Ein Kernpunkt der Darlegungen im Koberwitzer Kurs betrifft die landwirtschaftliche Individualität – ein ganzheitlicher Organismus, in dem Himmel und Boden, Pflanze, Tier und Mensch aufeinander bezogen ein Gefüge bilden, in dem das Rind als Erzeuger eines unersetzlichen Düngers eine besondere Stellung einnimmt. Max Karl Schwarz’ hervorragende Leistung besteht darin, dass er diese zentrale Maßgabe Steiners sinnvoll auf den Gartenbau übertrug. Er gründete in Worpswede den Birkenhof als „Gärnterhof”, der jahrzehntelang als Wirkens- und Lehrstätte der neuen Wirtschaftsweise diente. Sein Anliegen, bei dem die angemessene Düngung als „das A und O des zentralen Schaffens in bäuerlichen und gärtnerischen Betrieben” (Schwarz in G, 17.6.1962) im Mittelpunkt stand, brachte er in seiner Praxis und Lehre zum Ausdruck.

Schwarz gab Gärtnern und Bauern wesentliche Anregungen, insbesondere für den Heckenbau, den Gemüseanbau und die Einrichtung von Kompostanlagen. Er war u. a. verantwortlich für den erfolgreichen Heckenbau auf dem von Erhard Bartsch bewirtschafteten Gut Marienhöhe Ende der 20er-Jahre. 1931 hielt Schwarz einen Kurs in Loheland, an dem auch Alwin Seifert teilnahm. Seifert zog ihn später in seiner Funktion als „Reichslandschaftsanwalt” zur Mitarbeit bei der Planung und Gestaltung von Autobahnen heran. Ab 1938 widmete er sich ausschließlich dieser Aufgabe eines „Landschaftsanwalts”. Vorher leitete Schwarz auf dem ehemals von Heinrich Vogeler bewohnten „Barkenhoff” die dem Landwirtschaftlichen Versuchsring angeschlossene „Gartenbau- und Siedlerschule Worpswede”. Zahlreiche junge Menschen fanden hier durch ihn und andere namhafte Dozenten aus der jungen biologisch-dynamischen Bewegung eine fundierte Ausbildung.

Schwarz übernahm als Vertreter des Gartenbaus Verantwortung in den verschiedenen Verbänden und Gremien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Seine Beratungs- und Lehrtätigkeit wurde gesucht, er, der Praktiker, konnte für Praktiker verständlich sprechen und auch schreiben. Im Laufe der Jahrzehnte entstand eine Reihe von Schriften, die vielen eine Hilfe zum Einstieg in die biologisch-dynamische Landwirtschaft wurden.

1941 wurden alle überregionalen Organisationen und Institutionen der biologisch-dynamischen Bewegung von den Nazis verboten. Max Karl Schwarz verlor bei der Gestapo-Aktion im Juni 1941 wertvolle Bücher und Unterlagen, konnte aber seine Arbeit als Gärtner und Garten- und Landschaftsarchitekt fortsetzen, da er freischaffend tätig war. Auch nach 1941 konnte Schwarz, der nicht Mitglied der NSDAP war, noch in NS-gelenkten Fachblättern publizieren. Sein Bestreben, die biologisch-dynamische Sache zu befördern, ließ ihn – aus heutiger Sicht – zuweilen die Grenzen des Pragmatismus hin zum Opportunismus überschreiten. So veröffentlichte er 1940 Gedanken über die Landschaftsgestaltung der eroberten polnischen Gebiete.

Im Laufe seines Lebens legte er zahlreiche Privatgärten an, entwarf öffentliche Anlagen, Kurparke und Badestrände. Nach 1945 gruppierte sich in Norddeutschland um Max Karl Schwarz ein Praktikerkreis von Erwerbsgärtnern. Vielen heilpädagogischen Instituten in Mittel- und Westeuropa entwarf er liebevoll ausgearbeitete Garten- und Landschaftspläne. Im ganzen Bundesgebiet diente er mit Rat und Tat dem Schulgartenwesen der Waldorfschulen, die Zusammenarbeit mit den Gartenbaulehrern lag ihm am Herzen. Schließlich galt seine besondere Aufmerksamkeit der Gestaltung des Goetheanum-Geländes.

In den späteren 50er-Jahren musste er aus gesundheitlichen Gründen seine berufliche Tätigkeit einschränken, er widmete sich wieder verstärkt der Malerei, zahlreiche Blumen- und Landschaftsbilder entstanden. In seinen letzten Lebensjahren wirkte Max Karl Schwarz als Vorsitzender des Schulvereins der Rudolf-Steiner-Schule Ottersberg bei Bremen.

Johann C. Grunelius/Hans-Jürgen Bracker


Werke : Gartenbau als eine in sich geschlossene Individualität, in: Gäa Sophia, Bd. IV, Stuttgart 1929; Ein Weg zum praktischen Siedeln, Düsseldorf 1933; Obstbau unter Berücksichtigung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise, Dresden 1939; Beiträge in Sammelwerken; weitere in AAF, D, DD, G, LE, MaD, MdV, MFW, MVL, N, NBD, Ssp, St, WNA.
Literatur : Schmidt, G.: Im Gedenken an Max Karl Schwarz, in: N 1963, Nr. 42; Freundeskreis der biologisch-dynamischen Arbeit: Max Karl Schwarz, in: LE 1963, Nr. 6; Dreidax, F.: Im Gedenken an Max Karl Schwarz, in: MaD 1964, Nr. 68; ders.: Max Karl Schwarz, in: DD 1964, Nr. 1; Hagemann, E.: Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr. Steiners, o. O. 1970; von Wistinghausen, A.: Erinnerungen an den Anfang der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise, Darmstadt 1982; Schöffler 1987; Lang, K.: Lebensbegegnungen, o. O., o. J.; Bäuerliche Gesellschaft Nordwestdeutschland [Hrsg.]: Rudolf Steiners landwirtschaftlicher Impuls II. Erlebnisse und Erfahrungen aus der Praxis. 40 Jahre Bäuerliche Gesellschaft, Amelinghausen 1993; Koepf, H., von Plato, B.: Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise im 20. Jahrhundert, Dornach 2001.




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